Für ein paar Tage die Rolle gewechselt

Für ein paar Tage die Rolle gewechselt

In mehreren Projekttagen haben sich Schüler der Berufsbildenden Schulen Trier mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt. Gemeinsam haben sie ihre Ergebnisse präsentiert - die für viele von ihnen auch selbst erhellend waren.

Trier. "Hate Speech" - Hassreden, so heißt das Projekt, mit dem sich Sonja Knodt und Elisabeth Koster beschäftigt haben. Die Schülerinnen der Berufsschule für Gewerbe und Technik zeigen anhand von verschiedenen Bildschirmfotos aus dem sozialen Netzwerk Facebook, wie fremdenfeindliche Kommentare im Internet entstehen.
Die Idee für das Projekt ist entstanden, als die Schülerinnen immer häufiger auf Beiträge von Bekannten aufmerksam wurden, die rechtsextremistische Ansichten unterstützten. Die beiden 18-Jährigen zeigen in der Aula der Berufsbildenden Schulen einen Beitrag über einen Flüchtling, der zwei Frauen vergewaltigt haben soll. Der Artikel erntete prompt viele ausländerfeindliche Kommentare. Hätten die Kommentatoren nachgeschaut, wann der Artikel erschienen ist, hätten sie gesehen, dass er bereits ein paar Jahre alt ist und mit der momentanen Situation nicht in Bezug gesetzt werden kann.
Quellen genau prüfen


"Wir haben daraus gelernt, dass man immer die Quellen genau studieren sollte, bevor man irgendwelche Kommentare ablässt", stellt die 18-Jährige Elisabeth fest.
Ihr Projekt ist eines von vielen, die die Schüler im Rahmen der Projekttage des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus des Kriminalpräventiven Rats Trier gemacht haben. Die Projekttage werden jährlich in Zusammenarbeit mit einer der weiterführenden Schulen in Trier organisiert. Dieses Jahr sind die Berufsbildenden Schulen an der Reihe, unter dem Motto "Für Vielfalt, Fairness und Toleranz".
Unter den Zuschauern der Präsentation sind auch der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Mitglieder des Arbeitskreises und viele Schüler. Sie sehen auch ein Theaterspiel zum Film "Schwarzfahrer" von 1992. Der Film erzählt die Geschichte eines dunkelhäutigen Jungen, der in einer Berliner Straßenbahn von einer älteren Dame wegen seiner Hautfarbe beschimpft wird.
Ängste bei den Schülern


Die Jugendlichen aus der Klasse zwölf des Kurses "Darstellendes Spiel" hätten Ängste und Befürchtungen gehabt, die unschönen und rassistischen Sprüche aus dem Film nachzusprechen, sagt Kursleiter Jürgen Dahm. Dennoch seien sie während der Proben sehr engagiert gewesen. Insgesamt bewertet der Lehrer die Stimmung während des Projekttags als positiv. "Die Schüler waren vergleichsweise aufmerksam und konzentriert, denn sie wollten ja schließlich die Beiträge ihrer Mitschüler sehen."
Unter den Zuschauern ist auch eine Gruppe von Flüchtlingen, die mit ihrem Deutschlehrer vom Exzellenhaus, Lothar Bauer, die Veranstaltung besucht. Der 16-Jährige Sipan Jalil Ibrahim ist begeistert von der Vorstellung, obwohl er erst ein bisschen Deutsch spricht. Der junge Syrer findet es toll, wie viel Mühe sich die Schüler dabei geben, zu zeigen, dass sie die Flüchtlinge willkommen heißen und akzeptieren. "Deutschland hat mir in so vielen Punkten geholfen. Ich darf hier endlich wieder im Verein Fußball spielen", lobt der junge Mann. "Wie könnte ich nicht alles lieben, was in diesem Land von so netten Menschen vorgeführt wird?"

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