Filmprojekt im Paradies Heimat

Land und Leute : Filmprojekt im Paradies Heimat

Londri Mingolo, im Kongo geborener Trierer, plant eine Verfilmung seines autobiografischen Romans. Es ist ein Vorhaben mit klarer Botschaft.

Schüsse, Schreie, das entflammte Bild eines gestürzten Diktators zur Zeit des Kongokrieges 1998. Eine zitternde Fernsehmoderatorin mahnt, sich in Sicherheit zu bringen. Blutlachen, Leichen, Menschen auf der Flucht. Unter ihnen ein siebenjähriger Junge, ein fröhliches Kind, dessen Leben sich schlagartig ändern soll. Eine Nahaufnahme von seinen glänzenden, dunklen Augen. Tiefe Unschuld spiegelt sich darin wider. Er sagt: „Ich heiße Londri Mingolo und das ist meine Geschichte.“ Ein echter Gänsehaut-Moment.

Diese Filmsequenzen sind ein Vorgeschmack auf das, was bis April 2020 entstehen soll: Ein dramatischer Spielfilm über Flucht und Integration, basierend auf dem autobiografischen Roman des heute 27-jährigen Trierer Gesundheits- und Krankenpflegers Londri Mingolo.

In seinem Buch „Vom Kongo nach Deutschland: Allein in einer fremden Welt“, erschienen 2016 im Klecks-Verlag, berichtet Mingolo nüchtern und ohne zu beschönigen von seinen Kindheitserinnerungen an seine Heimat. Er erzählt vom „Paradies Kongo“, den Schwierigkeiten der Flucht und seiner Integration in Deutschland, dem Abrutschen in die Kriminalität und schließlich dem erfolgreichen Weg heraus aus einem Milieu, in dem man Respekt durch Schlägereien erwirbt. „Ich bin kein Mensch, der über seine Gefühle spricht“, sagt Mingolo. Um das Erlebte zu verarbeiten, habe er seine Geschichte aufgeschrieben, „sozusagen als persönliche Therapie und Erinnerungsspeicher“ für sich und seine Töchter. Durch das Buch habe er mit der Vergangenheit abschließen können. Seinen Lesern vermittelt Mingolo diese Botschaft: Niemand verlässt freiwillig sein Paradies „Heimat“.

Drei Jahre nach Veröffentlichung des Buchs ist das Thema Flucht aktueller denn je. Um mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, beschloss Mingolo, seine Geschichte stellvertretend für das Schicksal Millionen anderer zu verfilmen. Die Dreharbeiten sollen im August im Kongo beginnen.

Mit der Idee, seine Geschichte auf die Leinwand zu bringen, spielte Mingolo seit längerem. Nach der Veröffentlichung erhielt der Autor erste Anfragen von Filmproduktionsfirmen und selbstständigen Filmemachern, darunter Regisseure, die mit dem ZDF zusammenarbeiten. Doch der Autor lehnte die Angebote ab. „Meine Botschaft soll erhalten bleiben“, erklärt er. Trete er seine Rechte ab, bestehe die Gefahr, dass seine Geschichte entfremdet werde. Mingolo wollte das Filmprojekt daher selbst mitgestalten. Über eine Bekannte lernte er den Mainzer Schauspieler und Regisseur Joél Sansi kennen, der unter anderem durch die Filmproduktion „Kofi und das Baby aus der Tasse“ (2017) und das Seriendrama „Hindafing“ (2016/2019) bekannt wurde. Gemeinsam starteten sie das Filmprojekt „Allein in einer fremden Welt“.

Neben den Themen Migration und Integration ist es das Anliegen der Produzenten, Mingolos Heimatland Kongo aus afrikanischer Perspektive darzustellen. „Wenn ich an Afrika denke, denke ich nicht zuerst an Kinder mit Hungerbäuchen“, sagt der Autor. Er assoziiere mit seiner Heimat sein Elternhaus, den großen Markt Zando und den Hafen von Kinshasa, wo seine beinahe dreijährige Odyssee nach Deutschland einst begann. Es sind zivilisierte Orte mit ausgebauter Infrastruktur und einer vielseitigen Kultur. Mit dem Film will Mingolo diese Vielschichtigkeit zur Geltung bringen.

Inzwischen steht das Drehbuch, die Hauptrollen sind besetzt, die ersten Testsequenzen im Kasten. Einige Sponsoren haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Es fehlt allerdings noch die Zusage wichtiger weiterer potenzieller Sponsoren. Diese zeigten sich zögerlich und schienen aufeinander zu warten, sagt Mingolo. So wolle die Stadt Trier erst nach Antworteingang der Kulturstiftung Mainz ihre Zu- oder Absage erteilen. Londri Mingolo zeigt sich zuversichtlich. Die Visa für die Dreharbeiten im Kongo sind bewilligt, alle notwendigen Impfungen durchgeführt und die Flugtickets gebucht. Er hofft inständig, dass alles klappt – denn die Produktion ist für die beiden Produzenten nicht nur eine Chance, sondern vor allem ein persönliches Anliegen.

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