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Flache Stufen statt eines hohen Stegs

Flache Stufen statt eines hohen Stegs

Einen hohen Steg auf Holzpfosten - wie ursprünglich geplant - wird es für das nördliche Moselufer nicht geben. Mögliche Alternativen, zum Beispiel eine ebenerdige Stufenanlage oder einen Betonsteg parallel zum Ufer, wollen Investor und Behörden nun prüfen. TV-Redakteurin Christiane Wolff hat über diese und andere Änderungen der Baupläne für das Areal Castel Feuvrier mit Architekt Manfred Müller gesprochen.

Herr Müller, in den Entwurfsplänen, mit denen Ihr Büro den Architektenwettbewerb für das Gelände Castel Feuvrier gewonnen hat, war ein großer Holzsteg auf Pfosten eingezeichnet, der über mehrere Stufen und Plattformen bis übers Moselufer hinaus führen sollte. Warum wird dieser Steg nicht gebaut?Manfred Müller: Der Steg wird in der von uns damals angedachten Form nicht gebaut, weil die Behörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, sagt, ein solcher Steg würde die Abflusseigenschaften der Mosel behindern. Mir ist allerdings wichtig, dass es diese symbolische Heranführung der Stadt an die Mosel trotzdem geben wird - in welcher Form auch immer. Es ging und geht mir nicht darum, dass das unbedingt durch einen Steg geschehen muss. Auch eine Stufenanlage oder dergleichen ist denkbar. Letztlich entscheiden allerdings die Behörden und die Eigentümerin des Grundstücks, die Bundesrepublik Deutschland.Sie sagen, die Behörden hätten Bedenken gegen einen aufgeständerten Steg. Auf Anfrage des TV haben allerdings sowohl die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) in Koblenz als auch das Wasser- und Schifffahrtsamt erklärt, dass ein Steg generell möglich sei, dass es über dessen genau Bauweise allerdings keine näheren Gespräche mit Ihnen oder dem Investor, der Porta Nova AG, gegeben hätte.Müller: Diese Gespräche mit der SGD haben sehr wohl stattgefunden! Am 30. Mai 2012 gab es ein Treffen im Planungsamt der Stadt Trier - bei dem neben städtischen Mitarbeitern auch zwei Herren der SGD anwesend waren. Wir haben das Thema in aller Ausführlichkeit diskutiert. Darüber gibt es ein Gesprächsprotokoll. Darin heißt es eindeutig: (Müller zitiert aus dem schriftlichen Protokoll, das dem TV vorliegt): "Ein Steg als hochbauliche Anlage mit Querstellung zur Fließrichtung der Mosel wird seitens der SGD Nord abgelehnt. Der Steg ist als ebenerdige Anlage auszubilden, damit diese Anlage die Abflusseigenschaften der Mosel bei Hochwasserereignissen nicht behindert." Daran haben wir uns gehalten - und nach dieser klaren Aussage natürlich auch keine weitere fachliche Stellungnahme der Behörden mehr angefordert.Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani hat erklärt, dass ein solcher aufgeständerter Steg "derart massiv gebaut und mit dem Boden verankert werden müsste, dass er auf keinen Fall angemessen wirtschaftlich umsetzbar" sei. Das heißt doch, dass der Steg zwar möglich, der Bau aber teuer wäre?Müller: Es mag ein zusätzliches Argument dafür sein, dass es schwierig und aufwendig sein könnte, einen solchen Steg zu bauen. Und auch zu unterhalten - was Aufgabe der Stadt wäre. Aber diese Dinge sind irrelevant, da die SGD Nord ja generell den Bau eines solchen Stegs ablehnt.Wird es denn eine Alternative zu diesem von Pfosten getragenen Steg geben?Müller: In Abstimmung mit dem Landschaftsarchitekten, der für die Stadt das Moselufer beplant, wird es eine ebenerdige Stufenanlage mit Sitzstufen im oberen Bereich geben. Die Stufen werden bis ans Ufer herabgeführt. Es gibt derzeit noch Überlegungen, einen parallelen Betonsteg in die Mosel zu bauen. Aber auch da haben die Behörden Bedenken, dass Sportbootfahrer eine solche Plattform mit einem Anlegesteg verwechseln könnten. Da sind also noch Absprachen nötig.Dass der Steg nicht gebaut wird, ist nicht die einzige Planänderung. Statt neun werden elf Mehrfamilienhäuser gebaut. Der große, ursprünglich als Hotel gedachte sechsstöckige Bau an der Geländekante zur Peter-Lambert-Straße ist stark verkleinert worden, und auch das zur Mosel gerichtete Gastronomiegebäude mit der riesigen Außenterrasse fällt deutlich kleiner aus. Warum?Müller: Wir haben das für einen Hotelbetrieb gedachte Gebäude stark verkleinert und von der Peter-Lambert-Straße abgerückt, um dafür zu sorgen, dass das dortige Hochhaus nicht verschattet wird. Die Anwohner hatten das gefordert. Durch die Verkleinerung des Gebäudes ist uns dort allerdings Nutzfläche verloren gegangen. Die Nutzfläche ist für den Investor aber selbstverständlich eine wichtige Größe - deshalb haben wir im Innenbereich zwei Häuser zusätzlich eingeplant. Beim Gastronomiegebäude wurde die Grundfläche zwar verkleinert, statt zwei Etagen wird das Gebäude jetzt allerdings drei Etagen plus eine vierte, zurückversetzte Etage - ein sogenanntes Staffelgeschoss - haben. Die Größe der Nutzfläche aller Gebäude insgesamt ändert sich dadurch nicht. Und warum fällt die im Entwurf groß gezeichnete Außenterrasse des Restaurants viel kleiner aus?Müller: Bei einem hochwertigen Wohnquartier muss die Gastronomie so ausgelegt werden, dass davon keine unzumutbare Lärmbelästigung ausgeht. So nehmen wir Rücksicht auf Quartiersbewohner und Nachbarn. Sind Sie denn trotz dieser ganzen Änderungen Ihrer Pläne noch überzeugt von dem Projekt?Müller: Ja, das bin ich! Die Änderungen, die wir im Planungsprozess haben vornehmen müssen, sind in ihrem Umfang nicht ungewöhnlich bei solchen großen Projekten. Es gibt immer Nachbesserungen und Anpassungen. Wichtig ist mir, dass das Grundkonzept nicht verwässert wird und wir dieses in guter Qualität möglichst bald bauen können. wocExtra

Manfred Müller (59) ist seit 1990 mit seinem Architekturbüro in Trier ansässig. Müller is t Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. In Trier hat er auch das Herz-Jesu-Gelände und den Neubau des Modehauses Marx betreut. woc/TV-Foto: Roland Morgen Extra

In seiner morgigen Sitzung berät der Stadtrat über die geänderten Baupläne für das Castel Feuvrier. Der entsprechende vorhabenbezogene Bebauungsplan soll dann beschlossen werden. woc