Forelle Spangdahlemer Art

Klüsserath/Philippsheim · Lange Zeit wussten die Angler der Salm und des Spanger Bachs nicht, ob die Fische in ihrem Gewässer mit dem Umweltgift PFT kontaminiert sind. Nun legt die SGD Nord Untersuchungsergebnisse vor. Einige Fischer sehen ihr Hobby vor dem Aus. Die Klüsserather Angler bewerten die Lage weniger dramatisch.

Klüsserath/Philippsheim. Seit 2011 ist bekannt, dass die Kyll mit den als krebserregend geltenden perfluorierten Tensiden verunreinigt ist (siehe Extra). Die Angler des Flussabschnitts unterhalb von Hüttingen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) dürfen seitdem pro Monat nur noch etwa eine Forelle, die sie dort gefangen haben, verzehren. Doch die Angler anderer Eifelflüsse blieben bislang im Ungewissen darüber, ob sie ihre Fische überhaupt essen dürfen (der TV berichtete). Vier Jahre nach den Messungen in der Kyll legte die Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD Nord) nun Messergebnisse für die Salm, die Nims und den Spanger Bach vor, die unterschiedlich stark belastet sind. Die Behörde ließ dafür aus jedem Fluss drei Bachforellen toxikologisch untersuchen. Spanger Bach: Die höchste Belastung, 82 Mikrogramm pro Kilo Filet, weisen die Fische im Spanger Bach auf, der flussabwärts seinen Namen in Auelbach und später Kahlenbach ändert. Er mündet bei Philippsheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm) in die Kyll. Die Behörde empfiehlt den Fischern, pro Monat nicht mehr als 300 Gramm Forellenfilet aus dem Spanger Bach zu verzehren. Auch für die Kyll hat die SGD Nord bereits 2012 die gleiche Verzehrempfehlung herausgegeben.Bei den Anglern handelt es sich jedoch nicht um Einheimische, sondern um Touristen aus den Niederlanden, Belgien und anderer Landstriche. Denn Pächter des Gewässers ist das Hotel Landhaus Biehl in Philippsheim. Ausschließlich Hotelgäste dürfen in dem "hauseigenen Fließgewässer" fischen. Hotelier Dirk Biehl sieht die Schadstoffbelastung allerdings gelassen: "Die meisten Angeltouristen setzen die Fische nach dem Fang eh wieder zurück ins Wasser und lassen sie schwimmen." Er werde die Touristen künftig vor der Buchung über das Umweltgift im Bach informieren, so Biehl. "Das ist fair. Ich befürchte aber nicht, dass deshalb weniger Angeltouristen kommen." Salm: In den Fischen der Salm - unterhalb der Einmündung des Kailbachs - stellte das Labor im Vergleich zu den Forellen des Spanger Bachs nur durchschnittlich halb so viel PFT fest: 41 Mikrogramm pro Kilo. "Dieses Ergebnis muss als vorläufig gelten und noch überprüft werden ", erklärt die Behörde. Denn die Fische seien in einem höheren Maße belastet, als es die PFT-Konzentration des Wassers erwarten lasse, sagt Johannes Meyer, Laborleiter der Landesbehörde. Dennoch werde für die Salm keine Verzehrempfehlung herausgegeben, erklärt Joachim Gerke, Abteilungsleiter der SGD Nord. Denn eine solche Empfehlung solle nur dann veröffentlicht werden, wenn im Gewässer ein Fisch mit einer Konzentration über 100 Mikrogramm pro Kilo Filet gefangen werde. In der Salm sei das - im Gegensatz zum Spanger Bach - nicht der Fall gewesen. "Man sollte trotzdem eine Verzehrempfehlung herausgeben", fordert Norbert Backes, Vorsitzender des Angelclubs AC Salmbach in Salmtal, der 20 Mitglieder hat. "Denn die Fische sind doch vergiftet - wenn auch nur in geringerem Maße", so Backes. Er denke, dass die Fischerei an der Salm nun auch ohne Verzehrempfehlung nachlasse. Backes: "Man will ja nicht mit Absicht Gift verzehren." Entspannter sieht Werner Lex die Situation. Er ist Vorsitzender des Angelvereins in Klüsserath, wo die Salm in die Mosel mündet. Er sagt: "Wir hier unten haben mit der Belastung kaum ein Problem." Vom Klüsserather Angelverein mit seinen 40 Mitgliedern würden nur etwa fünf bis sechs intensiv an der Salm fischen, die auf etwa fünf Kilometern durch den Kreis Trier-Saarburg fließt. Dennoch sagt auch er, dass eine Verzehrsempfehlung herausgegeben werden müsse. Auch wenn die Fangquoten an der Salm immer geringer würden. "Die Salm ist lange nicht mehr so fisch- und wasserreich wie früher." Erstaunt zeigt er sich darüber, dass er nicht über die Untersuchung und die Ergebnisse informiert worden sei. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Proben nur im Bereich der Verbandsgemeinden Speicher und Wittlich-Land entnommen wurden. Meinung

Fangen und Freilassen Wie der Hotelier Dirk Biehl erzählt, verzichten fast alle ausländischen Angeltouristen am Kahlenbach darauf, die Fische in die Pfanne zu hauen. "Catch & Release" (Fangen und Freilassen) heißt dieses unter Sportfischern bekannte Prinzip. Diese Angler fischen meist ohne Widerhaken, was den Drill noch schwieriger macht, und entlassen den Fisch nach dem Fang wieder in die Freiheit. Der Jagdinstinkt ist trotzdem befriedigt. Diese Methode hat mittlerweile auch in Deutschland viele Anhänger, da sie den Fischbestand schont. Doch die Rechtslage zum Tierschutz verbietet das Angeln "just for fun", da es den Fischen unnötigen Stress und Schmerzen bereitet. In Deutschland ist das Angeln nur zu dem Ziel, den Fisch in der Küche zu verwerten, erlaubt. Lieber Stress oder Pfanne? Dem Fisch wäre es wohl lieber, er könnte wieder frei schwimmen, als dass er ohne Appetit sinnlos verspeist wird. Und wer zahlt noch viel Geld für Angelscheine, wenn er wie an der unteren Kyll nur noch eine gefangene Forelle im Monat verzehren darf? Auch viele einheimische Angler haben diese Frage für sich bereits wie folgt beantwortet: Fangen und Freilassen! c.moeris@volksfreund.deExtra

Die Vorgeschichte: Die Flughafenfeuerwehren auf dem US-Flugplatz Spangdahlem sowie der ehemaligen Airbase Bitburg mischten das Umweltgift PFT jahrzehntelang ihren Löschmitteln bei, bis es 2011 verboten wurde. Gespritzt wurde damit nicht nur im Ernstfall, sondern auch bei zahlreichen Übungen der militärischen Wehren. Das Gift: Perfluorierte Tenside sind biologisch nicht abbaubar und belasten den Boden, das Grundwasser sowie umliegende Gewässer. Die Substanz PFT hat in Tierversuchen lebertoxische und krebserregende Eigenschaften gezeigt. Das Gift reichert sich im Fisch und im menschlichen Organismus an. cmo