"Frau Schniedchen" geht schweren Herzens

"Frau Schniedchen" geht schweren Herzens

Jeder kennt sie, und sie kennt jeden. Doris Schneider ist eine Isseler Institution. "Schweren Herzens, aber mit vielen schönen Erinnerungen" geht sie nach 42 Jahren in der katholischen Kindertagesstätte (Kita) Angela Merici zum Ende des Monats in den Ruhestand.

Schweich-Issel. Spitzname "Schniedchen". Für die Eltern auch gerne: "Frau Schniedchen". Erzieherin Doris Schneider sieht man die 60 Jahre nun wirklich nicht an. "Das sind die Kinder, die halten jung!", sagt sie. Und: "Es ist die Lebensfreude von Kindern, die mich immer wieder fasziniert. Kinder geben einem viel Kraft und lehren, spontan und optimistisch in die Zukunft zu blicken."
Und was sie den Kindern mit auf den Weg gegeben hat? "Selbstbewusstsein, hoffe ich, und ein solides christliches Wertesystem. Ein Miteinander statt ein Gegeneinander."
Während sie nach Antworten sucht auf die Frage nach netten Anekdoten in ihrer langen Kindergartenzeit, lächelt sie leise und sagt: "Manchmal denke ich, das kann doch gar nicht sein, dass das alles schon so lange her ist." Heute erzieht sie die Kinder "ihrer Kinder" aus alten Kindergartentagen. Damals, als ihr Haar noch lang war und der Rock kurz. "Heute ist mein Rock lang und die Haare kurz."
Kita als Teil der Familie


1972 hat Doris Schneider im Kindergarten Issel angefangen, ihren Traum von einem Beruf verwirklicht. "Schon immer wollte ich mit Kindern arbeiten. Etwas anderes hätte ich mir nie vorstellen können." Zwei Gruppen mit je 25 Kindern hatte die Einrichtung damals, heute sind es sechs Gruppen mit 115 Kindern. "Ich bin noch Mitte der 70er Jahre in Issel von Haustür zu Haustür klingeln gegangen und habe nachgefragt, ob man nicht Lust habe, die Kinder im Kindergarten anzumelden."
Früher seien die Kinder um 8.30 Uhr gebracht worden und pünktlich um 11.30 Uhr vor dem Mittagessen am heimischen Herd wieder abgeholt worden. "Heute sind die Kinder oft neuneinhalb Stunden am Stück im Kindergarten." Die lange Verweildauer lasse natürlich auch andere Bindungen entstehen. Der Kindergarten wird Teil der Familie. Und da könnten sich die Kinder gar nicht vorstellen, dass sie irgendwo anders leben als im Kindergarten. "Die Kleinen fragen mich immer wieder: Wo arbeitest du eigentlich?" Und als ihre Gruppe ihr zum Geburtstag ein Ständchen vor ihrer Haustür gesungen habe, da seien die Kleinen ganz irritiert gewesen. "Was, hier wohnst du? Nicht im Kindergarten?" Wenn Doris Schneider erzählt, dann hängen die Kleinen ganz gefesselt an ihren Lippen. Und wenn sie Geschichten vorliest, dann ist es mucksmäuschenstill im Raum. So wie neulich, als nur der kleine Sebastian noch Faxen machte und auf die Aufforderung, doch bitte keine Grimassen mehr zu schneiden, weil er sonst Falten bekomme, trocken erwiderte: "Gell so wie du, Frau Schneider!" Ja, mit Kindern habe man eigentlich immer viel zu lachen. Da müsse sie nur an die vielen Heiratsanträge denken, die ihr die Jungs in 42 Jahren gemacht hätten, oft mit dem ganz nüchtern sachlich formulierten Hinweis: "Wenn ich groß bin, dann heirate ich dich. Wenn du dann nicht schon tot bist."
Während sie alte Fotos betrachtet und sich an "ihre Kinder" (der Isseler Ortsvorsteher Johannes Lehnert war auch einer ihrer Schützlinge) und die Kolleginnen von früher erinnert, tobt das Kindergarten-Spielplatzleben bunt und laut um sie herum. "Es war eine schöne Zeit hier", sagt Doris Schneider mit dem ihr eigenen offenen Lachen. "Eine erfüllende Zeit. Ich werde sie vermissen."