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Flüchtlinge: Halle der ehemaligen Geschwister-Scholl-Hauptschule in Trier wird genutzt - Kein Vereinssport mehr

Flüchtlinge: Halle der ehemaligen Geschwister-Scholl-Hauptschule in Trier wird genutzt - Kein Vereinssport mehr

Für die Unterbringung von Flüchtlingen werden in Trier dringend Lösungen gesucht. Die Turnhalle der ehemaligen Geschwister-Scholl-Hauptschule wird bis auf weiteres als Notquartier genutzt. Vereinssport ist dort vorerst nicht mehr möglich. Zudem bereitet sich die Stadt auf die ersten Migranten vor, die ab 21. Juli dauerhaft aufgenommen werden müssen.

Trier. Nicht nur das Land sucht händeringend nach weiteren Unterkünften für die neu ankommenden Flüchtlinge. Auch die Stadt bereitet sich auf die Ankunft der ersten Migranten vor, die der Kommune fest zugewiesen werden. "Wir werden ab dem 21. Juli die ersten Flüchtlinge in Trier aufnehmen, zunächst in dezentralen Wohnungen", bestätigte gestern Sozialdezernentin Angelika Birk auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds. Die Mietverträge für die Jägerkaserne in Trier-West und das Burgunderviertel in Neu-Kürenz, wo jeweils mehr als 100 Einzelpersonen und Familien unterkommen sollen, seien mit dem Bund abgeschlossen. Birk: "Die Umbauten und Sanierungen dort sind in planerischer Umsetzung. Die konkreten baulichen Maßnahmen stehen unmittelbar bevor."

Das wäre die neue Hauptnachricht für heute gewesen, hätten sich am Montagabend nicht die Ereignisse überschlagen. Denn da hatte der Stadtvorstand entschieden, dem Hilferuf der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zu folgen und die bislang für Schul- und Vereinssport genutzte Turnhalle der ehemaligen Geschwister-Scholl-Hauptschule in Trier-Nord kurzfristig als Übernachtungsquartier für bis zu 70 Flüchtlinge bereitzustellen (der TV berichtete).
Der Zustrom von täglich 200 Menschen in die Aufnahmestellen für Asylbewerber (AfA) in Trier und Ingelheim hat die Kapazitäten der vorhandenen Quartiere erschöpft. 3022 Menschen wurden gestern alleine in der AfA Trier mit seiner Außenstelle in Euren gezählt. Die beiden Großzelte mit 250 Plätzen in Bitburg sollen Entlastung bringen. Diese waren gestern aber noch nicht bezugsfertig. "Die Menschen hätten sonst kein Dach über dem Kopf", begründete Oberbürgermeister Wolfram Leibe die unbürokratische Entscheidung des Stadtvorstandes

Am Dienstagmorgen waren also Installateure dabei, die Wasseranschlüsse auf Vordermann zu bringen. In der Halle reihten sich bereits die Feldbetten aneinander. Torsten Berweiler, Leiter der Taekwondo-Abteilung des Post-Sportvereins, räumte mit einem Helfer die Matten des PST aus dem Gebäude. "Wir haben gestern kurzfristig erfahren, dass wir hier raus müssen", sagte er. PST-Geschäftsführerin Hiltrud Schilz bestätigt: "Die Nachricht war ein Schock für uns. Aber zum Glück haben wir für die Gürtelprüfung am Freitag eine Ersatzhalle gefunden. Und wenn wir die Räumlichkeiten nach den Sommerferien wieder nutzen können, ist das alles noch nicht so tragisch. Schließlich muss den Flüchtlingen geholfen werden." Wie lange die Halle als Puffer für die Unterbringung benötigt wird, kann derzeit niemand sagen. "Bis auf weiteres" lautete die offizielle Aussage vonseiten der ADD. Angesichts der Hallenmisere in Trier verschärft sich damit die Situation vor allem für den Vereinssport. Die CDU-Stadtratsfraktion reagierte gestern mit dem Vorschlag, die Messeparkhalle auf ihre Tauglichkeit für den Vereins- und Schulsport zu überprüfen. Diese könne dann auch in der Zeit der Sanierung oder des Neubaus der Mäusheckerhalle und der Wolfsberghalle genutzt werden.Mehr als 400 Migranten für Trier


Die Stadtverwaltung wird das prüfen, hat aber zunächst vor allem damit zu tun, Quartiere für die voraussichtlich mehr als 400 Migranten zu schaffen, die noch in diesem Jahr dauerhaft untergebracht werden müssen. Auch Bürgermeisterin Angelika Birk rechnet inzwischen damit, dass sich diese Zahl erhöhen wird.

Für 40 Wohnungen seien bislang Mietverträge abgeschlossen oder konkrete Verhandlungen im Gange. Die Stadt muss für die Möblierung sorgen. Zudem muss die Feuerwehr alle Wohnungen vor deren Belegung begutachten. "Wir suchen ständig nach neuen Mietwohnungen", sagt Birk. Ab dem 1. August ist Ruth Strauß neue Projektmanagerin für den Bereich Flüchtlingsarbeit. Es wartet viel Arbeit auf sie. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben wird es sein, im Rathaus und darüber hinaus die Akteure miteinander zu vernetzen.Meinung

Es wird knappNicht nur der Platz in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier-Nord und ihrer Außenstelle Euren wird mehr als knapp. Auch der Stadtverwaltung läuft die Zeit davon. Denn bereits am kommenden Dienstag, fast zwei Wochen früher als erwartet, kommen die ersten Flüchtlinge dauerhaft nach Trier. Für diese Menschen werden die wenigen Wohnungen vermutlich ausreichen, die von der Stadt angemietet werden konnten. Der Puffer ist aber nicht groß - und die Sanierungsarbeiten in der Jägerkaserne und im Burgunderviertel haben noch nicht einmal begonnen. Das Problem, das im Eilzugtempo auf die Stadt zurauscht, war bereits vor Wochen zu erkennen. Ein wenig mehr von dem Pragmatismus und der Dynamik, die der Stadtvorstand unter Federführung von Oberbürgermeister Leibe am Montagabend zeigten, wäre da sicherlich angebracht gewesen. Wobei es natürlich ein Unterschied ist, ob man eine Turnhalle bereitstellt, um dort Feldbetten aufzubauen, oder ob Wohnraum für die dauerhafte und menschenwürdige Unterbringung gefunden werden muss. Aber auch dabei sind Entscheidungswille und Weitblick gefordert. Noch mehr als bisher. r.neubert@volksfreund.de