FLÜCHTLINGE

Zum Bericht "Somalier fühlen sich wie vergessene Flüchtlinge - 300 Menschen fordern bei Protestmarsch in Trier schnellere Asylverfahren und Bleiberecht" (TV vom 9. Dezember):

Es sieht so aus, als wenn allein Deutschland, befeuert durch die zwölf düsteren Jahre, zuständig für alles Leid aller Staaten dieser Erde wäre. Da wird geflüchtet vor Unmenschlichkeiten, Bürgerkrieg, Tod und Leid. Dann geht es hier nicht schnell genug mit dem Asylantrag. Wer ist schuld? Natürlich die Behörden. Genau die sind es nämlich nicht, sondern diejenigen Flüchtlinge, welche gar keinen Grund haben, aufgrund Artikel 16a des Grundgesetzes hier zu sein und den echten Flüchtlingen nicht nur Bearbeitungskapazitäten, sondern auch einen menschenwürdigen Unterbringungsplatz wegnehmen. Durch eine schnellere Bearbeitung wird das Endergebnis auch nicht besser. Von den angeblich 300 Demonstranten werden sich über kurz oder lang statistisch wieder 185 außerhalb von Deutschland befinden. Daher war die Demo für diesen Großteil der Somalier eher kontraproduktiv. Aber egal wie das Ergebnis am Ende aussieht: Bis dahin leben die Somalier in Sicherheit. Nach den vom TV aufgezählten Barbareien und Schikanen, welche es in Somalia zu ertragen galt, will mir einer erzählen, dass das Abwarten in Deutschland eine Art seelische Grausamkeit wäre? Was ist denn nun besser? Da drängt sich mir der Gedanke auf, dass sich unter den Somaliern auch ein gehöriger Anteil von Glückrittern befindet. Zudem erteile ich dem Argument, dass sich das reiche Europa und Deutschland sich den Strom der Flüchtlinge leisten können, eine Absage. Europa hat 23 Millionen Arbeitslose. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland von 27 000 Euro ist nur unwesentlich niedriger als zum Beispiel in Griechenland mit 29 000 Euro. Die Staatengemeinschaft könnte Grundlagen (politisch, humanitär, volkswirtschaftlich, militärisch) schaffen, in Somalia einen Neuanfang zu wagen. Dazu müssen die Bürger in Somalia allerdings mithelfen. Es müsste ihnen die Einsicht vermittelt werden, dass nicht Weglaufen, sondern Mut zur Eigeninitiative nicht nur das eigene Leben, sondern auch einen ganzen Staat zu einem guten Neuanfang bringen kann. Heinz-Jörg Merges, Schweich