Frau Kokott macht zu

Und wieder eine Tante Emma weniger: Nach fast vier Jahrzehnten schließt im Südteil der Stadt der Zeitschriftenladen von Edeltraut Kokott. Einige Anwohner wollten die rührige Dame nicht so sang- und klanglos ziehen lassen.

Trier-Süd. "Viel Glück und viel Segen auf all' deinen Wegen", tönt Gesang durch Trier-Süd, dazu funkeln Wunderkerzen. Gut dreißig Bürger haben mit einer kleinen Feier Edeltraut Kokott überrascht. Die macht nach 38 Jahren ihren Zeitschriftenladen in der Eberhardstraße zu, und da soll die rührige Dame gebührend verabschiedet werden"Frau Kokott kannte jeden im Stadtteil", wird einhellig beteuert, und dass es in ihrem Laden eben nicht nur Tageszeitung und Tabak gab, sondern gerne auch noch einen kleinen oder großen Plausch umsonst. Am Regal hinter der Kasse hängen die Fotos von den Kindern der Kunden.In Zeiten allumfassender Rationalisierung, in der jedes Schwätzchen zwischendurch zur Betriebsstörung wird, sind solche Läden zum Aussterben verurteilt, was allenthalben etwas hilflos beklagt wird.Denn auch das kleine Geschäft in Trier-Süd wird wohl verwaisen, vielleicht für immer: Eine zunächst eingeplante Nachfolgerin für Frau Kokott hat Ausgaben mit zu erwartenden Einnahmen verrechnet und dann doch kalte Füße bekommen. Dabei war sogar schon ein modernerer Tresen installiert worden. "Aber der passt sowieso nicht hierein", mäkelt die zierliche Noch-Inhaberin ironisch, und stellt fest, das der Laden seit seiner Eröffnung 1969 kaum renoviert worden sei.Ruhestand im hohen Norden

Ein schwarzer Rand an der gelben Tapete erinnert noch an das großformatige Foto von der Eintracht, das jahrzehntelang dort hing. Ein Kunde hat es ihr kürzlich abgeschwatzt, vielleicht geht es bald als Leihgabe an den Verein, bei der Frau Kokotts Ehemann Klaus in den Sechzigern gespielt hat.Mag man ihren Weggang und den Schwund an kleinen, persönlichen Läden auch bedauern: Letztlich wurde Frau Kokott nicht etwa von fiesen Immobilien-Spekulanten aus ihrem Geschäft gedrängt, und auch sinkende Umsätze stellten nicht etwa ein Problem dar: "Die Einnahmen des Laden waren sowieso immer nur ein Zubrot", sagt die 62-Jährige. Der Grund für ihren Weggang ist, glücklicherweise, ungleich schöner: Nachdem ihr Mann Klaus, der bei der Stadtverwaltung gearbeitet hat, jetzt pensioniert wurde, möchten die beiden ihren Lebensabend im hohen Norden verbringen, der es ihnen angetan hat, genauer gesagt in Wilhelmshaven. Darum mischt sich unter die Wehmut, den Laden dicht machen zu müssen, auch eine gute Portion Vorfreude auf die kommenden Jahre. Schließlich, so stellt die leise Frau mit dem freundlichen Blitzen in den Augen klar, habe sie "in all den Jahren so gut wie keinen Urlaub gemacht", und darum freue sie sich jetzt auch auf eine schöne Zeit mit ihrem Mann, dem ehemaligen Eintracht-Spieler, an der Nordseeküste: Alles Gute, Frau Kokott!