Fünf, die nach vorne schauen: Intensives Wahlforum in Osburg

Fünf, die nach vorne schauen: Intensives Wahlforum in Osburg

Wie wollen die Bürgermeisterkandidaten ein Vertrauensverhältnis im Rathaus aufbauen? Diese und andere Fragen wurden auf Initiative des TV erörtert. Die Besucher spendeten viel Applaus.

Osburg/Waldrach Nimmt man das TV-Forum vom Mittwoch als Gradmesser, dann ist das Interesse an der bevorstehenden Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer riesengroß: Das Vereinshaus in Osburg ist an diesem Abend rappelvoll; etwa 300 Menschen wollen sich ein Bild von den fünf Kandidaten machen. "Intensiv und informativ" - dieses Fazit zieht ein Besucher nach zwei Stunden (siehe Stimmen unten).
Das Forum offenbart bei den Schwerpunktthemen Schulen, Verkehr und Infrastruktur mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die TV-Redakteure Marcus Hormes und Harald Jansen löchern die Protagonisten mit Fragen, auch das Publikum beteiligt sich lebhaft, spendet bereits bei der anfänglichen Vorstellung der Bewerber aufmunternden Applaus.
Den zahlreich erschienenen Mitarbeitern der VG-Verwaltung dürfte gefallen haben, dass alle Kandidaten bei einem Neuanfang im Waldracher Rathaus auf Dialog, Teilhabe und Transparenz setzen. Lisa Finke wollte wissen, wie die Kandidaten ein Vertrauensverhältnis aufbauen wollen. Dieses habe in den letzten Jahren stark gelitten.

Die Schwerpunktthemen: Hat der Verbandsgemeinderat Ruwer mit seiner Zurückhaltung im Fall Bernhard Busch richtig gehandelt? Diese Frage von TV-Redakteur Hormes ist einigen Kandidaten sichtlich unangenehm, sie wollen eher nach vorne schauen, als die Fahrtkostenaffäre um den seit August im Ruhestand befindlichen früheren Bürgermeister zu kommentieren. Leider habe Busch versäumt, offener mit dem Thema umzugehen, sagt Stephanie Nickels (CDU). Stefan Metzdorf (SPD) bemerkt, das Verfahren sei "von vorne bis hinten ein Skandal". Obwohl 192 Betrugsfälle eingeräumt worden seien, habe der Kreis 23 Monate gebraucht, um zu reagieren. Busch sei lange ein "guter Mann" gewesen, meint Hermann-Josef Franzen, die charakterliche Seite könne er nicht beurteilen. "Das ist Vergangenheit, wir stehen hier für die Zukunft", sagt Katharina Sassen-Hammes (Grüne). Deutlich wird der Einzelbewerber Hans-Peter Michels: "Nach der Verurteilung im Oktober 2015 hätte man ein Abwahlverfahren anstrengen sollen, das wäre eine saubere Sache gewesen, auch für Busch." Zu Michels Vorwurf, die CDU habe nur "rumgeeiert", verweist Christdemokratin Nickels auf die hohen Hürden eines Abwahlverfahrens durch die Bürger: "Möglicherweise hätte es nur Verlierer gegeben."
Einen hohen Stellenwert nimmt derzeit das Thema Schulen in der VG Ruwer ein. Die Grundschulen in Waldrach und Ruwer sollen ausgebaut werden, Schöndorf kämpft um die Existenz. Sassen-Hammes und Nickels plädieren dafür, den Dialog mit den Eltern zu suchen, um das Betreuungsangebot zielorientierter zu gestalten, Metzdorf will an allen Standorten festhalten, bemängelt aber, dass "die Dinge lange verschleppt wurden". Michels kritisiert, dass für Waldrach zunächst mit dem Kreis eine Kernsanierung verabredet worden sei, dann aber der VG-Rat für einen Neubau gestimmt habe. "Die 800 000 Euro Mehrkosten gehen zu Lasten der Umlage und damit der Gemeinden", so der Thommer Ortsbürgermeister. Geschäftsmann Franzen, der des Öfteren anmerkt, er habe als Außenstehender keinen Einblick in Verwaltungsangelegenheiten, berichtet von vielen Begegnungen in Schulen: "Ich höre von vielen Schülern und Lehrern, dass sie zufrieden sind." Gleichwohl werde in Schulen zu wenig investiert.

Fragen der Besucher: Michael Ambré aus Waldrach läutet die Runde der Saalfragen ein. Die VG sei mit Autos überfrachtet, sagt er. Müsse da nicht ein Verkehrskonzept her? Der ÖPNV müsse attraktiver gestaltet werden mit zusätzlichen Fahrten am Wochenende und abends, sagt Nickels. Sassen-Hammes regt eine Mitfahrerbörse für die VG und mehr Ladestationen für E-Bikes an. Metzdorf möchte, dass der Ruwer-Hochwald-Radweg besser in Ruwer angebunden wird, und Kandidat Michels regt sich darüber auf, dass eine Linie von Hermeskeil übers Ruwertal nach Trier wegfallen soll. Keine Fortschritte gebe es beim Mitfahrerparkplatz Osburg-Neuhaus. Alle Kandidaten wollen sich für eine bessere Grundversorgung der Menschen in der VG Ruwer einsetzen und einer weiteren Ausdünnung der Infrastruktur (nach der Schließung von Geschäften und Banken) entgegenwirken.
Am 5. November wird in der VG Ruwer ein neuer Bürgermeister gewählt. Hat keiner der fünf Bewerber die absolute Mehrheit, kommt es am 19. November zur Stichwahl der beiden mit den meisten Stimmen.
Ein Video zum TV-Forum gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/videos" text="www.volksfreund.de/videos" class="more"%>
Extra: STIMMEN ZUM TV-FORUM

Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Diese Kandidaten haben beim TV-Forum viel zu sagen (von links): Hermann-Josef Franzen, Stephanie Nickels, Hans-Peter Michels, Stefan Metzdorf und Katharina Sassen-Hammes. TV-Foto (5): Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Sie hören gespannt zu: Mit rund 300 Besuchern stieß das TV-Forum zur Bürgermeisterwahl in der VG Ruwer auf große Resonanz. TV-Foto: Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)


Johannes Dixius aus Lorscheid: "Das Forum war sehr intensiv und informativ. Die beiden Damen haben für mich die höhere Kompetenz gezeigt, die Herren haben schon mal eher mit der Keule draufgeschlagen." Eva Lersch aus Trier: "Es war sehr unterhaltsam. Ich bin spontan hergefahren, weil ich um den Skandal mit dem vorherigen Bürgermeister wusste. Man hat den Unterschied gemerkt. Die drei Parteikandidaten haben sich kompetent präsentiert." Klaus Weiler aus Gusterath: "Ich konnte mir jetzt ein gutes Bild von den Kandidaten machen, es sind alles ruhige und sachliche Vertreter. Für mich war die wichtigste Frage, wie die Kandidaten mit der Verwaltung umgehen wollen."

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