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Frauenhaus: Frauen suchen dringend bezahlbare Wohnungen im Raum Trier

Wohnungsknappheit : Frauenhaus Trier schlägt Alarm: Dringend bezahlbare Wohnungen gesucht

Im Kampf um den knappen Wohnraum in Trier und Umgebung trifft es vor allem die Schwächsten. Warum dabei besonders das Frauenhaus Alarm schlägt und was die traurige Konsequenz ist.

Das Frauenhaus in Trier ist voll belegt. Keine erschreckend neue Tatsache. Denn der Zufluchtsort für Frauen, die vor ihren gewalttätigen Partnern fliehen, ist fast immer komplett ausgelastet. Sieben Frauen und fünf Kinder leben dort aktuell. Doch was Diplom-Pädagogin Jutta Kap die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, entspringt den Ursachen, warum das Frauenhaus seit zehn Jahren die niedrigste Aufnahmequote hat.

Aktuell verweilen Frauen drei bis sechs Monate in der Notunterkunft statt wie in den Vorjahren üblich vier bis maximal zwölf Wochen. „Zwei Frauen wohnen bereits seit der ersten Jahreshälfte 2021 im Frauenhaus, drei seit der zweiten Jahreshälfte“, sagt Kap. Dabei ist die Zuflucht in erster Linie als Übergangsort gedacht, bis die Frauen wieder auf eigenen Füßen stehen können. Die Folge: 2021 sind lediglich 30 Frauen mit 31 Kindern im Frauenhaus untergekommen. (Zum Vergleich: 2018 waren es 41 Frauen.) Insgesamt 116 Aufnahmeanfragen mussten aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden.

Warum  viele Frauen so lange im Frauenhaus Trier bleiben müssen

Wenn Frauen soweit sind, den geschützten Kokon des Frauenhauses zu verlassen, und ihr neues Leben anzufangen, brauchen sie zuallererst eine eigene Wohnung. Doch genau da liegt das Problem. „Wir sind deshalb fast permanent komplett ausgelastet, weil die Frauen keinen bezahlbaren Wohnraum finden“, sagt Kap. Besonders in Trier sei die Situation prekär.

Ohnehin sind die Raum-Kapazitäten des Frauenhauses viel zu klein für das große Einzugsgebiet. Denn es ist das einzige Haus seiner Art im ehemaligen Regierungsbezirk Trier. Das Gebiet umfasst die Stadt Trier, die Landkreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel. Darüber hinaus ist die Zuflucht offen für Frauen aus dem übrigen Rheinland-Pfalz und aus anderen Bundesländern.

Laut Istanbul-Konvention (IK), einem völkerrechtlichen Vertrag, der seit 2011 ausgearbeitet ist und den auch die Bundesrepublik Deutschland unterschrieben hat, müssen „Frauenhäuser leicht zugänglich und in ausreichender Zahl vorhanden sein“. Die IK empfiehlt Platz für eine Familie pro 10 000 Einwohner. Sieben Plätze hat das Frauenhaus Trier. Viel zu wenig.

Da verwundert es kaum, dass selbst Frauen aus der Gegend um den Nürburgring Zuflucht im Trierer Frauenhaus finden. „Eine unserer ehemaligen Bewohnerinnen aus dieser Gegend sucht übrigens dort nach einer Wohnung. Wir haben schon den Bürgermeister der Gemeinde eingeschaltet und um Hilfe gebeten“, sagt Mitarbeiterin Franziska Loos.

Warum es für viele Frauen so schwierig ist, eine Wohnung zu finden

Was aber macht es so extrem schwierig für die Frauen eine neue Wohnung zu finden? Steht tatsächlich das Budget für die Miete im Fokus oder spielen vielleicht noch andere Gründe eine Rolle?

