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Früh fördern, gut entwickeln

Früh fördern, gut entwickeln

TRIER. Seit einem Vierteljahrhundert gibt es die "Kinderfrühförderung und Elternberatung" in Trier. Im Jahr 1990 kam das Sozialpädiatrische Zentrum dazu. Damit deckt die Einrichtung in der Luxemburger Straße ein breites medizinisch-psychologisch-pädagogisches Spektrum bei der Behandlung kranker Kinder ab.

Schnecke, Blume, Telefon, Elefant, Schneemann, Gabel. Was davon gehört zusammen? "Schneemann ist wie Schnecke", sagt Pascal. "Richtig!", lobt Sprechtrainerin Ute Theisen. Das "Sch", mit dem beide Wörter anfangen, ist für Pascal weder leicht zu hören noch zu sprechen. Der Siebenjährige hat eine mehrfache Entwicklungsstörung. Im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) Trier wird er ganzheitlich behandelt. Logopädische, ergotherapeutische und heilpädagogische Stunden stehen auf dem ausgeklügelten Therapieplan, der nach einer interdisziplinären Diagnostik im SPZ erstellt wurde. "Als größtes SPZ in Rheinland-Pfalz vereinen wir Diagnostik, Therapie und Elternberatung unter einem Dach", erklärt Hans Tilly, Diplom-Pädagoge und seit einem Vierteljahrhundert Leiter der Einrichtung. "Viele kommen leider erst sehr spät"

Kinder mit körperlichen, psychiatrischen, seelischen und psychischen Störungen - meistens in Kombination - werden im SPZ behandelt. Sprachprobleme oder Feinmotorikstörungen, gestörtes Sozialverhalten, Seh- und Hörschwächen, Autismus, Spastiken und Lähmungen gehören zum Spektrum. Auch die Eltern, für die die Behinderung ihres Kindes häufig eine große Belastung ist, werden beraten und unterstützt. "Viele kommen nicht früh genug zu uns", klagt Doktor Marie-Luise Ipach. Der leitenden Ärztin des SPZ liegt eines ganz besonders am Herzen: "Betroffene Kinder fallen eigentlich schon im sechsten Lebensmonat auf, hierher kommen sie leider häufig erst im Kindergartenalter oder später. Dabei ist der Entwicklungsverlauf umso besser, je früher mit der Therapie begonnen wird!" So wie bei einem Patienten aus Wittlich: "Der Junge kam mit zwei Jahren zu uns und war damals weit in seiner Entwicklung zurück", erzählt Psychologin Martina Walther-Schuppe. "Wir haben hier mit ihm gearbeitet, und als er eingeschult wurde, waren seine kognitiven Fähigkeiten im Vergleich zu seinen Altersgenossen sogar überdurchschnittlich." Haben Eltern den Verdacht, mit ihrem Kind könne etwas "nicht stimmen", kann der Kinderarzt und jeder Haus- oder Facharzt eine Überweisung ans SPZ ausstellen. "Wir bitten die Eltern, vorab einen Fragebogen auszufüllen", erklärt Tilly. "Wichtig ist, zu wissen wie Schwangerschaft, Geburt und bisherige Entwicklung verlaufen sind, ob bestimmte Beschwerden wir Kopf- oder Bauchschmerzen häufig auftreten oder ob es in der Eltern- oder Großelterngeneration Auffälligkeiten gab", sagt Ipach. "Das Kind wird bei uns in seiner Gesamtheit gesehen - mit seinen sozialen Bezügen und seiner eigenen Persönlichkeit", betont Tilly.Fünf Außenstellen in der Region

Eine ausführliche medizinisch-psychiatrisch-psychologische Diagnose mit Labortests und ein passender Therapieplan schließen sich an. Sieben Fachärzte, drei Psychologen, fünf Pädagogen, zwei Sozialarbeiter, vier Physiotherapeuten, sechs Ergotherapeutinnen und drei Logopädinnen ziehen dafür im SPZ fest angestellt. Knapp 40 verschiedene Diagnose- und Therapieräume - darunter zwei größere Turnhallen - stehen in dem 1800 Quadratmeter großen Gebäude in der Luxemburger Straße zur Verfügung. Dazu kommen fünf Außenstellen in der Region. "Diese komplexe, vielschichtige Diagnostik und wohnortnahe Therapie aus einem Guss ist unser Alleinstellungsmerkmal", betont Tilly. Die Kosten für die medizinisch-therapeutischen Maßnahmen übernehmen die Krankenkassen, die pädagogisch-psychologisch-soziale Behandlung die Sozial- und Jugendämter. Das Land zahlt einen Zuschuss, um Finanzierungslücken abzudecken. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 1300 Kinder im Sozialpädiatrischen Zentrum Trier behandelt, davon 370 erstmalig. "Viele kommen über Jahre hinweg, andere können auf einen altersgerechten Entwicklungsstand gebracht werden", sagt Tilly. "Und einige kommen soweit, dass sie unsere Hilfe nicht mehr brauchen."