Fuchsjagd am Abendhimmel über der Eifel

Fuchsjagd am Abendhimmel über der Eifel

TRIER. Alljährlich wird Trier zum Mekka der Ballonfahrer. Interessierte können das Geschehen nicht nur vom Boden aus verfolgen, sondern auch selbst die Gelegenheit nutzen, die Region einmal aus der Vogelperspektive zu erleben.

Claude Kraft macht seinen Ballon startklar. Der Gasbrenner faucht und bläst heiße Luft in die Hülle, die sich zu voller Größe aufrichtet. Dann kommt im Laufschritt Ralf Rinke hinzu und klettert in den Korb. Gerade erst hat er sich entschlossen, einen der letzten Plätze zu ergattern, jetzt steigt der Ballon auch schon in den Abendhimmel.Das eigene Haus aus der Vogelperspektive

In diesem Jahr sind insgesamt es etwa 40 Teams aus ganz Deutschland und den Nachbarländern zur "Ballon-Fiesta" auf den Petrisberg gekommen. Rechtzeitig hat der Wind sich etwas gelegt. Maximal bei Stärke 3 kann noch gestartet werden, entweder am frühen Morgen oder gegen Abend, dann ist die Thermik optimal. Heute steht eine Fuchsjagd auf dem Programm. Ein Ballon, der so genannte Fuchs, fliegt vorweg und platziert bei der Landung ein Zielkreuz. Die anderen Piloten müssen folgen und möglichst nahe diesen Punkt ansteuern. Für Ralf Rinke jedoch ist es vor allem ein Abenteuer, denn er fährt zum ersten Mal mit dem Ballon. "Dort, wo der Bus steht, da wohne ich", sagt der Ehranger und deutet nach unten. Der Wind treibt den Ballon über die Mosel in Richtung Meulenwald. Auch bei einer Geschwindigkeit von 21 Knoten, immerhin fast 40 km/h, ist kein Schaukeln, kein Fahrtwind zu spüren, und nur das Geräusch des Brenners durchbricht die Stille. "Wir sind jetzt 1060 Meter über dem Meeresspiegel", liest Claude Kraft von seinem Höhenmesser ab. Viel lieber aber schwebt er "drei bis vier Meter über den Dächern." Die Flughöhe kann der Luxemburger über die Temperatur im Inneren der Hülle regulieren - je stärker die Luft erhitzt wird, umso mehr steigt der Ballon. Der Kurs wird dagegen allein vom Wind bestimmt. Nur durch das Ausnutzen unterschiedlicher Strömungen in den einzelnen Luftschichten kann der Pilot Einfluss auf die Richtung nehmen. Als das Gelände schließlich flacher wird, kann der Ballon langsam absinken. Nicht nur die Menschen winken von unten herauf, auch die Kühe auf den Weiden recken ihre Köpfe nach oben. Gefährlich sei der Ballonsport "eigentlich nicht", sagt Claude Kraft, der auch schon die Alpen überquert hat. Wenn es zu Unfällen kommt, dann hauptsächlich durch menschliches Versagen und mangelnde Vorsicht. Ein französischer Bekannter jedoch ist im Gebirge tödlich verunglückt. Das aber erzählt der Pilot erst, als er längst wieder sicher gelandet ist.Endstation: Wiese bei Niersbach

Auf einer Wiese in einer Mulde bei Niersbach (zwischen Speicher und Wittlich) hat der Korb sanft aufgesetzt. "Bremsen kann man nur durch Kontakt mit dem Boden", erklärt Kraft. In geschützten Lagen, wo kein Wind weht, gelingt dies am besten. Kurze Zeit später erscheint auch schon das Begleitfahrzeug, das den Ballon am Boden verfolgt hat. Schnell ist die Hülle zusammen gefaltet, der Korb auf dem Anhänger verstaut. Den Fuchs hatte der Pilot längst aus den Augen verloren, doch das interessiert im Moment niemanden. Ralf Rinke gerät ins Philosophieren. Er will sein Leben bewusst leben, sagt er, jeden Tag etwas Gutes, etwas Schönes tun. Heute hat er sich seinen Traum vom Fliegen erfüllt.

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