Unterhaltung: Flic-Flac-Premiere: Bei diesem Zirkus geht der Punk ab

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Die ausverkaufte Premiere von Flic Flac in den Moselauen reißt die Zuschauer von den Stühlen. Dabei gehen die Zirkusleute ein hohes Risiko ein.

Bevor es Flic Flac gab, wurde das Wort Zirkus mit rotnasigen Clowns und Dompteuren mit Peitschen assoziiert. Die Brüder Benno und Lothar Kastein setzten bei der Gründung von Flic Flac 1989 auf ein anderes Konzept.

Auch 2019 ist die Show, die vor allem auf Akrobatik, rockige Musik und außergewöhnliche Kostüme setzt, ein Publikumsmagnet. Doch eines verbindet Flic Flac mit anderen Zirkussen: Familientradition! Seit März leiten Benno Kasteins Töchter die Geschicke des Unternehmens. In der ausverkauften Premiere im Trierer Messepark werden die 1450 Zuschauer gleich zu Beginn mit einem eindeutigen Statement konfrontiert: „Bei uns gibt es keinen Platz für Rassismus, Sexismus oder Homophobie!“, lautet die Durchsage, woraufhin ein mit Spot angeleuchteter „Zuschauer“ mit Trump-Maske den Saal verlässt – nicht ohne vorher noch den Stinkefinger zu zeigen. Der erste heftige Applaus des Abends gilt diesem Gag. Doch dann fetzen wie aus dem Nichts Freestyle-Motocross-Fahrer mit ihren Maschinen unter der Zeltkuppel quer über die Manege und vollführen während ihres „Flugs“ Kunststücke. Fast surreal scheint dieses Spektakel, das die Zuschauer sofort in ihren Bann zieht.

Dieser Abend ist nichts für schwache Nerven, das wird an diesem Abend noch oft demonstriert. Dass Menschen ihr Leben riskieren und etwas passieren kann, dessen muss sich jeder Besucher bewusst sein, der eine „Punxxx“-Vorstellung besucht.

Alex Michael wird bei seiner Decken-Trapez-Nummer nach einigen Minuten vom leicht schwankenden Trapez wieder abgeseilt, irgendetwas scheint nicht zu stimmen.

Pressesprecherin Barbara Rott erklärt dem TV später: „Alex macht sein ganzes Leben schon Akrobatik, seine Frau ist eine unserer Artistinnen und die beiden haben ein zehn Monate altes Kind. Das Trapez war nicht richtig verankert, das bemerkte Alex gleich und hat die Nummer abgebrochen. Bei uns gilt immer schon: safety first!“ Das Programm geht ohne seine Nummer weiter. Atemberaubend ist Olha Peresada, die zum Lied „Purple Rain“ Poledance vollführt. Kopfüber hält sie sich nur mit ihrem Körper an der glatten Edelstahlstange, während lilafarbener Regen von der Zeltkuppel auf sie herunterprasselt. Das ist sinnlich und ästhetisch – die Zuschauer sind gebannt.

Beeindruckend ist die Luftakrobatik-Darbietung des Duos Turkeiev. Das Paar vereint Muskelkraft, Erotik und Körperbeherrschung unter erschwerten Bedingungen – beide bewegen sich in strömendem „Regen“. Zuschauer staunen mit offenen Mündern, andere halten sich die Hand davor – wieder einmal will man sich nicht vorstellen, was passiert, wenn einer der Akrobaten abrutscht und auf den ungesicherten Manegenboden fällt.

Zwischen all den aufregenden Nummern, die gerade in der ersten Hälfte mit viel Frauenpower bestritten werden, sorgt ein „Clown“ für kurzzeitige Entspannung der Nerven. Statt roter Nase und langer Schuhe trägt er pinkfarbene Hot-Pants und rosa Gummistiefel und ist am ganzen Körper tätowiert. Ein Elch-Tattoo an der Innenseite seines rechten Oberarms lässt es vermuten: David Eriksson ist Schwede. Dank umwerfender Mimik und Gestik wechselt er vom machohaften Chaot zur schrägen Drag-Queen und entwickelt sich in kürzester Zeit zum Publikumsliebling.

 Dustin Nicolodi bringt das Zelt zum Toben, ohne sein Leben zu riskieren. Er pickt sich einen (nicht ganz) freiwilligen Zuschauer heraus und zaubert mit ihm so gekonnt schlecht, dass es eine Zuschauerin zu der Aussage veranlasst: „Ich habe Seitenstechen vom Lachen.“ Als sich zum Finale alle 35 Akteure vor ihrem Publikum verbeugen, reißt es die Besucher von den Stühlen. Lang anhaltender stehender Applaus signalisiert Wertschätzung und Respekt. A propos: Die letzte Ansage des Abends ist ein Statement: „Ohne die sogenannten Ausländer wäre diese Show schon nach 5 Minuten zu Ende gewesen!“

Vorstellungen:

7. September 16:00 + 20:00 Uhr

8. September 2019 15:00 + 19:00 Uhr

Weitere Vorstellungen täglich bis Sonntag, 15. September.

Clown mit pinkfarbenen Hotpants und jeder Menge Tattoos. Foto: Hans Krämer

Weitere Informationen finden Sie unter www.flicflac.de

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