Freud und Leid um die rote Frucht

Der extrem trockene April hat bislang keine gravierenden Nachteile für die Erdbeerernte gebracht, da der Regen zur rechten Zeit kam. Der Hagelschlag vom vergangenen Wochenende hingegen hat in einigen Betrieben einen großen Teil der Ernte vernichtet.

Longuich/Trier. Margret Feitens Sorgen um die Erdbeeren scheinen in diesem Jahr kein Ende zu nehmen. "50 Prozent der Arbeitszeit gingen für die Tröpfchenbewässerung drauf, damit die Pflanzen überleben konnten", erinnert sich die Betreiberin des "Duftenden Dorfgartens" in Longuich an den außergewöhnlich trockenen April.Von Hagel getroffene Früchte könnten faulen

Doch dann schien mit dem Einsetzen des Regens alles gut zu werden. Bis am Pfingstwochenende die Erdbeerfelder von Hagelschlag heimgesucht wurden. "Das Problem ist, dass die getroffenen Stellen vielleicht zu faulen beginnen", erklärt sie und zeigt auf die braunen Macken an noch unreifen Früchten. Der Hagelschlag am Pfingstwochenende hat nicht nur im "Duftenden Dorfgarten" Schaden angerichtet, etliche Erdbeerfelder in der Region Trier sind betroffen. "In einigen Ortschaften wurden bis zu 50 Prozent der Ernte zunichte gemacht", weiß Franz-Josef Scheuer, Gartenbauberater des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum in Trier.Besonders ärgerlich, da nach dem Ausnahmewetter im vergangenen Monat die erhoffte Wetterwende kam und sich positiv auf die roten Früchte auswirkte. "Der Regen kam wirklich auf dem allerletzten Drücker, aber zur rechten Zeit", sagt Franz-Josef Scheuer. Günstig habe sich auch ausgewirkt, dass der Regen sanft gewesen sei. So habe das lang ersehnte Nass in die Böden einsickern können, was bei heftigen Regenschauern nicht der Fall gewesen wäre. "Sehr viele Erdbeerblüten sind dadurch wach geküsst worden", sagt Scheuer. Der Erntebeginn liege 8 bis 10 Tage früher als in einem Normaljahr. "Die Erdbeeren profitieren von den diesjährigen Wetterbedingungen. Sie haben eine Spitzenqualität und eine gute Fruchtgröße", sagt der Gartenbauberater. Es gebe in diesem Jahr zwar weniger der roten Früchte, aber die Qualität sei gut.Margret Feiten hingegen ist nicht ganz zufrieden mit der diesjährigen Fruchtgröße. "Die Erdbeeren sind in diesem Jahr kleiner als im Vorjahr", sagt sie. Insgesamt geht sie von 40 Prozent weniger Ertrag aus. "Aber vom Geschmack her sind sie sehr gut und nicht verwässert", bestätigt die Obst- und Gemüsebäuerin.Auch bei anderen Früchten hat der trockene April seine Spuren hinterlassen. "Obst wie Äpfel und Birnen haben einen Fruchtvorsprung", sagt Scheuer. Eine alte Bauernregel komme in diesem Jahr zum Tragen: "Ein trockenes Jahr ist immer ein besseres Jahr als ein nasses Jahr."