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Frisch auf den Tisch: Scharfes, Süßes, Saures

Frisch auf den Tisch: Scharfes, Süßes, Saures

Rotbackige Äpfel oder doch lieber leicht scharfe Radieschen? Vor dieser Entscheidung stehen 60 Kinder der Grundschule Welschbillig, denn sie bekommen einmal wöchentlich in der großen Pause eine Ration vitaminreiche Kost.

Welschbillig. (MRA) Kein Obst und kein Gemüse! Nur ein Brötchen mit Wurst und Käse kommt zum Vorschein, als Lisa (8) in der großen Pause ihre rosa Brotdose öffnet. Bloß keine falschen Schlüsse! Lisas Mama hat ihr heute extra keine Vitamine eingepackt, denn einmal pro Woche ist Schulobsttag in der Welschbilliger Grundschule. Schulleiter Adolf Morbach erklärt: "Jeden Montag um 7.40 Uhr bringt das DRK für jede Klasse eine Kiste mit Obst und Gemüse vorbei. 100 Gramm soll jeder Schüler bekommen." Gegessen werden die Vitamine in der großen Pause.

Gerade tragen zwei Erstklässler die Kiste mit zwei verschiedenen Produkten herein und bringen sie zu Adolf Morbach an das Lehrerpult. Heute gibt es Äpfel und Radieschen. Die achtjährige Michelle verzieht das Gesicht, als hätte sie gerade in eine saure Zitrone gebissen. Trotzdem nimmt sie ein Stück der kleingeschnittenen, würzig duftenden Radieschen, die Adolf Morbach gerade verteilt, und beäugt sie skeptisch. Auch die anderen Erstklässler greifen zu, obwohl nur drei von ihnen sich als Radieschen-Liebhaber zu erkennen gegeben haben. "Ich hasse Radieschen", sagt Pascal (8), "aber ich liebe Tomaten und Äpfel." Ein Glück, dass auch Äpfel in der Klassenkiste sind. Die schneidet Adolf Morbach gerade in zwei Hälften, damit jeder etwas abbekommt. Doch erst sind die Radieschen dran. Tapfer probieren alle die kleinen roten Knollen. "Ganz schön scharf", sagt Jonas (9). Ein Freund der im Mund brennenden Knollen wird er wohl nicht werden. Als der Schulleiter die Apfelhälften bringt, ist die Skepsis der Kinder wie weggeblasen. Es knackt und knirscht, weil alle herzhaft in die süße Frucht hineinbeißen. Lara (8) sagt: "Ich finde es toll, dass es leckeres Obst gibt. Am liebsten mag ich Äpfel." Das Schulobstprogramm sei eine gute Sache, sagt Klassenlehrerin Simone Faß. "Die Kinder essen bewusst. Wenn sie etwas nicht kennen, probieren sie es, weil ihre Schulkameraden es auch probieren." Allerdings hätten die Kinder der Grundschule Welschbillig auch so regelmäßig Obst und Gemüse in ihrer Brotdose. Sogar an den Geburtstagen würde es mittlerweile öfter Obstspieße statt Kuchen geben. Ein Blick in die Klassenkiste zeigt: Die Äpfel sind weg. Radieschen sind einige übrig.

Michelle hat die scharfen Knollen schon wieder vergessen und tobt mit ihren Klassenkameraden auf dem Schulhof. Schließlich ist nicht nur gesunde Ernährung wichtig, sondern auch viel Bewegung.