„Die Vermieter haben leider oft Vorurteile“, sagt Jutta Kap. „Das Geld für die Wohnung kommt vom Jobcenter, ist also eine Hartz IV-Leistung. Eigentlich eine zuverlässige Zahlungsquelle. Doch gerade das ist wie ein Stigma für die Frauen.“ Manche Vermieter lehnten ein Mietverhältnis mit einer Frau aus dem Frauenhaus rigoros ab, bei anderen sprächen sie eine soziale Ader an. Extreme Schwierigkeiten haben Frauen mit mehreren Kindern. Loos berichtet: „Eine Frau mit drei Kindern hatte sich für eine Drei-Zimmer-Wohnung beworben. Der Vermieter sagte ihr, er vermiete sie nur an maximal drei Personen. So etwas bekommen die Frauen übrigens oft zu hören. Selbst große WG-Wohnungen stehen für sie dann nicht zur Verfügung.“

Offene Abneigung. Ressentiments. Rassismus. Man sollte glauben, die Frauen haben bereits genug mitgemacht, wenn sie mit ihren Kindern vor ihren gewalttätigen Ex-Partnern geflohen sind und nun vor dem Nichts stehen. Doch als Migrantinnen, dunkelhäutig oder alleinerziehend haben sie selten gute Chancen. „Bei schwarzen Frauen heißt es oft, die Wohnung sei schon vergeben“, schildert Loos die Lage. Und so helfen die Mitarbeiterinnen den Frauen immer öfter bei der Wohnungssuche, obwohl das primär gar nicht ihre Aufgabe ist. Denn der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Krisenintervention – die Soforthilfe in einer Notsituation.

Wie das Trierer Sozialamt den Frauen aus dem Frauenhaus bei der Wohnungssuche hilft

Kap erzählt: „Wir sehen uns auch Wohnungen außerhalb von Trier an. Je länger die Suche dauert, desto mehr wird sie regional ausgeweitet. Oft sind die Frauen aber nicht mobil, haben weder Auto noch Führerschein.“ Die Stadt Trier kennt das Dilemma. Auf TV-Anfrage heißt es: „Um den betroffenen Frauen in dieser besonderen Lebenssituation eine Unterstützung zukommen zu lassen, wurde die Kooperation zwischen der Stadtverwaltung Trier, Amt für Soziales und Wohnen, insofern intensiviert, als das regelmäßige Treffen zur Klärung übergeordneter Themen stattfinden und eine Sozialarbeiterin als feste Ansprechpartnerin  für die Wohnraumvermittlung  von Frauen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zur Verfügung steht. So konnten im vergangenen Jahr von vier Anfragen drei positiv in Wohnraum vermittelt werden.“

Jutta Kap und Franziska Loos hoffen auf Verbesserungen in der Zukunft: „Der ländliche Wohnungsmarkt müsste auf Internetplattformen stärker vertreten sein. Der Hartz IV-Bezug dürfte kein Hindernisgrund für den Bezug einer Wohnung sein. Und wenn es mehr städtische Sozialwohnungen gäbe, würde das natürlich auch helfen.“

Gibt es Pläne für ein neues Trierer Frauenhaus?

Ob ein neues Frauenhaus in absehbarer Zeit in greifbare Nähe rückt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Das derzeit genutzte, akut sanierungsbedürftige Haus, dessen Standort strikter Geheimhaltung unterliegt, gehört der Stadt Trier. Die Generalsanierung ist aus Geldnöten erstmal auf die lange Bank geschoben. Zumindest scheint es aber einen Lichtblick zu geben. Pressesprecher Michael Schmitz teilt mit, dass „die Verwaltung mit Partnern weiterhin an den Vorbereitungen zur Herrichtung einer  Immobilie arbeite, die dauerhaft den qualitativen und quantitativen Anforderungen an die Arbeit gerecht wird. Es sind allerdings noch weitere Klärungen erforderlich. Ziel bleibt es auch, hierfür Fördermittel des Bundes in Anspruch zu nehmen.“ Wie gesagt, ein Lichtblick.