Fridays for Future - Wenn Professoren in Trier fürs Klima streiken

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An diesem Freitag gehen ab 10 Uhr erneut Schüler und Studenten in Trier auf die Straße, um im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Madrid ihrer Forderung nach mehr Klimaschutz Ausdruck zu verleihen. Doch sie sind schon längst nicht mehr alleine. Um sie herum hat sich, auch in Trier, eine breite gesellschaftliche Unterstützung formiert.

Es bewegt sich etwas in Trier. Ausgelöst haben das vor allem Schüler. Schüler, die freitags auf die Straße statt in die Schule gehen. Schüler, die mit steigender Vehemenz einen stärkeren Klimaschutz fordern und mittlerweile ein weltweites Bündnis geschaffen haben: die „Fridays for Future“.

Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass zum ersten Mal rund 300 junge Trierer für eine nachhaltigere Politik protestierten. Seitdem ist die Bewegung stetig gewachsen. Im September zählten die Veranstalter in Trier bereits rund 2500, deutschlandweit sollen es 1,4 Millionen Menschen gewesen sein (der TV berichtete jeweils). Es gibt Befürworter und Gegner ihrer Anliegen, doch egal ist das Thema kaum noch jemandem.

An diesem Freitag werden unter dem Motto #NeustartKlima erneut Menschen in Trier und auf der ganzen Welt an die Politik appellieren. „Verabschiedet hat die Große Koalition ein unwirksames und sozial ungerechtes Klima-Päckchen.“ „In der Schule hieße das: ‚Thema verfehlt! Setzen, Sechs’“, heißt es in dem Aufruf, den ein breites Bündnis von Umweltorganisationen unterzeichnet hat.

2500 Menschen laufen bei „Fridays for Future“ in Trier mit

Doch an diesem Freitag werden unter den Protestierenden an der Porta Nigra nicht nur Schüler sein. Im Laufe der letzten Monate haben sich Unterstützerverbände aus den verschiedensten Teilen der Zivilgesellschaft formiert. Sie nennen sich Foresters for Future, Psychologists and Psychotherapists for Future, Students for Future oder auch Churches for Future.

Der TV hat Aktive aus zwei dieser Unterstützerverbände gefragt, warum sie am Freitag fürs Klima auf die Straße gehen.

Werben für die Zukunft: Die „Parents for Future“

In unregelmäßigen Abständen treffen sich rund 15 Trierer Erwachsene, die sich das Ziel gesetzt haben, der „Fridays for Future“-Bewegung zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Sie bilden eine von deutschlandweit rund 300 Ortsgruppen der „Parents for Future“, der Eltern also.

Carola Heimann hat die Trierer Gruppe zu Beginn des Jahres mitgegründet. Sie sei schon immer ein sehr umweltbewusster Mensch gewesen, sagt sie. Doch vor 2018 stieß sie damit in der Gesellschaft oft auf wenig Interesse.

„Im Grunde hat das so richtig letztes Jahr im Hambacher Forst angefangen“, erinnert sie sich. Da habe man gemerkt: „So, jetzt kommt ganz viel in Bewegung“. Zeitgleich kamen Greta und die „Fridays for Future“ auf den Plan. „Dann war klar, dass wir uns dort auch einbringen.“

Neben Öffentlichkeitsarbeit für die Schülerbewegung organisieren sie mittlerweile auch selbst Veranstaltungen. So richten sie in der Woche nach dem globalen Klimastreik eine „Make Something Week“ aus (siehe Info). Damit schließen sie sich einer Initiative von Greenpeace an. Die Umweltschutzorganisation möchte in dieser Woche mit Veranstaltungen auf der ganzen Welt auf Ressourcenverschwendung und steigenden Konsum aufmerksam machen.

Während Geschäfte auf der ganzen Welt am sogenannten „Black Friday“ mit Rabatten locken, bieten die Trierer Parents beispielsweise einen „Back Friday“ an, an dem sie mit Kindern und Jugendlichen Brot und Aufstriche zubereiten. „Wir kaufen dafür unverpackt ein, wir werden unser Getreide selber mahlen und wir werden nur frische, biologische Zutaten verwenden. Also so klimafreundlich wie möglich“, sagt Heimann.

Auch mit anderen Organisationen arbeiten sie für die „Make Something Week“ zusammen. So wird die Meeresbiologin Angela Jensen vom Verein „The Blue Mind“ einen Vortrag zur Vermüllung der Ozeane anbieten. Die „Psychologists for Future“ bieten eine Gesprächsrunde an, bei der Menschen ihre Sorgen und Ängste vor dem Klimawandel loswerden können.

Doch zu sehr einmischen möchten sie sich nicht in die „Fridays for Future“: „Es ist uns wichtig, ihnen nicht in den Kram zu pfuschen, denn das ist eine Initiative von jungen Leuten.“

Lehren für die Zukunft: Die Scientists for Future

Bereits in der Woche zuvor haben die „Students for Future“ an den Hochschulen der Republik die „Public Climate School“ organisiert. An Universität, Hochschule und dem Umweltcampus Birkenfeld dozierten auch in Trier Fachleute über Themen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. So sprach Professor Dr. Christoph Menke über die langfristige Erreichbarkeit einer hundertprozentig erneuerbaren Energieversorgung.

Der Professor für regenerative Energietechnik an der Hochschule Trier ist mitverantwortlich für den Zusammenschluss von Trierer Wissenschaftlern, die die Klimaproteste der Schüler unterstützen – die „Scientists for Future“. Schon in den 90er-Jahren hat er im Auftrag der Bundesregierung in New York und Kathmandu an Sitzungen des Weltklimarats (IPCC) teilgenommen, der später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Damals seien die Wissenschaftler noch davon ausgegangen, der Klimawandel sei mit weniger harten Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Doch in der Folge stiegen die globalen CO2-Emissionen immer weiter an. „Die Dringlichkeit, dass wir eben nicht bis 2050 Zeit haben, sondern in den nächsten paar Jahren das Ruder umgelegt werden muss, das ist auch mir erst vor zwei, drei Jahren richtig klar geworden“, sagt Professor Menke. „Das wissenschaftliche Umfeld hat sich bis jetzt noch nicht ausdrück­lich positioniert.“ Das wollen sie nun ändern.

In diesem Sommer hat er daher mit Kollegen von der Universität und des Umweltcampus Birkenfeld die „Scientists for Future“ Trier ins Leben gerufen. Mittlerweile haben sich rund 60 Wissenschaftler angeschlossen. „Das wächst auch noch“, freut sich Menke.

Noch halten sie vor allem Vorträge, bei Bedarf stehen sie auch den protestierenden Schülern beratend zur Seite oder sprechen auf deren Demonstrationen. Damit sollte Christian Lindners Feststellung, Klimaschutz sei „was für Profis“, Genüge getan sein. Auch an ihren eigenen Hochschulen setzen sie sich für mehr Klimagerechtigkeit ein, beispielsweise für die Aufstellung von Fahrradständern oder Ladestationen.

Bald soll die Internetseite der „Scientists for Future“ fertig sein. Dann wird es auch für andere Gruppen leichter, sich mit ihnen zu vernetzen. Davon gibt es schon jetzt einige, denn es bewegt sich etwas in Trier. Und daran beteiligt sind längst nicht mehr nur Schüler.