Flair einer Sommernacht

Erstklassige Besetzung, ungewöhnliche Instrumentierung und viel Feingefühl zeichneten das dritte Konzert der Reihe Jazz im Brunnenhof aus. Bassist Marc Demuth und sein Quartett brachten zusammen mit der Sängerin Sofia Ribeiro und dem Posaunisten Francesco Castellani wärmendes brasilianisches Flair in einen regnerischen Trierer Sommerabend.

Trier. (ae) Trotz widrigen Wetters haben es sich fast 150 Besucher nicht nehmen lassen, zum Jazz-Open-Air in den Trierer Brunnenhof zu kommen. Denn dort steht eine Formation auf der Bühne, deren Mitglieder fast alle sowohl international erfolgreich als auch dem Trierer Jazzgeschehen verbunden sind.

Ihr Kopf ist Bassist Marc Demuth, der die Jazzabteilung der Ecole de Musique d'Echternach leitet, um sich geschart hat er den Luxemburger Vibraphonisten Pascal Schumacher, den Pariser Klarinettisten Sylvain Rifflet, den belgischen Drummer Yves Peeters und zwei besondere Gäste: die portugiesische Sängerin Sofia Ribeiro und den italienisch-stämmigen Posaunisten Francesco Castellani, dessen Karriere vor 33 Jahren im Trierer Alb Hardy Tanz- und Showorchester begann.

Melancholisch und sanft



Die Erwartungen werden erfüllt, denn in dieser Besetzung vereint sich eine ungewöhnliche Kombination von instrumentalen sowie stimmlichen Klangfarben mit Klasse, mit der sie zu filigranen musikalischen Gespinsten verwoben wird. Deren Grundcharakter ist lateinamerikanisch, sowohl in Fremd- wie auch den überwiegend gespielten Eigenkompositionen von Marc Demuth und seiner musikalischen Partnerin Sofia Ribeiro. Dabei liegt die Betonung weniger auf Temperament als auf einer differenzierten melancholisch-sanften Note.

Von Anfang an zieht die besondere atmosphärische Dichte eines von glockenähnlichen Schwingungen des Vibrafons und warmer Tiefe des Basses getragenen, durchweg weichen Sounds in Bann, in dem selbst Instrumente wie Schlagzeug, Posaune oder Klarinette nicht "herausknallen", sondern sich sensibel und fein tariert ergänzen. Posaunist Castellani glänzt dabei in virtuosen Soli, bei denen er auch die Grenze zwischen eigener menschlicher und instrumentaler Stimme verwischt.

Sofia Ribeira erweist sich als Sängerin, die mit vielfältigem Ausdruck von poetisch-zart bis bestimmt die Aussage der Stücke prägt und ebenso entscheidend dafür sorgt, dass diesen regnerischen Abend brasilianisches Flair erwärmt.