Fuchsfamilie wird mitten in Riol heimisch - Familie Rothe duldet die Tiere in ihrem Garten

Fuchsfamilie wird mitten in Riol heimisch - Familie Rothe duldet die Tiere in ihrem Garten

Ein Schuhe klauender Fuchs hat vor sechs Jahren in Föhren für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat sich eine Fuchsfamilie in einem Garten in Riol (Kreis Trier-Saarburg) einquartiert. Obwohl auch hier schon einige Schuhe nebst Katzen- und Igelfutter abhanden kamen, wollen die Grundstücksbesitzer die Tiere weiter dulden.

Diese Aufnahmen von Füchsen im Garten ihrer Großmutter sind Paulina Rothe gelungen. Der Bau, der sich unter einer Garage befindet, hat zwei Zugänge. Foto: Privat.

Was macht eine Fuchsfamilie mitten in Riol? Das wird sich auch die Familie Rothe gefragt haben, als sie vor einigen Wochen zum ersten Mal Füchse in ihrem Garten beobachtete. "Die kamen am helllichten Tag und waren zutraulich", sagt Margot Rothe. Einige Tage später hatte die Riolerin dann auch Gewissheit, dass Meister Reineke nicht nur mal eben vorbeistreunte, um am Katzenfutter zu naschen oder in den Gartenabfällen zu stöbern. Nein, der schön angelegte Garten in der Straße Im Märsch war Fuchsens neues Zuhause. Rüde, Fähe und fünf Junge hatten sich an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn unter einer Garage eingenistet.

Man muss schon genau hingucken, um die beiden Eingänge des Fuchsbaus unter einem Holzunterstand zu entdecken. In einem Eingang liegt ein Schuh. "Meine Enkelinnen und ich haben die Löcher mit Holz zugedeckt", berichtet Morgot Rothe, "doch am nächsten Morgen waren die Hölzer weg." Schon seit Jahren halte sich ein Fuchs in der Gegend auf. Das bestätigt Nachbar Manfred Lentes. Er hat beobachtet, dass Füchse sich gerne am Katzenfutter bedienen; ebenso an Walnüssen, die er für Igel ausgelegt hat. Offensichtlich hat einer der Füchse, die unter der Garage leben, auch ein Faible für Schuhe. Lentes: "Einmal habe ich gesehen, wie ein Fuchs einen Schuh gebracht hat und einen anderen mitgenommen hat." So eine Sammelwut wie der Föhrener Fuchs, der Dutzende Schuhe von Terrassen aus dem Dorf in seinen Bau im Wald verschleppt hat, legen die Tiere in Riol allerdings nicht an den Tag.

"Füchse sammeln halt gerne", weiß der Rioler Förster Rainer Müller. Er meint, dass der Rüde, der mit seiner Familie in Rothes Garten eingezogen ist, ein Jungfuchs ist. Vielleicht einer, der ausgestoßen wurde und sich etwas Neues suchen musste. Müller: "Die haben gesehen, hier geht es uns gut und hier gibt es eine trockene Wohnung, hier bleiben wir." Ein erfahrenes Tier bevorzuge eher einen Altbau im Wald als einen Garten. Als "Kulturfolger" habe auch der Fuchs schnell gelernt, dass er bei den Menschen satt werde, ohne groß zu jagen.

In manchen Städten sei die Fuchspopulation höher als in ländlichen Gegenden, weiß der Förster. So auch in London, wo man Füchse neuerdings mit Lebendfallen oder mit Ködern jage.

Weil die Familie Rothe die Fuchsfamilie duldet, sieht Rainer Müller dort keinen Handlungsbedarf. Die Tollwut gelte in Europa als ausgestorben. Wenn eine Gefahr von Füchsen für den Menschen ausgehe, dann als Überträger des Fuchsbandwurms. Jeder zehnte Fuchs trägt die Eier in sich. Sie werden über den Kot ausgeschieden. Während Füchse und Hunde als Zwischenwirt nicht erkranken, kann der Fuchsbandwurm für den Menschen lebensbedrohlich sein. Er wird eingeatmet und befällt die Leber.

Wer wie die Rothes Füchse im Garten habe, könne auf Nummer Sicher gehen, indem er die Tiere entwurme, so wie bei Hunden. Dafür gebe es Paste oder Tabletten. Förster Müller: "In Wurst eingewickelt, fressen die Füchse das bestimmt." Wer sie nicht bei sich haben wolle, solle sie mit Wasser vertreiben. "Eine geflutete Wohnstube können sie überhaupt nicht leiden."

Extra Schuhdieb

Im Frühjahr 2009 verschwanden auf mysteriöse Weise Schuhe aus einem Wohnviertel in Föhren. Es dauerte einige Zeit, bis der Zufallsfund eines Försters Licht ins Dunkel brachte: Ein Fuchs hatte mehr als 120 Schuhe in seinen Bau im Meulenwald verschleppt. Von Laufschuhen über Wanderschuhe, Schlappen und Gummistiefel bis hin zum Sicherheitsschuh mit Stahlkappe war alles dabei. Dorfbewohner konnten bei einem von der Grafenfamilie Kesselstatt organisierten Schuhbasar ihre Treter wieder abholen. alf