Friedhof gefunden, von der Straße keine Spur

Friedhof gefunden, von der Straße keine Spur

In der Thebäerstraße legen derzeit Archäologen römische Gräber frei. Parallel dazu sind die Experten jetzt auch in der Paulinstraße zu Gange. Und sie sind fasziniert von dem, was sie dort finden.

Trier. Ganz sorgfältig legen die etwa sechs Grabungsarbeiter die Erdschichten auf dem 2300 Quadratmeter großen Grundstück frei. Unter ihnen ist auch Werner Kaufmann. Mit seinem Stukkateureisen hat er ein Rechteck um eine Urne ausgegraben. Das sei viel Kleinarbeit gewesen, sagt Kaufmann. "Ich will nichts zerstören. Deswegen gehe ich pro Schicht immer nur fünf bis zehn Zentimeter tiefer. Es kann ja sein, dass da noch was liegt.”
Auch seine Kollegen arbeiten so sorgfältig wie er. Nebenan hat einer von ihnen ein Skelett freigelegt. Genau das sei das Interessante bei Ausgrabungen außerhalb des ehemaligen römischen Stadtgebietes.Gräber außerhalb der Stadt

Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Denn südlich und nördlich der Stadt waren um die Jahre ein- bis dreihundert nach Christus die Friedhöfe von Trier, sagt der Archäologe Joachim Hupe von der Direktion Landesarchäologie der Außenstelle Trier. "Hier finden wir was über die Menschen im römischen Trier. Bei Grabungen in der Stadt finden wir meist nur Reste von Häusern oder Wasserleitungen."
So haben die Archäologen seit Beginn der Arbeiten im Februar bereits 20 Gräber aufgedeckt. Darunter 15 Brandbestattungen und fünf Körpergräber. "Bei den Körpergräbern ist auffällig, dass darunter drei Kleinkinder sind. Die sind vermutlich im Alter von drei bis acht Jahren gestorben", sagt Hupe. Die Wahl zwischen einer Brandbestattung und einem Körpergrab sei früher vom Stand abhängig gewesen. Wer kein Geld für Holz hatte, habe seine Angehörigen nicht verbrennen können.
Direkt neben den Skeletten und Urnen liegen vereinzelt Vasen und Lampen. Das sind Beigaben der Angehörigen, die den Verstorbenen im Jenseits das Leben erleichtern sollen, sagt der Archäologe. Aber auch die seien bei ärmeren Menschen kleiner ausgefallen. Wer besonders vermögend gewesen sei hingegen, hat sich sogar ein Denkmal an seinem Grab errichten lassen. Diese Monumente haben dann die Ausfallstraße hinter der Stadtmauer von Trier spaliert, so Hupe. Auch davon haben die Archäologen Teile gefunden, wie beispielweise eine Hand aus Sandstein, die einen Topf festhält.
Außerdem helfe die Ausgrabung dabei, einen Abschnitt der römischen Fernstraße von Trier nach Mainz zu lokalisieren: "Wir haben einen sogenannten negativen Befund. Wir dachten, die Straße läuft hier entlang. Jetzt wissen wir, dass es nicht so ist, weil wir die Überreste eines Friedhofs gefunden haben", sagt Hupe.
Der Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier, Marcus Reuter, zeigt sich über die Entdeckung in der Paulinstraße erfreut: "Es ist schön, dass wir wieder einen Einblick in eine römische Metropole bekommen."
Bis die Stücke im Museum zu sehen sein werden, wird es aber noch dauern, sagt Reuter: "Die Funde gehen jetzt erstmal zu den Restauratoren. Dann steht die wissenschaftliche Auswertung an. In fernerer Zukunft kann ich mir dann eine Ausstellung vorstellen." Für die Grabung in der Paulinstraße sind neun Monate geplant, von Februar bis Oktober. Die Chancen, auf solchen unbebauten Flächen in Trier graben zu können, seien selten, sagt der Museumsdirektor. Und so werden Werner Kaufmann und seine Kollegen noch eine Zeit lang Überreste aus dem römischen Trier suchen, bis dann ab Oktober auch dort Wohnungen und eine Tiefgarage gebaut werden.

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