| 20:35 Uhr

"Frau Dreyer, haben Sie Trier vergessen?"

Trier. Die Trierer Kommunalpolitik reagiert gespalten auf den Beschluss aus Mainz. Die Linke, die Grünen und die SPD begrüßen das Ende der West- und Nordumfahrung, während CDU, FDP und FWG harte Kritik üben.

Trier. Die Stadt hält am Moselaufstieg fest - das hat die Mehrheit aus CDU, FWG und FDP im Juni 2011 im Stadtrat durchgesetzt. Schon damals appellierte der Rat an das Land, die Haltung zum Moselaufstieg zu überdenken. Der Beschluss gilt weiterhin.

Die CDU:´ "Die Landesregierung missachtet den durch Kreistag und Stadtrat erklärten Willen und vernachlässigt die dringenden Interessen der Region, nur um den Koalitionsfrieden zu wahren", teilt die Ratsfraktion in einer Erklärung mit. "Dass ausgerechnet eine Regierung mit grüner Beteiligung die Entlastung des Trierer Tals von negativen Umwelteinwirkungen durch den Schwerlastverkehr verhindern will, beweist, dass der koalitionären Ideologie Sachargumente weichen müssen."

Die SPD: "Wir sehen die regionalen und innerstädtischen Verkehrsbeziehungen Triers ohne weitere Unterstützung des Landes auf einen Infarkt zusteuern", sagt Fraktionschef Sven Teuber. "Dieses Bewusstsein scheint auch die Landesregierung zu teilen." Die SPD sieht hierfür Beispiele im vierspurigen Ausbau der Biewertalbrücke sowie dem forcierten Ausbau der Regionalbahn.

Die Grünen: "Endlich verabschiedet sich das Land von überteuerten, unnötigen Betonprojekten und investiert konsequent in den Ausbau der Schiene", erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Anja Reinmann-Matatko. "Dass uns das Land bei der Reaktivierung der Weststrecke und den Haltepunkte unterstützt, ist ein Riesenerfolg."

Die FDP:: "Frau Dreyer, haben Sie Trier schon vergessen?" So formuliert es der Kreisvorsitzende Tobias Schneider. "Die Landesregierung stellt sich gegen den Stadtrat und letztendlich auch gegen die Bürger, die weiterhin mit dem hohen Verkehrsaufkommen leben müssen. Ausgerechnet von einer Trierer Ministerpräsidentin hätten wir uns mehr Sachverstand und Einsatz für die notwendigen Projekte gewünscht."

Die FWG: "Mit der Entscheidung, der West- und auch der Nordumfahrung den Todesstoß zu versetzen, ist nun das Schicksal der Talstadt für Jahrzehnte besiegelt", sagt Fraktionschefin Christiane Probst.

Die Linke: "Das rot-grüne Vorhaben, auf bessere Bahnverbindungen zu setzen, ist zwar lobenswert, klingt aber wenig überzeugend", sagt Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Katrin Werner. "Schließlich wurde im letzten Jahr die Fernverkehrsverbindung in Trier so stark ausgedünnt, dass die Bahnnutzung gegenüber dem PKW noch unattraktiver wurde." jp