Frühjahrsputz in der römischen Villa

Frühjahrsputz in der römischen Villa

Dem Hausherren der römischen Palastvilla hätte die Putzkolonne gewiss gut gefallen! Da hätten sich seine einstigen Haussklaven vor 1700 Jahren vielleicht noch eine Scheibe von abschneiden können: vom Arbeitseifer derjenigen, die am Samstag gekommen sind, um den einstigen prächtigen Landsitz auf Vordermann zu bringen.

Longuich. Mit Besen, Schrubbern, Rechen, Eimern und diversen anderen Reinigungsutensilien haben sich die vielen Helfer ausstaffiert, um die einstige römische Palastvilla bei Longuich in Schuss zu bringen. Da wienern und fegen die Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder und Victoria Welsch die rekonstruierte römische Latrine. Das Örtchen, auf dem der römische Hausherr zu Lebzeiten seine Geschäfte zu machen pflegte. Da jäten Mechthild Schlöder, Christl Theisen und Maria Hübner vom Gartentrupp das Unkraut im kleinen römischen Garten (hortus) vor der Villa.
Eine emsige Helferin fegt den Heißbadesaal (caldarium), eine andere säubert die römische Fußbodenheizung, während zwei vom Kanalreinigungstrupp die Abwasserkanäle vom Dreck und Schmutz des Winters befreien.
Mehrere Tausend Besucher


Was verbindet die Helfer und Helferinnen? Sie alle sind im Arbeitskreis Heimat und Geschichte des Heimat- und Verkehrsvereins e.V. Longuich-Kirsch aktiv. Ihr Ziel ist es, den mehreren Tausend Besuchern im Jahr das touristische Highlight proper präsentieren zu können. Das gilt auch für die öffentlichen Führungen, die von Mai bis Oktober immer sonntags um 10.30 Uhr stattfinden. Einige der Emsigen sind Winzer und haben auch Übernachtungsgäste. Christl Theisen vom Gartentrupp erzählt: "Mit meinen Gästen vom Weingut Franziskus-Hof komme ich auch öfter hierher zu einem Umtrunk an der Villa. Die Besucher sollen dann auch die herrliche Lage in den Weinbergen hoch über Longuich ungetrübt genießen können."
Hausherr war reicher Beamter


Und die hat wohl auch schon der Hausherr, ein reicher Beamter aus Augusta Treverorum (Trier), vor 1700 Jahren in Muße genießen wollen. Sein standesgemäßer Altersruhesitz gehörte im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus zum einstigen "langen Dorf" (longus vicus), aus dem später der Ortsname Longuich wurde.
Die stadtnahe "villa urbana" hatte damals erstaunliche Ausmaße. Sie gehörte mit 110 Metern Länge zu den größten Palastvillen an der Mosel.
In den 1980er Jahren wurde ein kleiner Teil davon rekonstruiert: der östliche Badetrakt und der Portikus (Säulengang).
"Hier und auf dem Gelände werden dann auch die Gäste des römischen Villenfestes am 11./12. Juni empfangen", führt Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder aus. Mit einem römischem Theaterstück am Samstagabend, Führungen und römischen Kinderspielen nach dem Freiluftgottesdienst am Sonntag.
Und damit dann zum römischen Villenfest auch alles blitzt und blinkt, dafür haben die emsigen Helfer des Heimat- und Verkehrsvereins mit ihrem Frühjahrsputz gesorgt.
Gewiss hätte der römische Hausherr vor 1700 Jahren seine Freunde an ihnen gehabt.Extra

Programm zum Vormerken: 11./12. Juni Villenfest an der römischen Villa Longuich: Samstag, 11. Juni, 19 Uhr: "Casina"- Römisches Komödientheater Hillscheid, Eintritt frei. Es werden ein Imbiss und Getränke geboten. Sonntag, 12. Juni, 10.30 Uhr: Freilichtgottesdienst an der Villa, anschließend Führungen durch die Villa, römische Kinderspiele, Unterhaltungsprogramm: Moselländische Blasmusik vom Musikverein Longuich, Essen und Trinken. 15 Uhr: Band Fireworkers sj

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