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Freie Fahrt nach Problemen beim Brückenbau - In Trier-Ehrang fließt der Verkehr seit Freitag endlich wieder

Freie Fahrt nach Problemen beim Brückenbau - In Trier-Ehrang fließt der Verkehr seit Freitag endlich wieder

Für 8,85 Millionen Euro hat die Stadt Trier in Ehrang ein neues Teilstück der B 422 und eine neue Brücke über die Kyll gebaut. Autofahrer, Geschäftsleute und Kunden atmen auf. Allerdings gab es nach TV-Informationen bei der Statik der Brücke massive Probleme, die das Bauwerk deutlich teurer machen als geplant.

Trier. Wer durch die Kyllstraße in Ehrang fährt, dem bietet sich ein völlig neues Bild. Wo seit Jahren Absperrbaken, Umleitungsschilder und Bauarbeiter mit Baggern dominierten, herrscht auf einmal die große Freiheit.

Die Brücke: Zum ersten Mal fließt der Verkehr wieder an der Stelle über die Kyll, wo die alte, marode Brücke bis zu ihrem Abriss vor 14 Monaten stand. Das neue Bauwerk aus Stahl ist 37,40 Meter lang und 13,50 Meter breit (6 Meter Fahrbahn plus Rad- und Gehwege an den Seiten). Zur Erinnerung: Die inzwischen abgebaute schmale Behelfsbrücke ein Stück daneben war nur bis 3,5 Tonnen zugelassen und durfte nur per Einbahnregelung in Richtung Trier-Zentrum befahren werden.

Der Bauablauf: Das erste Fazit der Stadtverwaltung fällt auf TV-Anfrage am Freitagmittag positiv aus: "Die Verzögerungen sind im Verhältnis zur Größe und Komplexität der Gesamtmaßnahme als gering zu bezeichnen. Insgesamt waren die Verkehrsteilnehmer sowie Anlieger und Gewerbetreibende sehr kooperativ und verständnisvoll."

Der Absturz: "Es war wie ein Erdbeben" lautete die TV-Schlagzeile vom 7. Oktober 2015. Mit einem gewaltigen Krachen brach die alte Kyllbrücke während der Abrissarbeiten ungewollt durch und stürzte ab. Ein Baggerfahrer hatte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Die Panne ging also noch glimpflich aus.

Die Statik: Am späten Freitagnachmittag erfuhr der TV aus städtischen Insiderkreisen überraschend von massiven Problemen mit der geplanten Statik der neuen Brücke. Demnach sollen Experten gravierende Mängel erkannt und veranlasst haben, dass zuletzt wochenlang unterhalb der Brücke gearbeitet wurde, um die Mängel zu beheben. Nach den Gründen gefragt, warum sich die Fertigstellung von Ende Oktober auf Ende November verzögerte, nannte die Verwaltung vor zwei Wochen "Witterungsprobleme" - kein Wort zur offenbar fehlerhaften Baustatik.

Die Kosten: Nach TV-Informationen steigen die Kosten für die Brücke von 1,4 Millionen auf 2,28 Millionen Euro. Die fast 900 000 Euro Mehrkosten bedeuten eine Steigerung um nahezu zwei Drittel. Das Land soll signalisiert haben, diese Mehrkosten zu übernehmen. Die Stadt wiederum prüft Schadensersatzansprüche gegenüber dem Ingenieurbüro, das für die Statik verantwortlich sein soll - Ausgang ungewiss.

Der Lichtblick: Insgesamt kosten die B 422 neu und die Kyllbrücke 8,85 Millionen Euro. Davon zahlt die Stadt Trier rund 4 Millionen Euro. Der Rest kommt von Land und Bund, zum Teil über das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt. Kurios: Der Kostenanteil der B 422 soll dem Vernehmen nach um etwa eine Million Euro billiger geworden sein als veranschlagt, was bei öffentlichen Bauten extrem selten vorkommt. Durch die Ersparnis hier und die Mehrkosten dort könnte sich also unterm Strich ein Nullsummenspiel ergeben.

Die Eröffnung: Eine Stellungnahme zu alledem war von der Verwaltung am Freitagabend nicht mehr zu bekommen. Am Mittag hatte sie angekündigt, bei der offiziellen Freigabe vor Ort am Montag, 28. November, um 17.30 Uhr mit Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) Details zu den Kosten bekannt zu geben.

Die Bundesstraße: Schon 2013 wurden erste Vorarbeiten zur Verlegung der B 422 erledigt. Ab April 2014 verfüllten die Arbeiter im ersten Bauabschnitt den alten Mühlengraben entlang der Kyll und legten einen neuen an. Der zweite Bauabschnitt umfasste den Abriss der Häuser an der Marienfeldstraße und die neue Straße von der Kyllstraße bis zum E-Werk. Der dritte Bauschnitt betraf den Straßenbau vom E-Werk bis zur Straße Im Karrenbachtal. Ab Dezember 2015 floss der Verkehr über die neue innerörtliche Umgehung. Nach einer zwischenzeitlichen Sperrung wegen des Kreiselbaus an der Einmündung Kyllstraße ist die B 422 neu seit Freitag komplett offen.Meinung

Wo bleibt die Transparenz?
Seit Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Baudezernent Andreas Ludwig in den Trierer Stadtvorstand gerückt sind, läuft eine Informationsoffensive. Die Verwaltung agiert und reagiert im Umgang mit der Öffentlichkeit zweifellos viel früher und umfassender als zuvor. Insofern scheint die aktuelle Geheimniskrämerei um die fehlerhafte Statik der Kyllbrücke ein Rückfall in schon überwunden geglaubte alte Zeiten zu sein. Dass bei Bauprojekten dieser Größenordnung alles perfekt läuft, kann niemand erwarten. Auch ein gewisses Überschreiten der veranschlagten Bausumme ist (leider) fast normal. Aber Bürger und Steuerzahler haben ein Recht darauf, gravierende Vorfälle und Abweichungen zeitnah zu erfahren, statt offenbar für dumm verkauft zu werden. Früher oder später kommen solche Pleiten sowieso ans Tageslicht. Oder was verschweigt die Verwaltung sonst noch alles? m.hormes@volksfreund.deExtra

Ehrangs Ortsvorsteher Thiebaut Puel freut sich: "Die Geschäftsleute in Kyllstraße, Servaisstraße und Ehranger Straße haben während der Baustellen lange gelitten. Ich hoffe, dass die Kunden alle wiederkommen. Der Verkehr läuft gut. Für die schmalen Straßen im Ortskern bringt die Umgehung eine große Entlastung. Der Supermarkt soll im Herbst 2017 eröffnen." Von Statikproblemen der Brücke habe er gehört, kenne aber keine Details. cus