Freude und Frust in Euren

Im Rahmen seiner jüngsten Sitzung hat der Ortsbeirat Euren nochmals Probleme im Umfeld der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) thematisiert. Außerdem wurde das Ortsteilbudget für die Jahre 2015/2016 grob festgelegt.

Trier. Die etatmäßigen Mitteilungen des Ortsvorstehers, die Ortsbeiratssitzungen meist eröffnen, sind selten der dramatische Höhepunkt der Sitzung - in Euren war das allerdings anders: Hans-Alwin Schmitz (FWG) erneuerte und präzisierte seine Kritik an den Zuständen in und um die General-von-Seidel-Kaserne, in der seit Februar Asylbegehrende untergebracht sind. Er berichtet, dass er fortwährend von Eurenern angesprochen werde: Die Gegend vermülle, es gebe Berichte über aggressive Bettelei im Ort, Belästigungen und Ruhestörungen. Einige Bewohner der Aufnahmeeinrichtung zeigten wenig Respekt vor dem Eigentum anderer, setzten sich etwa auf Autos und beträten fremde Grundstücke (der TV berichtete).
Schmitz möchte nicht falsch verstanden werden: Die Eurener seien sicher grundsätzlich dafür, Flüchtlingen Schutz zu gewähren - gleichzeitig müsse der Ortsvorsteher aber auch "einen Burgfrieden" gewährleisten. Er vermutet, dass der Einrichtung selbst "alles langsam über den Kopf wächst": Schließlich habe sich die ursprüngliche Belegung mittlerweile fast verdreifacht - von 130 Menschen auf fast 370, inklusive Frauen und Kleinkindern.
Jörg Schädlich (FWG) schlägt vor, "endlich den Stadtvorstand in die Pflicht zu nehmen". Auch wenn es sich hier um eine Landeseinrichtung handele, könne die Stadt nicht auf die ADD verweisen. Der Beirat verständigt sich informell, dass Schmitz die Beschwerden der Anwohner nochmals schriftlich zusammenfasst und der Leitung der Aufnahmeeinrichtung vorlegt - verbunden mit der Bitte, an der nächsten Sitzung teilzunehmen.
Gut vorbereitet geht der Ortsbeirat in die Beratungen um das Budget für 2015/2016: Die Fraktionen haben im Vorfeld Vorschläge eingereicht und sich darauf verständigt, dass die von Schmitz präsentierte Aufstellung keine großen Diskussionen mehr verursacht: Während das Bürgerhaus "Druckwerk" jährlich 5000 Euro erhält, sind andere Vereine und Einrichtungen fast durchweg mit 1000 bis 2200 Euro dabei (siehe Extra).
Eine von der Stadt vorgelegte Liste mit Projekten, die Euren betreffen und die für den nächsten Haushalt vorgesehen sind, sind Schmitz ein Grund zur Freude: "Wir hatten selten so viel auf der Agenda." Konkret vorgesehen ist der Ausbau der Kita St. Helena (1,5 Millionen Euro): Deren Kapazität wird damit auf fünf Gruppen und eine Hortgruppe erweitert, um bis zu 25 Kinder unter drei Jahren aufnehmen zu können - derzeit sind es zwölf.
Außerdem vorgesehen: der verkehrsberuhigte Ausbau der Karelstraße (500 000 Euro) und der Udostraße (250 000 Euro), der Ausbau der Eisenbahnstraße (1,7 Millionen Euro) sowie der verkehrsberuhigten Bereiche in Herresthal (250 000 Euro).
Lediglich die letzte Maßnahme führt zu Diskussionen im Beirat: Viele Mitglieder sind der Meinung, der Ausbau sei auch von den Herresthalern nicht wirklich gewollt - schon gar nicht von den dort ansässigen Betrieben. "Die wollen sogar dagegen klagen", berichtet etwa Jörg Funk (FWG). Am Ende wird der Entwurf zum städtischen Haushalt grundsätzlich wohlwollend beantwortet, betreffend Herresthal aber die Stadt aufgefordert, sie solle noch einmal mit den Bürgern sprechen. Einen Vorschlag zur alternativen Verwendung möglicherweise frei werdender Mittel gibt es auch: Die Stadt soll prüfen, ob es nicht für den Ausbau des Dorfplatzes in der Numerianstraße verwendet werden kann - ein Vorhaben, dass seit vielen Jahren gewünscht ist, aber von der Stadt nie priorisiert werde.
Extra

Ortsteilbudget 2015/2016: Der Kindergarten St. Helena und Montessori, die Grundschule, das Jugendzentrum und der Kulturkreis Herresthal werden mit je 2000 Euro unterstützt, 2016 gibt es 200 Euro mehr. Der Sportverein TuS, die Jugendförderung des TuS sowie der Musikverein können jährlich je 1000 Euro einplanen. Für das Bürgerhaus "Druckwerk" werden 5000 Euro jährlich reserviert. Das Geld kann nur für konkrete Projekte abgerufen werden. fgg