Frisieren auf französisch

Voneinander lernen - das ist das Ziel eine Austausches zwischen Friseur-Lehrlingen aus Deutschland und Frankreich. Die jungen Leute entdecken dabei manche Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede.

Trier. Eine Frisierpuppe hat schon Wickler in den Haaren. Die übrigen acht werden noch gekämmt, um anschließend die Ponypartie für den ersten Wickler abzuteilen. Hinter den acht Puppen stehen acht Französinnen. Sie alle sind Austauschlehrlinge aus Bourges in der Region Val de Loire. Den Austausch hat das Ausbildungszentrum CFA zusammen mit der Handwerkskammer Trier organisiert. Friseurmeisterin Jacqueline Lua zeigt an ihrer Puppe, wie in Deutschland Hochsteckfrisuren gemacht werden. Denn Techniken unterscheiden sich in beiden Ländern durchaus. Das hat auch Lehrling Cassandra (22) festgestellt: "Man tut das Gleiche, setzt es aber mit einer anderen Technik um", erklärt sie. Jacqueline Lua ergänzt: "Ich glaube, in Frankreich wird mehr nach Gefühl gearbeitet." Überrascht haben Cassandra aber auch die Haare der Deutschen. Ein in Orange gefärbter Schopf begegne ihr in Frankreich kaum, schon gar nicht an einer Friseurin. Denn die Betriebe legten Wert auf einen klassischen Look. Auch die meisten Kundinnen wünschten sich einen klassischen Schnitt. Cassandra bedauert die französischen Vorlieben ein wenig. Sie würde gerne mehr mit ihren langen braunen Haaren experimentieren. Überhaupt gibt es einige Unterschiede zwischen der Ausbildung in Frankreich und der in Deutschland. So dauert die reguläre Friseurausbildung in Frankreich zwei Jahre. Wer auf die mittlere Führungsebene aufsteigen möchte, hängt noch zwei Jahre dran. In Deutschland dauert die Ausbildung drei Jahre. Anschließend besteht die Möglichkeit, einen Meisterbrief zu erwerben.
Den jungen Friseurinnen gefällt es sehr gut in Deutschland. "Bis jetzt wurden wir überall herzlich empfangen", sagt Cassandra. Trier bezeichnet sie als quirlig und farbenfroh. Auch Léa (18) hat nach der Stadtführung festgestellt: "Ich hätte nicht gedacht, dass Deutschland so schön ist." Am Tag zuvor wurde die Gruppe durch den Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe empfangen, was sie als sehr herzlich empfand. Ausbildungsberater Karl-Heinz Schwall organisiert und begleitet im Namen der Handwerkskammer Trier mehrere Austauschprojekte. Für ihn sind Projekte wie dieses auch politisch von großer Bedeutung. "Frankreich und Deutschland sind die Zugpferde Europas", sagt er. "Wir stehen in der Verantwortung und dürfen nicht aufhören, solche grenzüberschreitenden Maßnahmen anzubieten."
In der Region Val de Loire, zu der Bourges gehört, liegt die Arbeitslosigkeit bei 13 Prozent, erzählt Jesica Quindroit, die den Austausch in Frankreich organisiert. Der Austausch soll die Lehrlinge auch auf eine mögliche Tätigkeit in Deutschland vorbereiten. Die deutschen Friseurbetriebe seien sehr begeistert von den französischen Lehrlingen, sagt Karl-Heinz Schwall. Das Problem seien einfach die Sprachbarrieren. Das sieht auch Dominique Lestrelin so, Ausbilderin in Theorie und Begleiterin der Gruppe aus Frankreich. Sie nimmt in ihrem Land eine abnehmende Vermittlung des Deutschen wahr. Die Austauschmaßnahmen sieht Karl-Heinz Schwall als "Chance, Barrieren und Vorurteile abzubauen".