Förderverein legt Businessplan für neue Trierer Eishalle vor

Wieder Schlittschuhlaufen in Trier : Hoffen auf eine neue Eiszeit (Video)

Sie wollen wieder eine Schlittschuhhalle in Trier: Die Enthusiasten des Fördervereins haben einen Businessplan und mittlerweile auch das Vorkaufsrecht für das Grundstück.

Eine komplett neue und moderne Eishalle in Trier, und zwar ohne die finanzielle Regie der Stadt, des Landes, des Bundes oder der Welt  – ist das möglich? Oh ja, sagen Jürgen Fring und Stefan Berenz vom Förderverein Eishalle Trier. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet der Verein auf dieses Ziel hin und steht jetzt, nach vielen Teilerfolgen, vor der entscheidenden Hürde – dem Auftreiben der notwendigen Millionen mit Hilfe von Investoren.

Die alte Trierer Eishalle ist seit ihrer Schließung vor zehn Jahren eine dachlose Ruine und rottet vor sich hin. Das Gebäude ist immer noch Mittelpunkt vieler Diskussionen, denn bis heute regen sich die Trierer über die Schließung der alten Eishalle auf (siehe Info) und halten sie für einen der größten politischen Fehler der letzten 20 Jahre.

Guten Morgen, Trier! - Bekommt Trier eine neue Eishalle?

Die aktuell einzige Eissporthalle innerhalb der Landkreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel sowie der Stadt Trier steht in Bitburg. Sie wurde 1982 eröffnet und bietet eine Eisfläche von 1800 Quadratmetern. Die Stadt muss pro Jahr 120 000 Euro zuschießen, damit der Betrieb kos­tendeckend läuft.

2014 gründeten in Trier engagierte Eissportfans den Förderverein Eishalle und machten sich an die Arbeit. Ihr Ziel: ein neues und modernes Eissportzentrum für Trier und die Region. Seit 2018 steht fest, dass die neue Halle am Standort der alten entstehen soll (der TV berichtete). Diesem Ziel ist der Verein einen Schritt näher gekommen.

„Wir haben eine Reservierungsvereinbarung für das Grundstück in der Diedenhofener Straße, auf dem die alte Halle steht, unterzeichnet und dafür 6000 Euro an die Stadt gezahlt“, erklärt Jürgen Fring, der als Netzwerk- und Systemadministrator in Trier arbeitet. „Wir konnten alle offenen Punkte mit dem Amt für Bodenmanagement und Geoinformation klären.“

Warum ist dieser Schritt so wichtig? Fring: „Die Sicherung des Grundstücks war für uns ein ganz zentraler Abschnitt in unseren Prozessen, der hiermit erledigt ist. Jetzt werden wir Investoren, Banken und Sponsoren den Businessplan vorlegen und sie von unserem Projekt überzeugen.“

Der Plan steht. 6,7 Millionen wird allein der Bau der neuen Halle mit der Eisfläche, 500 Sitzplätzen, zwei Sport-Shops und zwei Gastronomien kosten. Dazu kommen die Kosten für den Kauf des Grundstücks und die Beseitigung der alten Halle, deren Höhe noch nicht genau feststeht, sich aber sicher jeweils im sechsstelligen Bereich bewegen wird.

Die Kosten für den laufenden Betrieb der Halle liegen nach den Berechnungen des Vereins bei 782 000 Euro pro Jahr. Die beiden Gastro-Angebote und die Shops sollen 1,1 Millionen Euro an Einnahmen bringen.

Fring erläutert Details. „Die Einnahmen aus den gastronomischen Angeboten, den Sport-Shops, dem Eintritt und der Werbung fließen wieder in das gesamte System und erlauben uns dadurch, die Eintrittspreise niedrig zu gestalten.“ Die Personalkosten sollen durch zwei Wohneinheiten für Angestellte und ein modernes Kassenautomaten-und Drehkreuzsystem niedrig gehalten werden.

Um einen Plan dieser Größenordnung unternehmerisch stabil umsetzen zu können, erwägt der Verein die Umwandlung in eine eigenständige Genossenschaft. Das würde die Option eröffnen, über Anteilsscheine mehr Eigenkapital zu bilden und viele Trierer Eissportfans nicht nur emotional, sondern auch finanziell an das Projekt zu binden.

„Die endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagt der Vermögensberater Stefan Berenz. „Der Betrag für einen Anteilsschein wird wohl zwischen 200 und 400 Euro liegen. Wir hoffen auf 200 Leute, die sich auf diese Weise beteiligen.“ Der Förderverein hat zurzeit 100 Mitglieder.

Es gibt auch einen Plan B ohne Investor – die Trierer Macher stemmen das Projekt selbst, und zwar mit einen Konsortialkredit mit mehreren Banken und der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Ein solcher Kredit ist eine mögliche Lösung, wenn Summen benötigt werden, die für eine einzelne Bank zu hoch sein könnten. Die beteiligten Banken bilden dann ein Konsortium, das den Kredit gewährt. „Wir haben uns über diese Lösung intensiv informiert“, sagt Jürgen Fring. „Sie ist eine mögliche Strategie, aber nicht unser Favorit. Wir setzen darauf, Investoren von unserem Plan zu überzeugen.“

Die Jahreshauptversammlung wird im Oktober stattfinden. Dann soll auch die endgültige Entscheidung über die Umwandlung in eine Genossenschaft fallen.

Triers Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) sagt dazu: „Aus meiner Sicht ist die Fläche der alten Eislaufhalle wegen der Nähe zu anderen Freizeiteinrichtungen sehr attraktiv.“ Die Stadt begrüße das ambitionierte Projekt. Eine finanzielle Unterstützung sei jedoch ausgeschlossen: Der Stadtrat habe 2010 beschlossen, dass die Stadt den Betrieb der Halle nicht wieder aufnehmen wird, da die Kosten den Haushalt zu stark belasten.

Am unteren Ende des Businessplans steht eine kleine Zahl. Sie wird potenzielle Investoren am meisten interessieren, denn sie zeigt die Höhe der laut Plan zu erwartenden Rendite an. Es sind drei Prozent.

Was meinen Sie, liebe Leser? Eine neue Schlittschuhhalle für Eissportfans am Standort der legendären alten Halle – ist das eine gute Idee für Trier? Kann der Förderverein diese Mammutaufgabe schaffen? Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung an  trier@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund