Flickenteppich im Weinberg

FELL/RIVERIS/WALDRACH/TRIER. Als Drieschen werden im Weinbau ehemalige Anbauflächen bezeichnet, auf denen Weinreben wachsen, die jedoch nicht mehr aktiv bewirtschaftet werden. Der Drieschen-Höhepunkt wurde vor drei Jahren erreicht. Der TV hat sich umgeschaut, wie es momentan aussieht.

Die Rebflächenentwicklung im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer spricht für sich: "1989 wurden etwa 13 000 Hektar bewirtschaftet, heute, acht Jahre später, sind es 8000", sagt Claus Piedmont, Prüfstellenleiter Weinbau, Außenstelle Trier. Dass etliche Weinberge vor allem in den vergangenen beiden Jahrzehnten durch den Strukturwandel im Weinbau still gelegt wurden, hatte unter anderem zur Folge, dass Drieschen entstanden sind.Der Kampf des Landes gegen die Verwüstung

Das Land reagierte zum Schutz benachbarter Weinberge mit einer so genannten Drieschenverordnung. "Von Drieschen können Gefahren wie die Verbreitung der Reblaus und anderer Schadorganismen für die benachbarten Rebstöcke ausgehen", erklärt Piedmont. Die Bundesländer schrieben Zwangsrodungen oder die Wiederaufnahme "einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung" von Drieschen vor. Seitdem setzt die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz die Drieschenverordnung um. Heißt: Sie verpflichtet Besitzer von bestockten Rebflächen, auf denen innerhalb zweier aufeinander folgender Kalenderjahre die Kulturpflege unterblieben ist, dort vorhandene Rebstöcke vollständig zu entfernen oder Kulturpflege zu betreiben. Die Rodungskosten beuteln die Portmonees der ehemaligen Winzer. "Durchschnittlich 40 bis 90 Prozent des Geländewertes machen die Rodungskosten aus", sagt Claus Piedmont. Für manchen Rentner oder Sozialhilfeempfänger sei das Aufbringen des Geldes für die Beseitigung der Rebstöcke oftmals mit schlaflosen Nächten und großen Sorgen verbunden, so Piedmont. Der Drieschen-Höhepunkt sei 2004 erreicht worden, sagt der Prüfstellenleiter. Brennpunkte seien im Fellertal, im oberen Ruwertal, in Waldrach und Riveris und an der Sauer. Dass sich die Drieschen-Problematik etwa im Fellertal so geballt habe, hänge damit zusammen, dass dort vor allem sehr viele Nebenerwerbswinzer (ursprünglich 220 - heute 25) ihre Betriebe aufgegeben hätten, weil sich die Bewirtschaftung schlichtweg aufgrund der ehemaligen prekären Preissituation der Weine, nicht mehr lohnte oder niemand den Winzerbetrieb weiterführen wollte. Ein Großteil der Weinbauern im Fellertal hat sich kürzlich an einer für den Einzelnen Kosten sparenden Gemeinschaftsrodung beteiligt. Laut Ortsbürgermeister Helmut Schneiders wird die Gemeinde eine weitere Gemeinschaftsrodung anbieten. "Es gibt vier neue Bedrohungen durch Schädlinge", sagt Piedmont: die Schwarzfäule, die bakteriell bedingte Eska, eine dritte "Neuauflage" der Reblaus und eine Zikadenproblematik. Aufgrund dieser Entwicklung sei es noch wichtiger, die Drieschen im Blick zu behalten.