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Frisches Obst und ein paar verirrte Wähler - Eine Rundreise durch den Wahlkreis Trier

Frisches Obst und ein paar verirrte Wähler - Eine Rundreise durch den Wahlkreis Trier

Ein Wahltag-Verlauf wie aus dem Bilderbuch? Um das zu überprüfen, hat sich der Trierische Volksfreund gestern auf eine 150 Kilometer lange Rundreise durch den Wahlkreis Trier begeben.

 Klara Marmann hat es nicht weit ins Wahllokal. Die 92-Jährige wohnt in der Seniorenresidenz St. Joseph in Schweich. TV-Fotos (3): Rainer Neubert
Klara Marmann hat es nicht weit ins Wahllokal. Die 92-Jährige wohnt in der Seniorenresidenz St. Joseph in Schweich. TV-Fotos (3): Rainer Neubert Foto: (h_st )
 Viel los ist in der Grundschule in Trier-Olewig. Hier lernen auch Kinder etwas über die Abläufe einer Bundestagswahl.
Viel los ist in der Grundschule in Trier-Olewig. Hier lernen auch Kinder etwas über die Abläufe einer Bundestagswahl. Foto: (h_st )

Trier hüllt sich am Morgen in Nebel. Was wird der Wahltag bringen? In den Wahllokalen der Stadt ist noch nicht viel los.

8.30 Uhr "Es ist ja noch früh", sagt Michael Weber, der an diesem Vormittag gemeinsam mit vier anderen Bürgern in einem Hörsaal der Universität die Stimmzettel von 690 Wahlberechtigten des Bezirks 4053 entgegennimmt. Im Raum daneben schleppt sich ein sichtlich müder Mann in kurzen Hosen und T-Shirt in den Raum. Auch hier herrscht noch gelassene Erwartung. Zwar hat dieser Wahlbezirk mit der Nummer 4052 sogar 1072 Wahlberechtigte im Verzeichnis. "Fast die Hälfte hat aber bereits per Briefwahl abgestimmt", sagt Gerd Dahm. Der ehemalige Stadtrat und aktuelle Beauftragte der Stadt Trier für behinderte Menschen hat hier den Vorsitz des Wahlkomitees. Die hohe Briefwahlbeteiligung sieht er auch skeptisch: "Es ist schon bedenklich, wenn zur Regel wird, was als Ausnahme gedacht war." Aber natürlich liegt es auch an der hohen Anzahl der Studierenden unter den hier registrierten Stimmberechtigten, die in den Semesterferien die Möglichkeit der Briefwahl bevorzugt haben.

10.30 Uhr Ministerpräsidentin Malu Dreyer geht gemeinsam mit ihrem Mann Klaus Jensen im Schammatdorf in Trier-Süd zur Wahl. Wie zu erwarten, wird sie vor dem Wahllokal von zahlreichen Medienvertretern begrüßt. "Sie sagen, was ich tun soll", fordert sie als Medienprofi die Fotografen kurze Zeit später mit dem ausgefüllten Stimmzettel in der Hand an der Wahlurne auf. "Wählen", lautet die postwendende Antwort.

11 Uhr In Pellingen kämpft die Sonne mit dem Nebel. CDU-Direktkandidat Andreas Steier (Wahlkreis Trier) hat hier sein Heimspiel. Die Wahlbeteiligung ist entsprechend hoch, schon zu dieser Zeit. Ortsbürgermeister Horst Hoffmann: "Vor vier Jahren gab es die Falschmeldung, dass wir eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent haben. Es waren immerhin 80 Prozent. Und diesen Wert werden wir bestimmt in diesem Jahr auch wieder erreichen." Auch Andreas Steier äußert sich optimistisch. "Ich werde meinen Wahlkreis gewinnen", sagt er nach der Stimmabgabe. Das Ergebnis will er am Abend mit Parteifreunden in Trier feiern. Es bleibt lange spannend, aber am Ende holt Steier das Direktmandat gegen SPD-Kandidatin Katarina Barley, die an diesem Tag in Berlin weilt.

