Frei von stilistischen Schubladen

Frei von stilistischen Schubladen

Mit einer humorvollen Mischung aus Tanz, Spiel und Worten begeisterte der Luxemburger Tänzer und Choreograf Jean-Guillaume Weis bei seinem Programm "Bitte Volltanken" in der Tufa Trier.

Trier. (ae) "Warum sich beschränken auf einen Stil, wenn man doch so vieles machen kann". Dieses und andere Plädoyers für Vielseitigkeit und kreative Freiheit raunt eine Lautsprecherstimme in deutscher, englischer und französischer Sprache in den noch dunklen Bühnenraum. Es ist das Intro zur Tanzperformance des ehemaligen Pina-Bausch-Tänzers Jean-Guillaume Weis und, wie sich schnell zeigt, auch inhaltlicher Leitfaden.

Weis lässt stilistisch nichts aus, zitiert klassisches Ballett, Breakdance, Tango, freien zeitgenössischen Tanz oder spielt einfach Theater. Das alles bunt gemixt in rhythmisch aneinander gereihten Szenen, die von Musik zwischen Rock, Latin und Klassik, Film- und Sprachaufnahmen sowie Lichtinszenierung begleitet werden. Dabei geht es nicht in erster Linie um ästhetische Körperkunst, sondern um Geschichten, in denen Weis clownesk, teilweise sogar slapstickartig sein Metier und sich selbst auf die Schippe nimmt. Da karikiert ein "Terminator" den Körperkult (nicht nur) im Tanzmilieu, da illustriert ein Boxkampf gegen einen Baum Tanz als harten Kampf während die Stimme sagt: "Sehen Sie, es ist doch ganz leicht". Oder die vermeintlich edle, in gekünstelter Ballettform vorgebrachte Werbung um eine Frau offenbart dank geöffneter Hose ihre wahre Triebfeder. Neben Seitenhieben und Betrachtungen über Tanz und Tänzerleben inszeniert Weis sich überwiegend selbst, mit Szenen, indem er Biografisches wie seine Begegnung mit der asiatischen Kultur in Laos und Kambodscha ironisiert, oder sein Künstlerdasein in der abschließenden Zeitrafferversion "This is me" zusammenfasst. Das Publikum ist begeistert und spendet reichlich Applaus.