Firmen uneins, Bürger verärgert

Bonerath · Obwohl offenbar die Technik vorhanden ist, können immer noch nicht alle Bonerather Bürger schnelles Internet nutzen. Ein Sprecher der Westnetz GmbH, ein Tochterunternehmen der RWE, behauptet, die Deutsche Telekom müsse noch einiges intern klären. Die Telekom wiederum sieht Vitroconnect, ein von den RWE beauftragtes Subunternehmen, in der Pflicht - und erwägt rechtliche Schritte.

Bonerath. Thomas Kluge von der Bürgerinitiative "Schnelles Internet" ist sehr wütend. "Dies ist meiner Meinung nach der Gipfel der Frechheiten. Da wird endlich ein Verteilerkasten errichtet, und niemand soll wissen, wie die Technik funktioniert", sagt der Bonerather Bürger. Hinzu komme, dass Bürger nun eine Übertragungsgeschwindigkeit 50 MegaBit pro Sekunde bezahlen dürften und gerade mal ein Fünftel dieser Leistungen erhielten.
Dabei hatte alles verheißungsvoll begonnen: Glasfaserkabel waren von den RWE in der 250 Einwohner zählenden Gemeinde verlegt und ein notwendiger sogenannter Kabelverzweiger errichtet worden. Das ist ein "Schrank", von dem aus das schnelle Internet über die Hausanschlüsse an die jeweiligen Haushalte übertragen wird. Ein wichtiger Schritt im Jahr 2015 für die Bürger und Gewerbetreibende in dem kleinen Ort, der ohnehin schon unter Mobilfunklöchern leidet. Doch die Freude währte nicht lange. Nur rund 30 Haushalte konnten von dem errichteten "Schrank" aus versorgt werden, die restlichen 60 wurden an einen Verteilerkasten im Nachbarort Holzerath angeschlossen. Die Folge: Die 60 Haushalte surften weiterhin im Schneckentempo. Mehr noch. Ein Haushalt war sogar wochenlang ohne Telefon und Internet. Die Bürger hatten die Nase voll von dem Chaos und gründeten eine Initiative. Die forderte das Ende des Internet- und Telefonie-Wirrwarrs - und den notwendigen Kabelverzweiger. Die TV-Recherche ergab dann, dass Vitroconnect, ein von den RWE beauftragtes Subunternehmen, und die Telekom noch vertragliche Voraussetzungen schaffen mussten.
Seit Ende April steht nun der lang herbeigesehnte zweite Kabelverzweiger in Bonerath. Die Crux: Bürger surfen trotzdem immer noch langsam. Nun behauptet Daniel Caspari von der Westnetz GmbH, einer Tochter des Energiekonzerns RWE, in einem Schreiben an Thomas Kluge: "Das Problem liegt gar nicht an der Technik." Sondern es sei darin zu klären, "wie das bei der Telekom in Prozessen und Systemen intern organisiert werde". Bei der Telekom müssten noch drei Fragen geklärt werden (siehe Extra), da es sich bei dem Kabelverzweiger um einen der ersten Schränke dieser Art in Deutschland überhaupt handele.
Telekom-Sprecher André Hofmann weist die Vorwürfe vehement zurück. Für Vitroconnect sei 2015 in Bonerath ein zusätzlicher Kabelverzweiger errichtet und Ende April 2015 an das Unternehmen übergeben worden, sagt Hofmann. Das Ausbauprojekt der Telekom sei damit beendet gewesen und Vitroconnect entsprechend informiert worden. "Jedenfalls kann seit Ende April aus unserer Sicht ein Umschalten der Teilnehmeranschlussleitung von dem bisherigen Kabelverzweiger auf den neuen Kabelverzweiger und damit auf die von Vitroconnect angebotenen Bandbreiten technisch stattfinden", sagt der Telekom-Sprecher.
"Dazu muss Vitroconnect seine Infrastruktur ebenfalls erweitern", sagt Hofmann.
Die Umschaltung müsse bei der Telekom beauftragt werden, sonst verändere sich die Datenrate für deren Kunden nicht. "Des Weiteren behalten wir uns aufgrund der falschen Aussagen, die zu diesem Thema getätigt worden sind, das Recht vor, rechtliche Schritte einzuleiten", sagt Hofmann. Die Bürger in Bonerath wollen nur eins: endlich schnell surfen.

Extra

Drei Fragen, die die Telekom laut Daniel Caspari von der Westnetz GmbH angeblich noch klären muss: 1. Wie bekommen wir die Anschlüsse, die bereits zu RWE gewechselt sind, auf den neuen Schrank umgeschaltet, sodass die wieder "direkt bei RWE landen"? 2. Wie bekommt die Telekom die Bestellungen (also noch nicht geschaltet) von Bürgern aus Bonerath, die derzeit noch auf den alten Schrank laufen, nach der Umbindung auf den neuen Schrank "umbestellt"? 3. "Die Telekom muss die Adressen, die auf den neuen Schrank umziehen, in ihre internen Systeme eingeben. Dies ist noch nicht vollständig geschehen, läuft aber derzeit." kat