Finale zur Reliquienverehrung
Trier-Biewer · "Jacob auf Abwegen", so heißt der Film, den die Biewerer Wolfgang Leinen und Egon Thull derzeit über den Schutzpatron ihres Stadtteils drehen. Darin verlässt der heilige Jacob seinen Platz auf dem Biewerer Brunnen und wandert durch Trier. Bei der Reliquienverehrung am Sonntag wird die Endszene des Films gedreht.
Trier-Biewer. Normalerweise thront der heilige Jacobus auf dem Biewerer Brunnen. Doch der Stammplatz des steinernen Schutzpatrons ist leer. Und das, obwohl am Sonntag die jährliche Reliquienverehrung am Jacobsbrunnen stattfinden soll.
Der regionale Film "Jacob auf Abwegen", den die Biewerer Freunde Wolfgang Leinen und Egon Thull bereits seit Beginn des Jahres drehen, vermischt Wahrheit und Mär zu einer unterhaltsamen Erzählung über den Biewerer Brunnenheiligen: Im Film erwacht der steinerne Jacob zum Leben, klettert über eine Leiter vom Brunnen hinab und streift zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens durch die Straßen von Biewer und Trier. Mit Filzhut, Pilgerstab und der obligatorischen Jakobsmuschel verkörpert der Biewerer Manfred Klinkhammer den Schutzpatron im Film. Klinkhammer hat Erfahrung mit der Rolle, schließlich tritt er seit Jahren als Jacob in die Biewerer Bütt. Auch andere Persönlichkeiten aus dem Stadtteil, wie der Pastor oder der Ortsvorsteher, kommen im Film vor - getreu ihrer Rollen im tatsächlichen Leben.
Zur Reliquienverehrung werden die Filmemacher aufwarten, um die Schlussszene zu drehen. Darin geht es um das Patronatsfest, zu welchem der wandelnde Jacob zurückkehren muss, damit die Menschen ihn schmücken und verehren können. Ob Jacob tatsächlich rechtzeitig auf seinen Sockel zurückkehrt, werden die Biewerer in einem halben Jahr erfahren, wenn der Film voraussichtlich fertig wird. Statt wie gewohnt zur Reliquienverehrung, findet die Kirmes dieses Jahr aus organisatorischen Gründen eine Woche später statt.
Die Idee zum Film beruht auf einem Schnappschuss und einem TV-Bericht von 1991. Auf dem Bild sah man eine Leiter, die an den Jacobsbrunnen angelehnt war, was die Redakteurin zur Spekulation veranlasste, Jacob sei vielleicht nachts unterwegs gewesen. Als die Behörden anrückten, um zu überprüfen, ob Jacob sicher auf seinem Sockel stünde oder ob die Leiter vielleicht auf einen versuchten Diebstahl hindeutete, war der Biewerer Gassenhauer des wandelnden Jacobs geboren. Bereits an Fastnacht 1992 wurde das Thema in der Bütt und beim Schärensprung weiter ausgemalt und ist seitdem lebendig geblieben. beke