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Forschen im ewigen Eis bei Minusgraden

Forschen im ewigen Eis bei Minusgraden

Es wird das vielleicht größte Abenteuer ihres Lebens: Die Luftchemikerin Julia Regnery aus Köwerich (Landkreis Trier-Saarburg) ist Teil eines deutschen Forschungsteams, das im Dezember in die Antarktis aufbricht. 14 bis 15 Monate werden Regnery und ihr Team dort auf einer Forschungsstation verbringen. Der TV hat vorab mit der 30-jährigen Wissenschaftlerin gesprochen.

Köwerich/Bremerhaven. Es ist das kälteste Gebiet der Erde - und sie wird dort überwintern. Die Wissenschaftlerin Julia Regnery aus Köwerich (Verbandsgemeinde Schweich) hat gerade erst ihre Promotionsarbeit am Max-Planck-Institut in Mainz beendet, steckt aber schon mitten in den Vorbereitungen für ihren Forschungsaufenthalt in der Antarktis. Dort, mitten auf dem Ekström-Schelfeis nahe der Atka-Bucht, steht die Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung, auf der Regnery zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlern 14 bis 15 Monate leben und arbeiten wird.
"Die Faszination für die Antarktis war schon länger da", sagt Regnery. Auf die Stelle als Chemikerin habe sie sich mehrmals beworben, und als es jetzt klappte, habe sie nicht mehr lange überlegen müssen. "Es gibt wahrscheinlich immer etwas, das man vermisst, wie die Familie oder einfach mal ins Kino zu gehen", erklärt die 30-Jährige. "Aber das nehme ich für diesen Zeitraum, der ja zeitlich begrenzt ist, in Kauf." Ihr Partner sei zwar nicht gerade begeistert gewesen, dass er sie für so lange Zeit nicht sehen könne, "aber er unterstützt mich, weil er weiß, wie lange ich mir das schon wünsche", erzählt sie.
Der Startschuss für die Ausbildung des neunköpfigen Teams ist Mitte August fernab von der Antarktis, am AWI-Hauptstandort in Bremerhaven, gefallen. Seitdem bereitet sich die Chemikerin zusammen mit weiteren Wissenschaftlern, einem Arzt und einem Koch, auf die Überwinterung vor. "Wir haben in Österreich gelernt, wie man sich auf dem Eis verhält und wie man Menschen aus Gletscherspalten rettet. An der Ostsee haben wir auf einem alten Marine-Schiff einen Brandschutz-Kurs gemacht und haben Feuerlöschen geprobt", erzählt Regnery. Jetzt mache sie noch ein Praktikum im OP und beim Zahnarzt. "Damit ich im Notfall assistieren kann", sagt sie.
Aber auch fachlich bereitet sich Regnery auf ihre Aufgabe vor. Als Luftchemikerin wird sie im Spurenstoff-Observatorium die Konzentration von Spurengasen wie Ozon oder winzigen Staubpartikeln in der Luft messen. Regnerys Arbeitsbereich liegt etwa 1,5 Kilometer von der Station entfernt. "Der Hintergrund ist, dass die Luft dort so rein wie möglich gehalten werden soll. Deshalb muss ich jeden Tag alleine zu Fuß dahin", erklärt sie. Und das bei Temperaturen, die sich im Sommer gerade mal um die null Grad einpendeln. "Dieses Jahr hat man die tiefste jemals auf Neumayer-Station III gemessene Temperatur festgehalten, das waren minus 50 Grad", sagt Regnery.
Das Leben in den Containern sei allerdings recht modern, erzählt sie, es gebe einen Sportraum, eine Bibliothek, und "im Sommer wird draußen eine Eisbar aufgebaut." Das Team aus fünf Männern und vier Frauen sei schon während der Vorbereitungszeit fest zusammengewachsen. "Ich glaube, dass wir gut zusammenpassen, wobei kleine Streitereien natürlich auch mal dazugehören." Am 10. Dezember geht der Flieger zunächst nach Kapstadt, und von da aus weiter in die Antarktis. Dort werden die Neulinge ein paar Wochen vom Vorgänger-Team angelernt, bevor sie ganz auf sich allein gestellt sind. Von Ende Februar bis Mitte November ist Isolationszeit: Dann haben die Neun nur noch über Internet und Telefon Kontakt mit der Außenwelt. "Die Aufregung wächst jetzt", erzählt Regnery. "Aber die Vorfreude ist viel größer!"
Das Überwinterungsteam berichtet auf dem Blog "AtkaXpress" vom Leben auf der Neumayer-Station III. Der Blog findet sich im Internet unter: www.awi.de/de/infrastruktur/stationen/neumayer_station/atkaxpress_online/
Extra

 14 bis 15 Monate werden Wissenschaftler in der Antarktis leben und arbeiten. Foto: J. Helmschmidt, Quelle: AWI
14 bis 15 Monate werden Wissenschaftler in der Antarktis leben und arbeiten. Foto: J. Helmschmidt, Quelle: AWI

Die Antarktis ist der einzige Kontinent, auf dem sich keine Menschen angesiedelt haben. Das ist auch kein Wunder, denn die Temperaturen dort sind eisig-kalt. Der gesamte Kontinent ist größer als Europa und fast vollständig von Eis bedeckt. Aber für Forscher ist die Antarktis ein spannender Ort. Dort lassen sich ungestört Tiere beobachten, Meer und Gletscher untersuchen. Aber Forscher finden Polargebiete noch aus einem anderen Grund interessant. Denn Arktis und Antarktis beeinflussen das Wetter auf der ganzen Erde. Mit großen Wetterballons messen die Forscher, wie sich die Luft über den Polargebieten zusammensetzt. So wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich das Wetter zukünftig entwickelt. Und dafür halten sie es dann auch bei eisigen Temperaturen aus. eib