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Flüchtlingsbetreuung: Konz bekommt weiterhin Geld vom Kreis.

Konzept : Kreis fördert weiter Konzer Asyl-Einrichtung

Damit die professionelle Betreuung von Flüchtlingen in Konz gewährleistet bleibt, gibt es auch in Zukunft Geld vom Kreis.

Die Flüchtlingskrise von 2015 erscheint heute angesichts von Corona- und Klimakrise weitgehend als  „irgendwo versandet“. Doch dann kam das Ende des westlichen Militäreinsatzes in Afghanistan. Die USA zogen ab, die  deutschen Truppen hinterher.  Tausende Afghanen, die den Westtruppen in Treue zugearbeitet hatten, befinden sich nun in möglicher Lebensgefahr unter brutaler, radikal-islamistischer Kaliban­knute. 

Doch was hat der Haupt- und Finanzausschuss des Kreises Trier-Saarburg mit diesen weltpolitischen Wirren zu tun? Auf den  ersten  Blick offenbar nichts. Aber im Tagesordnungspunkt sieben seiner jüngsten Sitzung am Montag  geht es um eine trockene Kostenentscheidung, die vielleicht durch die Entwicklung in Afghanistan eine ganz neue Bedeutung erhalten könnte. Der vorgelegte Beschlussvorschlag lautet: Der Kreisausschuss beschließt, der Verbandsgemeinde (VG) Konz für die Betreuung der Asylbewerber und Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften Roscheider Straße 2, 3 und 5 weiterhin einen Personalkostenzuschuss  von 80 Prozent für eine sozialpädagogische Fachkraft zu gewähren.

Weiterhin wird  der Kreis auch die Kosten für die Ehrenamtskoordination bis zum 31. Dezember 2022 finanzieren. Beide Ausgabeposten wurden vom Ausschuss einstimmig und ohne grundlegende Debatte beschlossen.

Der Personalkostenzuschuss an die VG Konz beträgt rund 51 000 Euro pro Jahr. Der Aufwand für die Ehrenamtskoordination  beläuft sich auf  jährlich etwa 155 000 Euro. Hierbei geht es um die fachgerechte Begleitung der 220 ehrenamtlichen Kräfte, die bei der Betreuung der Geflüchteten helfen, die in den Unterkünften oder auch schon in den Gemeinden leben. Derzeit kommen die Ehrenamtskoordinatoren vom Caritasverband, Deutschem Roten Kreuz und der KulturGießerei  Saarburg.

Der Hintergrund für die weitere  Unterstützung der Sammelunterkunft Konz: 2017 hatte der Kreistag das Konzept „Flucht und Asyl“ beschlossen. Danach werden  dem Kreis zugeteilte anerkannte Flüchtlinge, Asylberechtigte und Asylbegehrende bis zu sechs Monate in Gemeinschaftsunterkünften der Verbandsgemeinden  untergebracht und dort durch den Sozialdienst betreut. Dafür zahlt der Kreis seit 2019 den Verbandsgemeinden jeweils 20 000 Euro Personalkostenzuschuss. Zunächst gab es noch drei Standorte mit Unterkünften in den Verbandsgemeinden Schweich, Saarburg und Konz, so dass die Gesamthöhe  der Kreiszuschüsse 60 000 Euro betrug. Wegen der rückläufigen  Aufnahmezahlen (siehe Info)  wurde Schweich inzwischen geschlossen, der Bau verkauft. Als 2018 in Saarburg die Verwaltung abbrannte, wurde die dortige  Gemeinschaftsunterkunft als Ausweichquartier für die VG-Verwaltung umgenutzt. Anfang 2019 erklärte sich die VG Konz daraufhin bereit, alle dem Kreis Trier-Saarburg zugewiesenen Flüchtlinge und Asylanten vorläufig  in ihren Unterkünften an der Roscheider Straße 2, 3 und 5 in Konz unterzubringen. Wegen dieser Bereitschaft, die alle anderen Verbandsgemeinden im Kreis entlastet, wurde damals vereinbart, dass der Kreis der VG Konz einen Personalkostenzuschuss in Höhe von 80 Prozent einer sozialpädagogischen Fachkraft gewährt, was rund 51 000 Euro entspricht. Bezuschusst werden sollte zunächst für ein Jahr.  Über eine Verlängerung war je nach der Entwicklung künftiger Zuweisungszahlen neu zu entscheiden.

Die Wohncontainer an der Roscheider Straße in Konz stehen zurzeit leer.  Tatsächlich ist derzeit aber mit Blick auf Afghanistan  fraglich, ob die Zahlen stagnieren oder sogar weiter sinken. So heißt es in der Sitzungsvorlage: „Wegen der Situation in Afghanistan und den noch nicht abzuschätzenden Folgen sollte an der bisherigen Zuweisungs- und Betreuungspraxis festgehalten werden.“ Und es gibt schon erste Zeichen einer Entwicklung. Dazu Landrat Günther Schartz: „Es kommen erste afghanische Anträge auf Familienzusammenführung.“