Fotografin Corinna Hansen-Krewer aus Schweich macht Projekt zu totgeborenen Babys

Kostenpflichtiger Inhalt: Trauer um Totgeborene : Fotoserie erinnert an Sternenkinder

Wenn der Tod schon vor der Geburt kommt: Wie Corinna Hansen-Krewer aus Schweich versucht, das Unfassbare fassbar zu machen und sich für verwaiste Eltern einsetzt. Heute wird ihre Initiative auch im Fernsehen vorgestellt.

Wochen vorher bahnt es sich an. Die Anspannung steigt, wie ein Tsunami rollt die Trauer an. „Egal wo du hinrennst, sie holt dich ein“, beschreibt Corinna Hansen-Krewer die Zeit vor dem Tag, als sich der Todestag ihres Sohnes zum ersten Mal jährt. Jonathan ist im April 2017 gestorben. Im Bauch, zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Ein zutiefst traumatisches Ereignis.

Täglich denkt Corinna Hansen-Krewer an ihr Sternenkind. So nennt man Kinder, die vor oder während der Geburt sterben. Sie beantwortet Fragen des großen Bruders Benedikt und geht oft zum Grab. Und manchmal sprechen ältere Frauen sie an, die nicht um ihre Kinder trauern konnten. Die ihre totgeborenen Kinder nicht einmal sehen durften, nicht wissen, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen war.

Corinna Hansen-Krewer ist auch Fotografin. Auf ihrer Facebook-Seite ist zum Beispiel das Schwarz-Weiß-Porträt einer 75-Jährigen zu sehen, die Lider geschlossen, der Kopf gesenkt. Unter dem Foto steht: „Meine Fehlgeburt hatte ich 1977 mit 33 Jahren, während ich in unserer Bäckerei arbeitete. Als Selbstständige musste man halt weitermachen.“

Was hilft in dieser psychischen Ausnahmesituation? Corinna Hansen-Krewer ist dankbar, dass sie ihr Kind im Krankenhaus mit Hilfe einer „wundervollen, feinfühligen Hebamme“ gebären konnte. „Unsere Geburt durfte Geburt sein“, sagt sie. Das sei existentiell wichtig gewesen. Und man habe ihr und ihrem Mann Sebastian Zeit gelassen. Zeit zum Begrüßen und zum Abschied nehmen. Die 35-Jährige hat per Selbstauslöser Familienfotos gemacht. „Das letzte schöne Erlebnis mit unserem Sohn“, sagt sie. Jeder Mensch trauert anders. Corinna Hansen-Krewer geht nach außen. Sie hat bis heute 25 weitere Sterneneltern getroffen, um einen besonderen Moment mit der Kamera für die Ewigkeit festzuhalten. Um Fotos zu machen, die helfen können, mit dem Schmerz umzugehen. Sie hat Sterne und Regenbogen gemalt, mal bunt, mal grau, ohne und mit Worten wie #unvergessen, stillborn,stillloved, #nosilenceanymore, Sternenpapa. Alles Embleme für T-Shirts, Tassen, Rucksäcke oder Schürzen, für Frauen, Männer und Kinder. Sie verkauft die Produkte in ihrem Online-Shop. „Ich möchte Zeichen setzen, nie mehr schweigen“, erklärt die Mutter.

Corinna Hansen-Krewer (Dritte von links) mit Unterstützern ihrer Initiative für Eltern von sogenannten Sternenkindern. Foto: Corinna Hansen-Krewer

Wofür steht der Regenbogen? „Der Regenbogen kommt oft nach dem Sturm, bringt wieder Licht und Farbe“, sagt Hansen-Krewer. So wie die Kinder, die nach dem totgeborenen Baby zur Welt kommen. So wie Maria. Sie wird in wenigen Tagen ein Jahr alt. „In der Schwangerschaft meines Regenbogenmädchens war ich auf der Suche nach Shirts für Regenbogenmamas, die die Verbindung zum verstorbenen Kind zeigen“, sagt  Corinna Hansen-Krewer. Doch sie fand keine Shirts mit Regenbogen und Sternen. Auch deshalb habe sie die eigenen Designs entworfen. Ihr ist es wichtig, dass in der Gesellschaft anders mit  Sterneneltern umgegangen wird. „Lach doch einfach mal wieder!“, „Is’ doch irgendwann mal wieder gut!“ Sätze, die sie oft gehört hat. Sätze, die weh tun. Sehr weh. „Ja. Ich weine immer noch“, sagt sie. Und nein, es sei noch nicht wieder gut.  „Ich möchte aufklären, wachrütteln – und an Jonathan erinnern“, sagt Hansen-Krewer. Auf ihre Art.

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