Früher Feierabend

TRIER-NORD. (chj) Viele Rapper vor wenig Publikum für einen guten Zweck: Trierer und überregionale Musiker machten am vergangenen Freitag im Exhaus "Rap gegen rechts".

Das Festival stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Gewiss konnte man bei der Terminierung vor wenigen Monaten nicht ahnen, dass die deutsche Nationalmannschaft an diesem Tage das Viertelfinale bestreiten und sogar gewinnen wird, doch gelten alternative Veranstaltungen an WM-Spieltagen gemeinhin selten als Publikumsmagneten. Anders verhält es sich leider auch nicht bei dem thematisch begrüßenswerten Festival "Rap gegen rechts", das von der Jugendpflege der Stadt und dem "Arbeitskreis gegen rechts" gefördert wird. Knapp fünfzig Baseballkappenträger oder zumindest -besitzer haben sich zum Kopfnicken, Winken und Toleranzbekunden im schwülen Balkensaal eingefunden. So wie viele Deutsche an diesem Abend sind auch das junge Publikum und die Rapper in Feierlaune. Die aus Trier stammenden Sprechmusiker von "Wosko MC", "Edit the Sad Parts" und "ANT Crew" geben sich die Klinke beziehungsweise die Mikros in die Hand. Die Kürze der Auftritte lässt über gelegentlich aufkommenden Pathos in den Texten ("Wir leben am Fuße Babylons") hinwegsehen. Die beiden MCs von "Kane" aus Koblenz geben sich natürlich, rappen zu rauen Beats und haben auch zwischen den Stücken mehr zu sagen als "Trier", "Yo, Yo" oder "Macht mal Lärm". Der Hamburger "Pat Cash" ramentert wie auf dem Fischmarkt und sorgt unter dem Dach des Exhauses für eine Stimmung, die der nach dem Elfmeterschießen gegen Argentinien nicht unähnlich ist. Die Schnellsprecher "Krazee & Fontaine" aus Wittlich und der Trierer "Jay Mo" halten selbst in der zweiten und dritten Stunde nach Konzertbeginn die paar Dutzend Besucher noch bei Laune. Diese kippt allerdings, als bekannt gegeben wird, dass sich der Auftritt der Headliner "Serk & She Raw" um 30 Minuten verzögere. Viele treten - nichts ahnend, dass sie bereits das Ende erlebt haben - den Heimweg an. Schließlich hatte es sich die Berliner Formation anders überlegt und trat nicht mehr auf. Drei Stunden Wippen, Nicken und Hüpfen waren genug.

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