Für einen Abend Geisterjäger sein

Für einen Abend Geisterjäger sein

Ein Horror-Hotel hat in Trier seine Pforten geöffnet - zumindest einen Abend lang. Zu Halloween haben zwei Schüler im hauseigenen Keller eine kreative Geisterbahn geschaffen, in die sich rund 200 Gruselbegeisterte gewagt haben.

Trier. Mit der Abenddämmerung des 31. Oktober macht ein ganz normales Mehrfamilienhaus in Trier-Ost eine erschreckende Verwandlung durch. Es ist in geisterhaftes Licht getaucht, vor allem aus dem unteren Bereich sind allerlei schaurige Geräusche zu hören. Auf der Wiese vorm Haus scheint sich ein Friedhof zu befinden - ein verfluchter, denn es liegen Knochen und Schädel herum; bleiche Hände strecken sich aus dem Boden. "Horror Hotel", verkündet einer der Grabsteine, und ein Schild informiert: "Geisterjäger gesucht". Von denen finden sich an diesem Abend um die 200 ein, und das bereits ab dem Kleinkindalter. Schaurig kostümiert stehen sie vor dem Horror-Hotel Schlange, um die Geisterbahn der etwas anderen Art zu erleben.
25 Meter lange Gruselstrecke


Geschaffen haben dieses Halloween-Event zwei Schüler: Jan-Philipp Reinisch und Lucas Kauhausen. Den Ausschlag gab ein Besuch im Bottroper Movie-Park vor zwei Jahren: "Da werden zu Halloween alle möglichen Labyrinthe aufgebaut", berichtet Jan. "Das können wir auch", habe er sich damals gedacht. Sein Vater, anfangs wenig begeistert, half tatkräftig mit, und auch sein Freund Lucas stieg mit ein. So trieb im vergangenen Jahr in Trier-Ost ein verrückter Professor sein Unwesen. Die kreative Halloween-Aktion inklusive Lichteffekten und Nebelmaschine zog damals ohne Werbung bereits mehr als 100 Gruselbegeisterte aus dem Viertel an. In diesem Jahr ist der "Home Haunt", in den USA ein beliebter Trend, noch aufwendiger geworden; Freunde und Verwandte unterstützen die Schüler. Seit den Sommerferien haben Jan und Lucas an ihrer privaten Geisterbahn gebaut und an die 500 Euro investiert. So warten am Ende der gut 25 Meter langen Gruselstrecke nicht nur Süßigkeiten, sondern auch eine Spendenbox.
Ein durchgeknallter Hausmeister


"Letztes Jahr war\'s echt cool", sagt Viane (12), die vor der Tür wartet. Leo (7) ist auch sehr gespannt auf das Horror-Hotel, während sein gleichaltriger Freund Paul lieber draußen wartet. Für Kinder bis zwölf Jahre gibt es "Grusel light": Licht-, Sound- und Nebeleffekte, aber keine aktiven "Erschrecker". Für die Erzieherinnen Sabrina (23) und Julia (28) wird es da schon gruseliger.
In Kleingruppen geht es in den Keller hinab; Kerzen und Teelichter weisen den Weg durch den Nebel. Vorbei geht es an dem totenbleichen Rezeptionisten; teilweise ist es stockdunkel in den engen Gängen, immer wieder versperren schwarze Vorhänge den Durchgang. Da hockt ein Mädchen auf einem blutverschmierten Bett, einen Teddy im Arm, in Fenstern erscheinen grausige Fratzen. Ein durchgeknallter Hausmeister kommt angestürmt, in der Hand eine rotierende Bohrmaschine. Nach wenigen Minuten ist es geschafft; zur Belohnung gibt es bei "Hexe" Angelika Kauhausen Süßigkeiten. Sabrina hält die Hand aufs Herz: "Gruselig, furchtbar! Aber ich werde das Event trotzdem weiterempfehlen."

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