Bahnverkehr: Frust bei Trierer Anwohnern: Lärmschutz nur dort, wo ihn keiner braucht

Bahnverkehr : Frust bei Trierer Anwohnern: Lärmschutz nur dort, wo ihn keiner braucht

Es bleibt dabei: Die beiden neuen Regionalbahnlinien sollen ab Ende 2021 auf der Weststrecke fahren. Das Lärmgutachten für das Planverfahren sorgt aber für Frust bei den Anwohnern. 

Am Westufer der Römerbrücke rücken demnächst die Bagger an. Dann wird das Gebäude abgerissen, in dem einst ein Teppichladen und zuletzt das Stadtteilbüro untergebracht waren. Es werden die sichtbaren Zeichen für die komplette Neugestaltung dieses Bereichs sein, der auch den wichtigen Haltepunkt der reaktivierten Weststrecke erschließen wird. Doch um die ist es zuletzt ruhig geworden, auch wenn nächtliche Güterzüge die Anwohner an den alten Bahngleisen aus dem Schlaf gerissen haben.

VERZÖGERUNG „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die beiden neuen Regionalbahnlinien im Dezember 2021 ihren Betrieb aufnehmen werden“, sagt Thomas Geyer, Chef des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord auf Nachfrage. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zur Reaktivierung der Strecke für den Personennahverkehr lägen nach der fachlichen Vorprüfung durch das Eisenbahnbundesamt seit einigen Tagen beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Koblenz vor. Sobald einige Rückfragen geklärt sind, soll die Offenlage des Planungswerks geschehen. Behörden, Verbände und Anwohner können sich dann dazu äußern.

Möglich sein sollte das bereits vor mehr als einem halben Jahr. Aber die Diskussion um Bahnsteighöhen (der TV berichtete mehrfach) lähmte den geplanten Fortgang des Genehmigungsverfahrens. „Für uns ist das unbefriedigend“, macht Geyer seinem Ärger Luft. „Jeder Tag, den wir verstreichen lassen, ist für die Inbetriebnahme der Strecke ein relevanter Tag.“ Gerüchten, der Start würde sich noch einmal um ein Jahr verschieben, widerspricht er allerdings.

Gueterbahnverkehr_auf_der_Weststrecke_Trier. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Bei der Stadtverwaltung Trier wird das mit Erleichterung aufgenommen. „Wir freuen uns, wenn es in Sachen Planfeststellungsverfahren Weststrecke vorangeht“, sagt Pressesprecher Ernst Mettlach. „Mit den Maßnahmen zur Gestaltung des Umfelds der geplanten Haltepunkte liegen wir im Zeitplan. Viele Einzelheiten, wie zum Beispiel die Zuwegung, können natürlich erst endgültig festgestellt werden, wenn der jeweilige Haltepunkt fertiggestellt ist.“

LÄRMSCHUTZ Zuständig für die neuen Stationen an der Kaiser-Wilhelm-Brücke, der Römebrücke, in Trier-Euren und Trier-Zewen, den neuen Außenbahnsteig am Kreuz Konz und den Ersatz für den Bahnhof Ehrang in der Hafenstraße ist die Deutsche Bahn. Von der wünschen sich die Anwohner der Strecke auch mehr Lärmschutz.

Den wird es aber nach dem derzeitigen Stand der Dinge nicht geben. Darauf lässt die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage von Michael Frisch (AfD) schließen. Demnach hat das Schallgutachten ergeben, dass Schallschutzwände lediglich auf eine Länge von 1,56 Kilometer im Bereich der Einfädelung der Weststrecke auf die Moselstrecke vorgesehen sind. Diese Gleisspange wird neu gebaut, weshalb dafür strenge Richtlinien gelten.

An der bestehenden Strecke, an der die Bahn schon in den vergangenen Jahren nichts in den Lärmschutz investiert hat, ist für das Gutachten lediglich relevant, ob der Verkehrslärm durch die (leisen) Personenzüge erheblich zunehmen wird. Dass an der 1,5 Kilometer langen Neubaustrecke kaum Menschen wohnen, spielt keine Rolle. Hier werden Hunderttausende Euro für den Lärmschutz investiert.

Nicht nur bei den streitbaren Anliegern wird das auf heftigen Protest stoßen, zumal sie in den vergangenen Monaten immer wieder unter dem Lärm der Güterzüge leiden mussten, die bei Bauarbeiten auf der Hauptstrecke über die Westtrasse umgeleitet wurden.

Wie viel Güterverkehr tatsächlich in den vergangenen acht Jahren im Durchschnitt täglich auf der Weststrecke bei Tag und bei Nacht unterwegs war, zeigt ebenfalls die Antwort der Landesregiung auf die Frisch-Anfrage (siehe Grafik).

PROTEST Der streibare Politikwissenschaftler und Weststreckenanwohner Wolfgang Lorig will der offiziellen Einschätzung der Deutschen Bahn nicht folgen.

Demnach ist auf der Luxemburgstrecke bis zum Jahr 2030 nur mit einer geringfügigen Steigerung zu rechnen. Lorig ist überzeugt: „Bei der Weststrecke handelt es sich um eine Güterverkehrstraße, die als ÖPNV-Verbindung positiv gelabelt worden ist.“

Im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts der Technischen Universität Kaiserslautern will er das Westtrassenprojekt noch einmal umfassend thematisieren – als Beispiel, wie ein Infrastrukturprojekt in benachteiligten Stadtteilen nicht gehandhabt werden darf.

Foto: Rainer Neubert

Störungen durch viel Zuglärm muss er zumindest bei der Heimarbeit in den kommenden Wochen nicht befürchten. Wegen Sanierungsarbeiten an der Bahnbrücke bei Koblenz fahren derzeit keine Fernzüge über diese Strecke.

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