Föhrener bekommen Rewe-Markt

Föhren/Ralingen/Schweich · Am Ortsrand von Föhren soll ein Rewe-Markt ansiedeln. Der Gemeinderat hat dem Vollsortimenter den Vorzug vor dem Mitbewerber Norma gegeben. Unterdessen haben sich an der Sauer die Pläne für einen Netto-Markt zerschlagen. Der "Mutter" Edeka ist das Einzugsgebiet zu klein.

Föhren/Ralingen/Schweich. Viele Föhrener erledigen ihre Großeinkäufe in der fünf Kilometer entfernten Stadt Schweich. Dort gibt es so gut wie alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. In voraussichtlich zwei Jahren könnte sich das Einkaufsverhalten grundlegend ändern: Der Gemeinderat des 2800-Einwohner-Ortes hat sich für die Ansiedlung eines Rewe-Marktes ausgesprochen. Wie berichtet, hatte sich auch der Discounter Norma um eine Ansiedlung bemüht.
Rewe plant mit einer Verkaufsfläche von 1300 bis 1500 Quadratmeter und will mehr als 10 000 verschiedene Artikel anbieten. Der Vollsortimenter soll an der L 48 gebaut werden, gleich am Ortsende in Fahrtrichtung Bekond. Nach Mitteilung von Rewe-Expansionsleiter Rainer Vongerichten hat auch die Nähe zum Industriepark Region Trier (IRT) bei der Entscheidung , in Föhren zu investieren, eine große Rolle gespielt. Knapp 3000 Menschen verdienen mittlerweile in dem rasch expandierenden IRT ihre Brötchen. Im Sog des Industrieparks und der ebenfalls stark wachsenden Stadt Schweich (rund 7800 Einwohner) ist auch in Föhren die Nachfrage nach Bauland stark gestiegen. In der jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für das Baugebiet In der Acht gefasst. Nach Auskunft von Ortsbürgermeisterin Rosi Radant sind in einem ersten Entwurf 90 bis 110 Baustellen vorgesehen. Auch Mischgebiet für Handel, Gewerbe und Dienstleister soll in dem Bebauungsplan ausgewiesen werden; der Großmarkt mit integriertem "Lohner's Backspektakel" wird als Sondergebiet entwickelt.
Der künftige Betreiber des Rewe-Marktes ist in Föhren kein Unbekannter: Frank Schnell wohnt dort. In der Eifelgemeinde Speicher führt er einen Rewe-Markt mit 1900 Quadratmeter Verkaufsfläche. In Föhren sei Rewe Hauptmieter und er Untermieter, sagt Schnell. Hauptinvestor sei die Lohner-Gruppe mit Sitz in Polch.
Schweich befürchtet Einbußen


Rund 55 Arbeitsplätze sollen in dem Rewe-Markt geschaffen werden - nach Möglichkeit mit Bewerbern aus der Region. Benötigt werden unter anderem Abteilungsleiter, Einzelhandelskaufleute und Servicekräfte für die Fleisch- und Käseabteilung. Produkte von regionalen Erzeugern gehören für Marktchef Schnell selbstverständlich zum Sortiment.
Weil der neue Markt mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat, muss die Gemeinde Föhren ein Einzelhandelskonzept aufstellen. Dieses erfasst den Bestand und beurteilt das Entwicklungspotenzial am Standort (siehe Extra).
Ein neuer Großmarkt auf der grünen Wiese - da läuten bei den Kaufleuten im Ortskern von Föhren und in der Nachbarstadt Schweich die Alarmglocken. "Da wird Kundschaft aus Föhren ausbleiben", sagt Johannes Heinz, Vorsitzender des Gewerbeverbands Schweich. Konkurrenz müsse kein Nachteil sein, meint dagegen Frank Schnell. Sein Markt könne auch dazu beitragen, Kunden im Ort zu halten.
Die Sauergemeinde Ralingen wäre unterdessen froh, die Föhrener "Probleme" zu haben. Der Discounter Netto, der noch vor einigen Jahren an der B 418 zwischen Ralinger Mühle und Ortseingang einen Markt bauen wollte, hat sich mittlerweile zurückgezogen. Die Konzernmutter Edeka legte ihr Veto ein. Begründung: Der Ortskern und das Einzugsgebiet von Ralingen seien zu klein.Meinung

Alles für die Boom-Regionen
In Schweich haben in den vergangenen Jahren neue Einkaufsmärkte aufgemacht, in Hetzerath öffnet bald ein Norma-Markt. Und jetzt bekommt auch noch Föhren einen großen Supermarkt. Ist das noch eine gesunde Entwicklung oder bereits ein kannibalistischer Verdrängungswettbewerb von konkurrierenden Handelsketten? Den Kunden kann es egal sein, sie profitieren von einer großen Warenauswahl, niedrigen Preisen und kurzen Wegen. Auf der Strecke bleiben könnten dagegen die kleinen Geschäfte im Ortskern. Die Beispiele Föhren und Ralingen zeigen, dass die Schere immer weiter auseinander geht. Wer in Boom-Regionen mit (noch) wachsender Bevölkerung lebt, etwa im Raum Föhren-Schweich, bekommt mehr Geschäfte, mehr Ärzte, mehr Dienstleister. Wo aber die Nahversorgung schon ausgedünnt ist, wird es eher noch schlimmer anstatt besser. Wobei sich in Ralingen eigentlich auch die Nähe zu Luxemburg ansiedlungsfördernd auswirken müsste. a.follmann@volksfreund.deExtra

Ein Einzelhandelskonzept dient dazu, die Einzelhandelsentwicklung einer Kommune zu steuern. Es analysiert den Bestand und das Potenzial am jeweiligen Standort, grenzt zentrale Versorgungsbereiche ab, bestimmt ortsspezifische Sortimentslisten und beinhaltet gegebenenfalls darüber hinausgehende Bausteine. Damit schafft das Einzelhandelskonzept Klarheit über die konkreten Vorstellungen der Kommune und transparente Spielregeln für Investitionen. Erstellt wird es von den Kommunen beziehungsweise einem beauftragten Planungsbüro. Außerdem fließen Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange ein - wie Wirtschaftskammern, benachbarten Kommunen und Verbänden. alf Quelle: IHK Trier