Finger weg vom Ackerland!

Weniger Geld aus Brüssel, eine neue EU-Agrarpolitik, der Verlust wertvollen Ackerlands, das als Ausgleich für Straßen herhalten muss: Über diese Themen haben etwa 100 Landwirte, Winzer, Verbands- und Behördenvertreter bei der Jahreshauptversammlung des Kreisbauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg diskutiert.

Schweich. Die Nutzflächen der Bauern schwinden - auch im großflächigen Landkreis Trier-Saarburg. In der Region seien der Landwirtschaft in 50 Jahren etwa 300 000 Hektar verloren gegangen, berichtete Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg, vor etwa 100 Gästen der Jahreshauptversammlung im Schweicher Leinenhof. "Das ist fatal", klagte Clüsserath - vor allem wegen der stetig steigenden Menge an Ausgleichsflächen, die Landwirte hergeben müssten. Für einen Meter Autobahn etwa sei das Zwanzigfache an Ausgleich nötig.
"Lasst die Finger von Acker- und Grünland", forderte auch Michael Horper, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinlad-Nassau. Er schlug vor, in die Orte zu gehen, dort die "alten Häuser zu kaufen und abzureißen" - statt immer neues Bauland auszuweisen. Ein Thema, zu dem sich Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen zu Wort meldete. Die Landwirtschaft nehme auch im Oberzentrum Trier "einen wichtigen Stellenwert" ein. Die Stadt stehe jedoch unter hohem "Siedlungsdruck", sagte Jensen. Man müsse Bauland ausweisen, um "Mieten zu dämpfen" und auch "den Wünschen junger Familien zu entsprechen".
Die aktuellen Lebensmittelskandale - etwa falsch deklarierte Bio-Eier und mit Schimmelpilzen verseuchter Futtermais - kamen nur am Rande zur Sprache. Die Situation sei "ägerlich", meinte Verbands-Vizepräsident Horper, betonte aber, dass "bisher kein Mensch gesundheitlich betroffen" sei. Skandale und "kriminelle Machenschaften" seien im Lebensmittel-Handel "nie ganz zu vermeiden". Man müsse jedoch "die Richtigen" verantwortlich machen: "Die Bauern sich es nicht. Aber sie sind die Leidtragenden." Strengere Verordnungen träfen gerade sie: "Die hören dann auf, weil es ihnen zu viel wird."
Weniger Geld aus Brüssel


Die kleineren Betriebe könnten auch die Leidtragenden der EU-Sparpläne sein: Brüssel will seine Fördermittel für die gemeinsame europäische Agrarpolitik, kurz GAP, für 2014 bis 2020 deutlich kürzen (der TV berichtete). Die Pläne erläuterte Rolf Burbach, Europabeauftragter im Bundeslandwirtschaftsministerium, der kurzfristig für den erkrankten parlamentarischen Staatssekretär Peter Bleser eingesprungen war. Es gebe "Einbrüche", die deutsche Landwirtschaft sei aber weiter "gut aufgestellt" beruhigte Burbach die Landwirte. Für Direktzahlungen an die Bauern stünden fünf Milliarden Euro zur Verfügung, weitere 95,6 Milliarden für die Entwicklung der ländlichen Räume. Was dies für die einzelnen Bundesländer bedeute, dazu geben es noch keine Zahlen. "Ich bin erstaunt, dass sich einige schon arm rechnen", sagte Burbach. Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken sprach bereits von 20 Prozent weniger Fördermitteln für den ländlichen Raum.
Burbach gab allerdings zu, dass die Reformpläne zur EU Agrarpolitik "an einigen Stellen noch intensiv beraten" werden müssten. Als Beispiel nannte er das Greening (Begrünung). Es sieht vor, sieben Prozent der Äcker in ökologische Vorrangflächen wie Blühwiesen umzuwandeln. Die Bauern sollen dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten. Burbach: "Von einer Verwaltungsvereinfachung sind wir noch weit entfernt."