Früchte der Freundschaft

Vor genau zehn Jahren endete die französische Besatzung Triers. Insgesamt mehr als eine halbe Million Soldaten und Angehörige hatten seit 1945 in der Stadt gelebt. Viele Hundert von ihnen, vielleicht sogar Tausende, wollen 2011 wiederkommen. Veteranen-Präsident Alain Giletta (60) plant ein großes Ehemaligentreffen.

Trier. Alain Giletta aus Caumont-sur-Durance, einem Vorort von Avignon (Südfrankreich), leistete 1970 seinen Militärdienst in der Trierer Kaserne "Casablanca" (Dasbachstraße) ab. Deutschlands älteste Stadt übte auf den jungen Soldaten eine nachhaltige Faszination aus. Immer wieder zog es ihn dorthin, immer intensiver beschäftigte er sich mit der Geschichte der französischen Besatzung. Seit 2003 arbeitet Giletta, inzwischen zum Regional-Präsidenten des Veteranenverbandes ehemals in Deutschland und Österreich stationierter französischer Soldaten avanciert, an seinem Buch "Geschichte der französischen Präsenz in Trier 1919 bis 1930 und 1945 bis 1999". Das soll im Herbst erscheinen. Das nächste Großprojekt hat Giletta bereits vor Augen: 2011 will er möglichst viele "Ehemalige" wieder in Trèves (Triers französischer Name) zusammentrommeln. Die Zielgruppe ist enorm groß: Insgesamt mehr als eine halbe Million Franzosen - Soldaten, Familienangehörige, Zivilbeschäftigte - lebten in der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Trier, schätzt Hansjürgen Cornelius (65), Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft Trier. Als die letzten Trikoloren 1999 in der einstmals nach Paris zweitgrößten Garnison eingeholt wurden, blieben 300 Hektar Konversionsgebiet zurück. Die ehemaligen Besatzer gingen als Freunde, und die Freundschaft lebt noch heute fort. Ein gutes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit Gilettas mit Heimatforscher Adolf Welter (74). Auf dessen themenverwandtes Buch "Trier in der Besatzungszeit 1919 bis 1930" (1992 erschienen und vergriffen) stieß Giletta zu Beginn seiner Recherchen und nahm Kontakt mit dem Trier-Eurener auf. "Ich unterstütze ihn nun seit Jahren auf vielfache Weise bei seinen Forschungen", freut sich Welter über den "Beitrag, den ich so zur Völkerverständigung leisten kann". Aber auch zur Stadtgeschichte. Die französische Besatzung nach 1945 ist ein weitgehend unerforschtes Kapitel: "Ehrensache, dass ich Alain Giletta helfe, wo ich nur kann."

Welter hilft Giletta und Giletta hilft Welter



Welter stellte aus seinem eigenen Archiv Fotos und Unterlagen zur Verfügung, führte Giletta durch verwaiste Kasernen oder zeigte, was aus ehemaligen Militär-Liegenschaften geworden ist - zum Beispiel das Landesgartenschau-Areal auf dem Petrisberg, auf dem ein ganz neuer Stadtteil entstand. Der Franzose bedankte sich seinerseits mit zahlreichen Informationen und Dokumenten, darunter dem Tagebuch von Jean-Louis Morvan (1920 bis 2006) aus dessen Zeit als französischer Kriegsgefangener auf dem Trierer Petrisberg und als Helfer bei einer Traben-Trarbacher Winzerfamilie. Dieses Tagebuch hat Welter inzwischen dem Mittelmosel-Museum in Traben-Trarbach überlassen und auszugsweise in seinem jüngsten, zweigeteilten Buch "Franz Idzior" (2008; noch im Buchhandel erhältlich) verwendet. Morvan wurde nach 1945 katholischer Priester und stattete Trier und Traben-Trarbach viele Besuche ab. 1980 ehrte ihr Frankreich mit einem hohen Orden - für seine großen Verdienste um die Völkerverständigung.