1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Friedhöfe: Gebühren müssen Kosten decken

Friedhöfe: Gebühren müssen Kosten decken

Die Gebühren für Bestattungen auf den 17 städtischen Friedhöfen sind vor einem Jahr stark angehoben worden. Ob das jährliche Defizit aus der Pflege und dem Unterhalt der Gräberfelder von rund 850 000 Euro tatsächlich ausgeglichen wurde, steht allerdings noch nicht fest.

Trier. Als sie den Gebührenbescheid der Stadtverwaltung in Händen hielt, rieb sich eine Witwe aus Euren die Augen: 226 Euro verlangte das Grünflächenamt für den Fall, dass sie selbst einmal nicht mehr in der Lage sein sollte, die Einfassung und den Gedenkstein auf dem Urnengrab ihres Manns abzuräumen. Dabei ist dieser erst im Oktober gestorben, die Pacht für seine Grabstelle läuft 20 Jahre. "Und außerdem hat meine Freundin voriges Jahr nur 54 Euro für die spätere Auflösung eines Urnengrabs gezahlt", erzählt die Rentnerin. Die Gebührenerhöhung um fast 400 Prozent kann sie nicht nachvollziehen. "Eine solche Preissteigerung wäre in einer anderen Branche ganz sicher nicht möglich."
Gebühren müssen Kosten decken


Vor genau einem Jahr ist die neue städtische Friedhofsgebührenordnung in Kraft getreten. Bis dahin erwirtschaftete das Grünflächenamt aus Pflege und Unterhalt der 17 städtischen Gräberfelder jährlich ein Defizit von rund 850 000 Euro. Weil den Kommunen allerdings gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Kosten aus dem Bestattungswesen durch Gebühren gedeckt sein müssen, blieb dem Stadtrat keine andere Wahl, als der Erhöhung zuzustimmen.
Nicht nur das spätere Abräumen der Gräber ist deutlich teurer geworden. Das Ausheben und das Verschließen eines Grabs kostete früher 307 Euro, jetzt sind es 620 Euro. Ganz neu sind die 190 Euro, die alleine für den Antrag auf Erwerb einer Grabstelle gezahlt werden müssen. Die Bearbeitung eines Antrags auf Nutzung einer Trauerhalle kostet 110 Euro. Beide Gebühren gab es in der alten Satzung nicht.
Für die Bestattung ihres Manns in einem Reihenurnengrab hat die Eurener Rentnerin insgesamt 1921 Euro an die Stadtverwaltung gezahlt. "Bei meiner kleinen Rente ist das ganz schön viel", sagt die Frau.
Dabei ist das Urnenreihengrab noch eine der günstigsten unter den vielen Bestattungs- und Grabvarianten, die die städtische Friedhofsordnung ermöglicht. Das Gerücht, dass Angehörige wegen der gestiegenen Gebühren ihre Verstorbenen im Umland bestatten lassen, stimmt allerdings nicht. "Bei uns hat noch niemand wegen der hohen städtischen Gebühren eine Bestattung in einer Gemeinde mit geringeren Kosten haben wollen", sagt Monika Loch vom Bestattungsinstitut Lieser. Edgar Koster vom gleichnamigen Beerdigungsinstitut bestätigt: "Ich habe es auch noch nicht erlebt, dass jemand wegen der Kosten ein Begräbnis in eine andere Kommune verlegt - zumal Gemeinden Bestattungen ja auch gar nicht annehmen, wenn der Verstorbene keine Beziehung zu dem Ort hatte."
Einen Rückgang bei den Bestattungen hat die Stadtverwaltung denn auch nicht zu verzeichnen: 2010 waren es 785 Bestattungen auf den 17 städtischen Friedhöfen und damit 81 mehr als 2009. Bis Ende Mai 2011 wurden 303 Verstorbene beigesetzt. Da die Bestattungszahlen allerdings über den Jahresverlauf stark schwanken und es im Herbst und Winter erfahrungsgemäß mehr Bestattungen gebe, ließe sich aus dieser Zwischenbilanz keine Tendenz ableiten, erklärt Rathauspressesprecher Ralf Frühauf. Auch bei Grabumrandungen und -steinen, deren Beantragung nach der neuen Satzung jetzt 95 statt 20 Euro kostet, gebe es keinen Rückgang.
Ob das jährliche Defizit von 850 000 Euro durch die höheren Gebühren verschwunden sei, könne allerdings erst beantwortet werden, wenn die Betriebsabrechnung 2010 vorliegt. "Und das ist noch nicht der Fall", erklärt Frühauf.
Genutzt werden sollten die gestiegenen Gebühren auch für die Instandsetzung der vielerorts maroden Friedhofseinrichtungen. Die Trauerhalle auf dem Südfriedhof wurde schon renoviert. Die bereits seit Jahren dringend notwendige Sanierung der Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof ist dagegen noch nicht einmal von den zuständigen städtischen Gremien beschlossen worden. "Wir hoffen, im kommenden Jahr entsprechende Realisierungsschritte einleiten zu können", sagt Frühauf.