Fluchtwege machen nachdenklich

Schweich · Das Theater Überzwerg besucht die Meulenwald-Schule in Schweich mit einem Stück, das die Jugendlichen auf Anhieb fesselt.

Schweich (red) Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam und berührt waren die Schüler der Klassen 6 bis 9 der Meulenwald-Schule in Schweich, als sie im Mehrzweckraum der Schule das Theaterstück "Fluchtwege", die Geschichte von zwei Kindern, die aus ihrer Heimat vor Krieg und Verfolgung fliehen müssen, sahen.
Ungewöhnlich für Jugendliche, die normalerweise kurze, effektvolle, meistens lustige you-tube-Filme konsumieren.
Aber das Thema nahm die Jungen und Mädchen sofort gefangen. Sie folgten gespannt den Erlebnissen der beiden Kinder, wie sie aus ihrem Land fliehen müssen, den Vater verlieren, sich in einer fremden Kultur zurechtfinden müssen. Es brauchte nur ein paar Stoffwürfel, um sich die jeweilige Kulisse vorstellen zu können. Wenige Requisiten wie eine Pfeife, ein Kopftuch, ein Ball oder ein Stofftier und vor allen Dingen die großartige schauspielerische Leistung von Eva Coenen und Nicolas Bertholt genügten, um sich in Gedanken und Gefühle verschiedenster Personen einleben zu können. In dem Gespräch mit der Schauspielerin und dem Schauspieler im Anschluss an die Aufführung wurde deutlich, dass die Jugendlichen sehr nachdenklich geworden sind. Sie stellen viele Fragen zu der nicht leichten Theaterkost und zeigten großes Interesse an Hintergrundinformationen über die Form und den Inhalt des Stücks.
Das Theater Überzwerg in Saarbrücken, das größte professionale Kinder- und Jugendtheater im Saarland und Rheinland-Pfalz hat in seinem Programm immer wieder Stücke, die auch im Klassenzimmer gespielt werden können und die so ein breites Publikum erreichen. Das Stück "Fluchtwege", geschrieben von Nick Wood, ist bereits sieben Jahre im Spielplan und hat von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gegen menschenverachtende und demokratiefeindliche Tendenzen in der Gesellschaft.
Wie nachhaltig die Jugendlichen für das Thema Flucht und Vertreibung sensibilisiert wurden, zeigen auch die Kommentare, die sie auf der Homepage des Theaters veröffentlicht haben. So schreibt Leonid Lion: "Es waren viele Sachen dabei, die ich nicht wusste, was man sich als Flüchtling so alles anhören muss." Und Domenic Benkert schreibt: "Ich bin der Meinung, dass alle Schulen in Deutschland das Stück einmal gesehen haben sollen."
Karen Motsch, Schulleiterin der Meulenwald-Schule, bedankte sich bei dem Verein "Lernen fördern", der sich um die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf bemüht.

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