Friede, Freude, Winzerglück
Trier-Olewig · Tolle Stimmung, zufriedene Winzer und Gäste - vor allem das gute Wetter am Freitag, Samstag und Sonntagnachmittag machte es möglich: Die 66. Auflage des Trierer Weinfestes ist eine der erfolgreichsten der vergangenen Jahre. Das Traditionsfest in Olewig endet heute Abend.
Trier-Olewig. Michael Newel (50) staunt nicht schlecht. Der aus Wiltingen stammende 50-Jährige, der seit geraumer Zeit im Landkreis Bad Tölz (Oberbayern) lebt und arbeitet, besucht "zum ersten Mal seit bestimmt 20 Jahren" ein Trierer Weinfest - und muss sich erst mal umorientieren. Kein großes Festzelt mehr, kein offizielles Brimborium mit steifem Protokoll. Newel findet\'s gut, "dass es alles ganz anders ist als ich es in Erinnerung habe. Viel lockerer. Und als Freiluft-Fest hat das Ganze ein besonderes Flair."Feuerwerk, Wein und Gesang
Vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit. Entgegen aller Prognosen bleibt das Großfest bis auf einen Mini-Schauer am Samstagabend zunächst vom Regen verschont. Am Sonntagabend kündigen sich dagegen kräftige Schauer an. Die Vereinigung der Olewiger Winzer, die seit 1949 das Trierer Weinfest veranstaltet, ist bis dato allerdings bester Dinge. Bereits beim Auftakt am Freitagabend hat Mega-Andrang geherrscht, der sich auch in einem "sehr erfreulichen Umsatz" niederschlägt, wie der Vorsitzende Peter Terges (61) feststellt. "Die Leute kommen nicht nur wegen des Feuerwerks. Sie sind auch wegen unseres Weins hier."
Der Besucherzustrom auch am Samstag lässt die Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Weinfestes erst einmal in den Hintergrund treten. Noch am Mittwoch, bei der Krönung der neuen Weinkönigin Vivien Gremmler (20), hatte Terges ziemlich schwarzgemalt. Viel ehrenamtliche Arbeit, wenig öffentliche Unterstützung - wie soll das denn weitergehen, wenn die traditionsbewusste ältere Winzergeneration sich nicht mehr krummlegen kann, um das dienstälteste der Trierer Großfeste zu organisieren?
Immerhin können die Fest-Macher auf treue Hauptsponsoren bauen. Das Trierer Werk Japan Tobacco International (JTI) hat zum vierten Mal in Folge das Protektorat übernommen, diesmal in Person von Stephan Schröder. Der 43-jährige Manager stellt ein weiteres Engagement in Aussicht: "Wir sind stolz, Partner dieses Festes zu sein."
Eines Festes übrigens, auf dem man sich trotz Verabredung verfehlen kann. Denn die Festmeile Olewiger Straße ist keine durchgehende, stattdessen gibt es zwei Feierzonen. Die eine im "Unterdorf" beim Blesius Garten, die andere im "Oberdorf" beim ehemaligen Kloster. Dazwischen klafft eine lange Lücke, die Ortsunkundige leicht zur "Ende Festgelände"-Annahme verleiten kann.
Die Zonen-Aufteilung ist neueren Datums. Bis vor einigen Jahren war das Areal der Getränkehandlung Lorscheider noch das Bindeglied zwischen "oben" und "unten", doch dort, wo einst die Leiendecker-Bloas den Hinterhof rockte, steht nun ein Neubaukomplex.
Das Unterhaltungsangebot des Weinfestes hat aber nicht abgenommen, sieht man einmal davon ab, dass es keine Kirmes gibt: "Die Schausteller wollten Geld, damit sie überhaupt zu uns kommen, und das machen wir nicht", klärt Terges auf.
Cover-Rock ist traditionell Trumpf beim Weinfest. Doch der artet erfreulicherweise nicht in uninspiriert nerviges Nachspielen von sattsam bekanntem Liedgut aus. In Olewig sind auf bis zu vier Bühnen gleichzeitig mit Lokalmatadoren wie Mixxtape, den Bukowski-Brüdern, Casamento oder California Dreams ausgezeichnete Bands wie Wallstreet aus Ostbelgien und Freaky Voices aus der Eifel am Start. Und die Leiendecker-Bloas ist auch wieder mit von der Partie. Die Mundart-Rockband tritt am heutigen Abschlusstag ab 19.30 Uhr auf der Bühne im Klostergarten auf. Die Witterungsprognosen waren gestern durchwachsen, aber wenn sich die Wetterfrösche wieder einmal so irren wie bei ihren Vorhersagen für die drei vorangegangenen Tage, dann könnte das Festfinale eine Riesengaudi werden.
Im Blesius Garten spielt die Band Freu Dich, im Deutschherrenhof die Unplugged Gang.Extra
Laut Polizei Trier ging es trotz des hohen Besucheraufkommens "sehr ruhig und friedlich zu" beim Weinfest. Es wurde lediglich ein Körperverletzungsdelikt registriert: In der Nacht zu Samstag schlug ein 29-Jähriger einen 47-Jährigen mit der Faust ins Gesicht - Verdacht auf Jochbeinbruch. Der Schläger, der zuvor gepöbelt hatte, verbrachte den Rest der Nacht in Gewahrsam. 24 Stunden später kamen zwei aggressive Festbesucher in Gewahrsam: einer hatte gepöbelt, der andere randaliert. Einigen Gästen, die verbal aneinander geraten waren, erteilte die Polizei einen kollektiven Platzverweis. rm.