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Flämisches "Da Costa-Stundenbuch" vorgestellt

Flämisches "Da Costa-Stundenbuch" vorgestellt

Trier (red) Der Trierer Forscher Hans-Joachim Kann hat das neue Faksimile des "Da Costa-Stundenbuchs von Simon Bening" in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vorgestellt. Entstanden ist es um 1515 in dem Atelier des flämischen Buch- und Miniaturmalers Simon Bening (um 1483 bis 1561) wahrscheinlich im flämischen Brügge.



Dieses Stundenbuch - ein Stundenbuch ist das vereinfachte Stundengebet des Priesters für die ganz persönliche Andacht - war wohl ein Geschenk von Papst Leo X. für Manuel I., den König von Portugal. Von diesem gelangte dieser Buchschatz über die portugiesische Adelsfamilie Da Costa, nach der es heute auch benannt wird, 1910 in den Besitz des amerikanischen Bankiers J. P. Morgan und in die Morgan Library in New York. Dieses Kunstwerk ist aufgrund seiner Entstehung ein Symbol für die damalige Europäisierung der Kunst.

Die 170 Miniaturen zeigen verschiedene Motive: Mensch und Tier während eines ganzen Kalenderjahres in einer flämischen Landschaft; sie stellen die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes dar sowie ferner das Leben von Jesus Christus und zahlreicher Heiliger. Auch die heilige Helena werde in einer sehr schönen Miniatur abgebildet, sagte Kann. Das "Da Costa-Stundenbuch" sei eine bemerkenswerte Kostbarkeit, denn seine Miniaturen belegten eindrucksvoll Simon Benings künstlerische Innovations- und Schaffenskraft: Er habe als einer der ersten Künstler nach dem Mittelalter in seinen Miniaturen mit Lichtquellen, Schatten und Perspektiven gearbeitet.

Benings größte Innovation sei die Eroberung des tiefen Raumes gewesen. Zudem habe er das Geschehen in den Miniaturen durch deren Umrahmungen kommentiert.