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Freund oder Feind der Familie?

Freund oder Feind der Familie?

Ob der Angeklagte 2004 ein damals 15-jähriges Mädchen sexuell missbraucht hat, konnte gestern im Prozess vorm Dauner Amtsgericht nicht geklärt werden. Der 54-Jährige aus der Verbandsgemeinde Gerolstein bestreitet alle Vorwürfe. Die Verhandlung wird am 5. August fortgesetzt.

Daun/Gerolstein. Die Atmosphäre im Gerichtssaal war sehr angespannt. Der angeklagte Frührentner beteuert nach dem Verlesen der Anklageschrift: "Ich fasse keine Kinder sexuell an. Ich bin kein Pädophiler."

Laut Staatsanwaltschaft soll der Vater zweier erwachsener Söhne im Herbst 2004 die Tochter einer befreundeten Familie 14 Mal sexuell missbraucht haben. Zum Geschlechtsverkehr soll es zwar nicht gekommen sein, der Angeklagte soll die damals 15-Jährige jedoch unsittlich am Po, an den Brüsten und nahe dem Intimbereich berührt haben. Immer wieder.

Das Mädchen war während der Kur seiner Mutter für eine Woche bei der Familie des Angeklagten untergebracht. Die heute 20-Jährige trat als Nebenklägerin auf. Der Vorsitzende Richter Hans Schrot wollte der jungen Frau eine Aussage ersparen.

Zum Angeklagten sagte er: "Ich halte die Aussagen des Opfers bei der Polizei keineswegs für ein Lügengebilde. Es ist keine Kleinigkeit, was ihnen vorgeworfen wird." Der rechtliche Strafrahmen reiche dafür von drei Monaten bis fünf Jahre. Ein Teileingeständnis, so Schrot, wirke sich positiv aufs Strafmaß aus. Der Angeklagte ließ sich nicht darauf ein.

Als Frau und nicht als Kind gesehen



Die Nebenklägerin beschrieb detailliert die sexuellen Übergriffe. Er habe immer weitergemacht, egal wie häufig sie "Nein" sagte. Oft habe er gesagt, dass er mit ihr schlafen wolle. Richter Schrot hakte nach, weil der Angeklagte "freundschaftliche Familienbande und sich als Vater-Ersatz" dargestellt hatte. Die 20-Jährige erklärte jedoch: "Es waren gezielte Berührungen. Er sah mich als Frau und nicht als Kind." Während der Aussage hielt sich die junge Frau tapfer, zurück am Platz neben dem Staatsanwalt hatte sie aber Tränen in den Augen. Als die Mutter der jungen Frau den Angeklagten zur Rede stellte, soll er gesagt haben: "Es war doch nur Spaß". Das bestätigte ein zweiter Zeugen. Der Ex-Freund der Nebenklägerin beschrieb sein Bemühen als 16-Jähriger, seine Freundin nicht mehr alleine zu lassen, damit der Angeklagte bei Besuchen keine Chance für Übergriffe hatte. Eine 56-jährige Zeugin berichtete: "Das Mädchen war mit den Nerven am Ende. Sie heulte und erzählte, dass er ihr die Zunge in den Mund gesteckt hatte. Angeblich wollte er ihr das Küssen beibringen." Die 20-Jährige sagte: "Die Übergriffe fingen schon lange vorher an." Sie habe lange geschwiegen, aus Angst nicht ernst genommen zu werden, weil der Angeklagte zum Freundeskreis der Familie gehörte. Nach einem Streit mit ihrer Mutter im Herbst 2006 brach sie ihr Schweigen. Es folgte die Anzeige.

Die Ehefrau und zwei Söhne des Angeklagten sollen auch noch gehört werden. Der Prozess wird am 5. August fortgesetzt.