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Justiz
Fischers Maathes’ Haus in der Trierer Brotstraße – Eigentümer wollen Abriss

 Die Front des Hauses Brotstraße 26 in der Trierer Fußgängerzone. Soll sie erhalten bleiben oder darf sie abgerissen werden? Die Rückseite des Denkmals (Foto rechts) grenzt an den Gebäudekomplex des Bischöflichen Priesterseminars.
Die Front des Hauses Brotstraße 26 in der Trierer Fußgängerzone. Soll sie erhalten bleiben oder darf sie abgerissen werden? Die Rückseite des Denkmals (Foto rechts) grenzt an den Gebäudekomplex des Bischöflichen Priesterseminars. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Harald Jansen
Trier. Das Verwaltungsgericht beschäftigt sich am Mittwoch mit der Frage, ob das Geburtshaus des Trierer Originals oder zumindest die Fassade erhalten werden muss. Von Harald Jansen
Harald Jansen

Die Leuchtreklame ist seit Jahren abgebaut, die Inneneinrichtung von Hut Georg hat eine neue Heimat im Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz gefunden, eine Gedenktafel erinnert weiterhin daran, dass dort der legendäre Fischers Maathes geboren wurde. Ansonsten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein im Haus Brotstraße 26 unweit des Priesterseminars. Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen geht es offensichtlich hoch her. Und am Mittwoch wird der Streit zwischen den Eigentümern des Hauses und der Stadt Trier öffentlich ausgetragen. Dann beschäftigt sich ab 10.45 Uhr das Verwaltungsgericht Trier (Aktenzeichen 5 K 3910/18.TR) mit der Frage, ob die Fassade des Gebäudes abgerissen werden darf (siehe Info Prozess).

Schon zu Lebzeiten verkaufte der als Hut-Schorsch bekannte Ladenbesitzer das Gebäude. Er hatte weder Nachkommen noch einen Nachfolger für das Geschäft. Das unter Denkmalschutz stehende Haus (siehe Info Hausgeschichte) gehört inzwischen einer Eigentümergemeinschaft. Die will nach Auskunft des von den Eigentümern beauftragten Rechtsanwalts Curt M. Jeromin das Gebäude sanieren. Es soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Doch die vorhandene Bausubstanz bereite Probleme. Unter anderem müssten die Außenmauern der beiden benachbarten Häuser während der Bauphase – bei der unter anderem vorhandene Wände entfernt werden – abgestützt werden.

Laut Jeromin seien mehrere Möglichkeiten diskutiert worden, wie die Fassade zur Brotstraße hin gesichert werden kann. Eine Stützkonstruktion von innen sei theoretisch möglich. „Es hat sich jedoch niemand gefunden, der das macht und die Verantwortung dafür übernimmt“, sagt der Rechtsanwalt. Gegen eine Stütze auf der Brotstraße nahe der Fassade hätten die Stadtwerke Einspruch erhoben, weil dort eine wichtige Wasserleitung verläuft. Gegen eine Stütze weiter in der Straße habe die Berufsfeuerwehr votiert, da sonst Rettungswege versperrt wären.

Seine Mandanten seien sogar bereit, die Vorderfront fachgerecht abtragen zu lassen, um sie dann später wieder aufbauen zu lassen, sagt Jeromin. Für ihn steht fest: „Es muss etwas passieren.“ Allein schon deshalb, da der aktuelle Zustand des Hauses nicht auf Dauer so bleiben könne und derzeit akute Gefahr für die Nachbarhäuser bestehe. „Es soll nachher keiner sagen, er hätte nichts gewusst.“

Dominik Heinrich, Ortsvorsteher von Mitte-Gartenfeld, ist alles andere als begeistert von der Vorstellung, dass die Front des Gebäudes abgerissen wird. Er hält nichts davon, abzureißen und anschließend wieder eine Schaufassade aufzubauen. „Das ist ein unglaublich schönes Gebäude“, sagt der Ortsvorsteher, der im Hauptberuf Architekt ist. Das Geburtshaus von Fischers Maathes sei Teil eines denkmalgeschützten Ensembles. Heinrich hat kein Verständnis für die Abrisswünsche der Hauseigentümer. Er sagt: „Wenn jemand ein Baudenkmal kauft, dann weiß man, was das bedeutet.“

Auch Baudezernent Andreas Ludwig weist darauf hin, dass das Haus Teil einer Denkmalzone ist, die seit Dezember 2008 unter Schutz steht. Er sagt: „Das Haus, zumindest aber dessen Fassade, sollte aus unserer Sicht deswegen erhalten werden, weil das Ensemble der historischen Fassaden straßenbildprägend ist und in der Denkmalliste der Landesdenkmalpflege auch entsprechend aufgeführt und beschrieben ist.“ Zudem erinnere es an die Neubebauung Triers im 19. Jahrhundert. „Nicht nur unsere weltbekannten Großbauten, sondern gerade auch solche Häuser prägen das Bild unserer Innenstadt und machen sie für uns Trierer und viele Touristen zu etwas Besonderem und Unverwechselbarem, diese Besonderheit möchten wir auch für nachfolgende Generationen bewahren.“

 Die Rückseite des Gebäudes Brotstraße 26 befindet sich gegenüber dem Eingang zur Jesuitenkirche.
Die Rückseite des Gebäudes Brotstraße 26 befindet sich gegenüber dem Eingang zur Jesuitenkirche. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Harald Jansen