Justiz Kuriose Schummelei bei theoretischer Fahrprüfung

Trier/Konz · Vor dem Amtsgericht Trier musste sich am Donnerstag ein 30-jähriger Nigerianer verantworten. Laut Anklage soll er einen Bekannten zur theoretischen Fahrprüfung geschickt haben. So amüsant es klingen mag, der Fall birgt ein tragisches Element.

Führerscheinprüfung: Kuriose Schummelei landet vor Gericht
Foto: dpa/Stefan Puchner

Die theoretische Führerscheinprüfung ist wohl eine der unangenehmsten Hürden auf dem Weg zur Fahrerlaubnis, direkt nach der Mund-zu-Mund-Beatmung beim Erste-Hilfe-Kurs. Da wäre es doch nicht schlecht, wenn jemand anderes die Prüfung für einen selbst ablegen könnte. Selbiges dachte sich wohl auch ein 30-jähriger Nigerianer aus dem Kreis Trier und schickte kurzerhand einen Bekannten mit seinem Personalausweis zum TÜV. Der Plan flog jedoch auf und so mussten sich die Beiden vor dem Amtsgericht Trier wegen des Missbrauchs von Ausweispapieren verantworten. Nachdem der unechte Fahrschüler bereits zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, begann am Donnerstag die Verhandlung gegen den Drahtzieher der Schummelei.

Da der Angeklagte kein Deutsch spricht, war neben seiner Verteidigerin auch ein Dolmetscher im Gerichtssaal anwesend. Den Vorsitz hatte Richterin Petra Nicklas. Der Angeklagte lebt seit 2011 in Deutschland und hat eine neunährige Tochter. Er und die Mutter leben jedoch getrennt. Da der Angeklagte bei seinem Job in einer Reinigungsfirma nicht viel Geld verdient, muss er keinen Unterhalt zahlen. Dennoch unterstützt er seine Tochter finanziell jeden Monat und besucht sie regelmäßig mit Bus und Bahn.

Sein Arbeitgeber, der den Angeklagten als stets zuverlässig und fleißig bezeichnet, verlangte jedoch, dass dieser endlich den Führerschein machen solle und stellte auch eine mögliche Kündigung in Aussicht. „Da habe ich Panik bekommen“, lässt der Angeklagte über seinen Dolmetscher ausrichten. Er hatte Angst, seine Tochter nicht mehr finanziell unterstützen zu können und so habe er wenige Tage vor der Prüfung den Einfall gehabt, jemand anderes dort hinzuschicken. Richterin Nicklas belehrte den Angeklagten darüber, dass die Prüfung dazu diene, die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten. „Auf meinem Handy habe ich die Prüfungen immer bestanden, aber ich hatte so große Angst vor der Prüfung“ erklärte sich der Angeklagte. Es tue ihm von Herzen leid.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Angeklagte derzeit eine zweijährige Strafe auf Bewährung abbüßt, da er 2021 wegen Computerbetrugs in 25 Fällen verurteilt wurde. 22 davon in Tateinheit mit dem Missbrauch von Ausweisdokumenten. „Mit der korrekten Verwendung von Ausweisdokumenten haben Sie es nicht so oder?“, gibt Richterin Nicklas zu verstehen. „Wie kann ich sichergehen, dass sie hier nicht herausspazieren und in ein paar Wochen das Gleiche noch einmal tun?“. Daraufhin hebt der Angeklagte die rechte Hand zum Schwur: „Ich schwöre es bei Gott“. Die Richterin entgegnet amüsiert: „Dann hoffe ich, dass Sie den gleichen Schwur nicht schon bei der ersten Verhandlung geleistet haben, sonst würde sie jetzt der Blitz treffen“.

Aufgrund der positiven Sozialprognose, dem guten Verhältnis zu einer Tochter und seines frühen Geständnisses belief sich das Urteil am Ende auf eine Geldstrafe von 1350 Euro. Es übertraf dabei jedoch sogar noch die Forderung der Staatsanwaltschaft, die 1200 Euro gefordert hatte. „Ihr Motiv bewahrt Sie vor dem Gefängnis“, gab die Richterin dem Angeklagten zu verstehen und machte ihm klar, dass er sich ab jetzt an die Regeln halten müsse. Ansonsten seien Tochter und Job schnell für zwei Jahre weg. Der Angeklagte akzeptierte das Urteil.

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