Flüssiggastank schwebt über Trier-Kürenz

Spezialtransport : Flüssiggastank schwebt über Trier-Kürenz

Ein Hubschraubereinsatz ist nötig, um in der steilen Hanglage des Kürenzer Petrisbergs einen Stahlbehälter zu wechseln. Dabei gibt es im Vorfeld und bei der Umsetzung viel zu beachten.

Mit einem Helikopter ist am Donnerstag ein Flüssiggastank in Alt-Kürenz  angeliefert worden. Ziel: ein Privathaus oberhalb der alten Grundschule. Der Helikoptertransport von Gastanks ist in Deutschland recht ungewöhnlich. Allerdings kommt in diesem Fall laut der Beteiligten keine andere Möglichkeit in Betracht. „Die Straße zum Haus ist einfach zu eng und steil für eine andere Lieferart“, erklärt David Bär von der Firma Westfa Flüssiggas. Die Lieferung per LKW sei daher unmöglich, und ein Kran würde in diesem Terrain zu hohe Kosten und Aufwand verursachen.

Ein Wechsel zu einer anderen Heizform würde sich aus gleichen Gründen ebenfalls nicht lohnen, erläutert Rudi Scholtes (Westfa). Bei einer Geländebegehung sei der verantwortliche Heizungsbauer Ralf Meyer von der Firma Wema auf die Idee gekommen, per Hubschrauber zu liefern: „Wir schauten uns um und sahen in den Himmel – und da kam mir spontan die Idee mit dem Helikopter.“ Die Kundin sowie die beiden beteiligten Firmen waren sich daher einig und beschlossen, einen Transporthelikopter für den Auftrag zu chartern. Pauschalpreis: 6000 Euro.

Sowohl für die Gasfirma als auch für die Heizungsbauer ist die Lieferung per Transporthubschrauber eine Premiere. Die beiden Piloten sind allerdings entspannt: „Solche Geländelieferungen sind zwar selten, aber keine große Aufregung“, so Helipilot Benjamin Reichmann von der Firma Rotorflug.

Der Tank müsse ausgetauscht werden, da er mittlerweile zu alt und auch zu klein sei, um das große Haus dauerhaft zu beheizen. Früher war das Haus lediglich zur Wochenendnutzung gedacht und daher nicht ständig bewohnt und beheizt. Damals musste der Tank nicht per Helikopter angeliefert werden, da das Gebiet weniger dicht bebaut und damit für einen Bagger zugänglich war, erklärt die Kundin.

Zum Glück werde es für lange Zeit bei einem einmaligen Hubschraubereinsatz bleiben, da ein Flüssiggastank eine Lebenszeit von rund fünf Jahrzehnten habe, erläutert Rudi Scholtes. Außerdem könne der Tank per LKW von der Straße aus über einen rund 50 Meter langen Schlauch aufgefüllt werden, ergänzt David Bär.

Nachdem nun alle möglichen Optionen nach jahrelangen Überlegungen durchdacht waren und die Entscheidung aufgrund mangelnder Alternativen auf den Transporthubschrauber fiel, musste sich die Verantwortlichen allerdings noch dem hohen Verwaltungsaufwand widmen. Die Polizei Trier schränkte das Zeitfenster für den Einsatz genau ein. Der Luftraum über Trier sei schließlich durch die beiden Krankenhäuser viel beflogen, erklärt Ralf Meyer. Ebenfalls musste eine Genehmigung für die Landewiese eingeholt und die generelle Außenstart- und Landeerlaubnis beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) beantragt werden.

Am Vomittag des Einsatztages wird der neue Tank mit einem LKW auf die besagte Wiese in rund 250 Metern Entfernung vom Haus geliefert. Dort landet rund eine Stunde später ebenfalls der Pilot mit dem Hubschrauber für die Einsatzbesprechung. Gegen 13.20 Uhr kann der Tankwechsel schließlich starten.

Alles roger: Heizungsbauer Ralf Meyer trägt einen Funkhelm, um während des Transportflugs mit dem Piloten zu kommunzieren. Foto: Friedemann Vetter
Der neue Gastank ist sicher im Garten des Wohnhauses gelandet und kann dort später befüllt werden. Foto: Friedemann Vetter

Zuerst fliegt Benjamin Reichmann den Helikopter weit über das Haus. In präziser Absprache mit Ralf Meyer sinkt er Richtung Boden, um in Reichweite des Tanks zu gelangen. Dieser wird mit einem Schwer­lasthaken an dem Seilzug des Hubschraubers befestigt und zurück zur Wiese geflogen. Wenige Minuten später transportiert der Hubschauber auf gleiche Weise den neuen Gastank an die Stelle des alten. Nach rund 20 Minuten Flugzeit ist der Einsatz auch schon vorbei. Ohne Komplikationen glückt der Wechsel, und alle Beteiligten waren sichtlich erleichtert.

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