1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Firmenbeteiligung des Bischöflichen Stuhls in Trier ist rund 350 Millionen Euro wert

Firmenbeteiligung des Bischöflichen Stuhls in Trier ist rund 350 Millionen Euro wert

Das Vermögen der katholischen Kirche im Bistum Trier ist deutlich höher als bislang bekannt: Der Bischöfliche Stuhl ist an einer Immobiliengesellschaft beteiligt. Ein Experte schätzt den Wert der Beteiligung auf mehrere Hundert Millionen Euro.

Die Diskussion um den inzwischen beurlaubten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist schuld, dass die Finanzen der katholischen Kirche etwas transparenter geworden sind, auch im Bistum Trier. Da hörten viele Gläubige zum ersten Mal, dass es neben dem regulären, von jedermann einsehbaren Bistumshaushalt noch das Vermögen des sogenannten Bischöflichen Stuhls gibt. Allein der bilanzielle Wert von Kapitalanlagen, Darlehensforderungen und Liquidität wird auf 84 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen 38 Gebäude, darunter 14 Wohnhäuser, für die keine aktuelle Marktbewertung vorliege, so das Bistum.

Hinter diesen Zahlen und Begriffen verbirgt sich ein Vermögen, das noch deutlich höher ist. Denn der Bischöfliche Stuhl ist mit 13,5 Prozent an der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft (ASW) beteiligt. Die in Köln ansässige Gesellschaft bewirtschaftet rund 25.000 Wohnungen, darunter auch 450 Wohnungen in Trier, errichtet und verkauft Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser.

Der Politologe und Experte für Kirchenfinanzen, Carsten Frerk, schätzt den Marktwert des Unternehmens auf mindestens 2,6 Milliarden Euro. "Da der Bischöfliche Stuhl in Trier 13,5 Prozent des Stammkapitals besitzt, hätte er einen Anteil von rund 350 Millionen Euro", sagt Frerk dem Volksfreund. Will heißen: Würde der Trierer ASW-Anteil verkauft, könnte mit Einnahmen in dieser Höhe gerechnet werden. Und warum taucht der Betrag dann nicht in der Bilanz des Bischöflichen Stuhls auf? "Weil nach dem Handelsgesetzbuch Vermögensgegenstände in der Bilanz nur mit ihren Anschaffungskosten ausgewiesen werden müssen", sagt der Bitburger Steuerberater Heinz-Peter Fuchsen.

Diese Vorschrift komme dem Wunsch der Kirche, ihr Immobilienvermögen nicht nach Realwert offenzulegen, sehr entgegen, meint Buchautor Carsten Frerk. Mit einer Transparenz-Offensive habe dieses Vorgehen nichts zu tun.