12.30 Uhr In den Wahllokalen der Region geht es inzwischen lebhafter zu. In der Grundschule Trier-Olewig hat Multifunktionär Peter Terges traditionell die Verantwortung für einen der beiden Wahlbezirke im Stadtteil. Einen Briefwahlanteil von 40 Prozent hält auch er für ungewöhnlich. Terges ist es wichtig, zukünftige Wähler zu begeistern. So bekommt Gymnasiastin Hana Reichert, 17, die Gelegenheit, sich intensiv über den Ablauf in einem Wahlbüro zu informieren.

14 Uhr Der Nebel hat inzwischen strahlendem Sonnenschein Platz gemacht. Klara Marmann ist eine der älteren Wählerinnen. Die 92-Jährige gibt im Wahllokal im Seniorenheim St. Joseph in Schweich ihre Stimme ab. "Zu wählen ist für mich eine Selbstverständlichkeit", sagt die Dame, die von ihrem Sohn Bernhard begleitet wird.
In Schweich liegt die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt bei etwa 60 Prozent. "Es ist ständig Betrieb", sagt Wahlbezirksvorsitzender Michael Farsch. Wolfgang Deutsch, der Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, empfängt am Rathaus derweil die ersten Wahlvorstände für die Briefwahl. Gemeinsam mit einem Kollegen ist er den dritten Tag in Folge fast ausschließlich mit der Organisation der vier Wahlbüros beschäftigt. "Es gab überhaupt keine Probleme", sagt Deutsch. Allerdings sei es nicht nachvollziehbar, dass viele Bürger ihre Briefwahlunterlagen am Wahltag im Wahlbüro abgeben.

15 Uhr Im Johanneshaus in Hermeskeil ist es zu dieser Zeit eher ruhig. "Heute früh war der Besuch gut", sagt Wahlbürovorsitzender Christian Kruchten. "Aber es wird nach der Kaffeezeit sicher wieder mehr." 1064 Wahlberechtigte sind hier registriert.
Auch im Hochwald liegt der Anteil der Briefwähler über 30 Prozent. Wer im Mehrgenerationenhaus seine Stimme abgibt, darf sich zur Belohnung aus dem Obstkorb bedienen, den Kruchten aufgestellt hat. "Vor allem ist das Obst natürlich für die jungen Wahlhelfer in meinem Team gedacht."

16.30 Uhr Das seit dem frühen Nachmittag wunderbare Wetter nutzen viele Menschen zu Spaziergängen. In der Stadthalle Saarburg, in der sich zwei der acht Wahllokale der Stadt befinden, ist auch deshalb der Andrang am Nachmittag überschaubar. "Heute Vormittag nach der Kirche war deutlich mehr los", sagt Bernhard Hemmerling, einer der Wahlvorsitzenden. Alles sei sehr ruhig und ohne Auffälligkeiten verlaufen. Die Wahlbeteiligung liegt zu dieser Zeit bei etwa 60 Prozent.

17.30 Uhr Daniela Stellwagen aus Konz wählt zum ersten Mal. "Ich wollte jetzt einfach mal selbst wählen", sagt die 20-Jährige. Weil in Konz aber auch der Stadtbürgermeister und der Chef der Verbandsgemeinde neu zu bestimmen sind, dauert der Wahlgang in der größten Stadt des Kreises etwas länger als im Rest des Kreisgebiets. Im Wahllokal im Rathaus Konz sind die ehrenamtlichen Helfer zufrieden. "Wir haben eine sehr hohe Wahlbeteiligung", ist Thomas Peifer optimistisch, als eine halbe Stunde vor dem Schließen der Wahllokale die Anzahl der Wähler noch einmal zunimmt. Rudolf Mayer betont, es sei besonders auffällig, wie viele junge Menschen dieses Mal zur Stimmenabgabe gekommen seien. Die Wahlhelfer im Konzer Rathaus bedauern allerdings, dass sie außergewöhnlich viele Stimmberechtigte in ein anderes Wahllokal schicken müssen. "Die Leute haben einfach nicht auf den Hinweis auf der Wahlbenachrichtigung geschaut", sagt Katharina Zimmer. "Es ist natürlich ärgerlich, wenn jemand nach Pellingen zurückgeschickt werden muss."

18 Uhr Die Wahllokale schließen. Alle ehrenamtlichen Helfer sind nun noch einmal gefragt. Die Auszählung der Stimmen erfordert Tempo und Genauigkeit.