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Frische Literatur auf der Bühne

Frische Literatur auf der Bühne

Studierende und Jung-Autoren haben ihre literarischen Werke an der Uni Trier präsentiert. Das "Project Writing" (Schreibprojekt) war Teil eines Anglistik-Seminars unter der Leitung von Dozent Heiko Zimmermann. Unter den Autoren war auch der ehemaliger Stadtschreiber Frank Meyer.

Trier. Mit gespitzten Ohren lauschte das Publikum den jungen Autoren der Lesung an der Trierer Universität. Ein abwechslungsreiches Programm von englischer und deutscher Lyrik und Prosa mit musikalischer Untermalung sorgte für einen Abend voller Spannung, gemeinsamem Lachen, Beifall und Emotionen.
Anglistik-Studentin Anna Weinand (25), eröffnete mit ihren Gedichten "Katze" und "Kleines Glück" die Literatur-Veranstaltung. "Das erste Mal, als ich etwas vor Publikum vorgetragen habe, war in unserem Seminar, aber das war etwas anderes. Das heute war viel öffentlicher." Und um die selbst geschriebenen Texte vor Fremden vorzutragen, gehört Mut dazu. "Ich war ziemlich nervös. Am Anfang war es komisch, aber jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Ich möchte so etwas auf jeden Fall noch mal machen, jetzt habe ich Blut geleckt", erklärt die Hobby-Schreiberin.
Die Ideen für ihre Gedichte findet Anna in allen möglichen Alltagssituationen, dann muss gleich der Stift herausgeholt werden. Seit 13 Jahren schreibt sie in ihrer Freizeit und sagt: "Das Schöne daran ist, dass man Dinge ausdrücken kann, die man sonst nicht sagen würde und dass nicht immer alles Sinn ergeben muss, was man schreibt."
Auch Autoren wie der ehemalige Trierer Stadtschreiber Frank Meyer, Richard Dannenberg und Lisa Szygula teilten ihre Texte mit dem Publikum.
Thriller erscheint dieses Jahr


Autor Daniel P. Schenk (31), Filmemacher aus dem Hunsrück, freute sich sehr über die Einladung zur Lesung. Mit 16 Jahren hatte er seine erste Kurzgeschichten-Sammlung veröffentlicht und zwei Jahre später seinen ersten Roman. In den Jahren 2005 und 2006 brachte er zwei Kurzfilme heraus. Seit 2010 befindet sich sein Thriller "Unnatural" in Planung, der dieses Jahr erscheinen soll. Seine Prosa-Texte füllten das Programm mit einer Prise Science-Fiction.
Seminarteilnehmerin Lilith Garanian (23) brachte mit ihrem Vortrag eines Gedichtes des armenischen Autors Paruyr Sevak eine multikulturelle Note in die Veranstaltung. Sie selbst ist in Armenien geboren und in Deutschland mit zwei Kulturen aufgewachsen. Etwas selbst Verfasstes vorzutragen, traute sie sich noch nicht, aber: "Das Projekt war dazu da, um sich vor Publikum testen zu können. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Auch wenn unser Seminar vorbei ist, wir machen weiter!"
Die Idee für die Veranstaltung hatte Heiko Zimmermann (37) der das Seminar "Spoken word, digital literature and creative writing" an der Uni im Wintersemester leitete. "Ich denke, dass die Studenten durch die Umstellung vom Magister auf das Bachelor/Master-System viel Zeit verloren haben. Früher gab es mehr Zeit, sich selbst zu finden, im Theater oder einer Band zu spielen und solche Dinge selbst zu organisieren. Also dachte ich mir, wieso können wir ein Stück Freizeit nicht einfach ins Studium integrieren? So wie es eigentlich sein sollte."
Begeistert verfolgte der Anglistik-Dozent die Lesung seiner Studenten: "Das Ganze war als Studienleistung gedacht gewesen. Es sollte nur zum Seminarthema passen und die gemeinsame Arbeit an einem Projekt voraussetzen. Meine anderen Seminargruppe hat den Poetry-Slam im Irish Pub im Februar organisiert."
Zimmermann freut sich auf eine Fortsetzung: "Die Gruppe hat das sehr professionell organisiert und alles allein auf die Beine gestellt. Es macht ihnen Spaß." nw