Für einige top, für andere ein Flop
Trier · Die Stadt diskutiert ein Verbot von Kundenstoppern und eine Reduzierung von Warenauslagen vor Geschäften (der TV berichtete). Was aber sagen die betroffenen Händler dazu? Und wie reagieren die Kunden? Der TV hat sich umgehört.
Trier. Erneut diskutiert die Stadt Trier, die Eigenpräsentation der Geschäfte in Form von Werbeaufstellern und Warenauslagen weiter einzuschränken. Die bisherige Satzung sieht einen sogenannten Kundenstopper pro Geschäft vor, doch nun wird überlegt, sie ganz zu verbieten. Auch die Größe der Warenauslagen vor den Geschäften steht auf dem Prüfstand (der TV berichtete).
Bei den Händlern zeichnet sich deutlich ab, dass sie eher auf einen Werbestopper vor dem Geschäft als auf die Auslagen verzichten würden. "Gerade die Auslagen sind besonders wichtig. Die Kunden wollen die Ware sehen und anfassen können", sagt Karin Junghanns, Filialleiterin von Betten Gebers in der Brotstraße. "Wenn das Wetter so schlecht ist, dass wir unsere Ware nicht draußen präsentieren können, ist der Kundenrückgang deutlich spürbar."
Das bestätigt auch Peter Zender von De' Bücherladen in der Simeonstraße. "Seit mehr als 30 Jahren nutzen wir unsere Außenfläche zur Warenpräsentation, die in dieser Größe für das Überleben unseres Geschäfts zwingend notwendig ist." Ergänzend fügt er hinzu, dass er nicht verstehen könne, warum man nicht zunächst die bestehende Werbeschilderflut bekämpfe und ausufernden Straßenverkauf wieder auf die bestehende Satzung zurückkürze. "Ich kann ja verstehen, dass man das Stadtbild aufgeräumter präsentieren möchte, aber wenn man sich, wie es in dem Schreiben der City-Initiative und der IHK heißt, an der Sondernutzungssatzung vergleichbarer Städte orientieren möchte, dann ist auf jeden Fall zu berücksichtigen, dass in diesen vergleichbaren Städten schon viele Geschäfte schließen mussten, weil sie ohne Warenauslagen nicht mehr genug auf sich aufmerksam machen konnten."
Auch Georg Zeller, Restaurantleiter von McDonald\'s, auf dem Hauptmarkt, möchte auf die Situation der kleinen Geschäfte aufmerksam machen. "Wir sind seit 30 Jahren in Trier, und uns ist es nicht egal, was mit unseren Nachbarn passiert. Als McDonald\'s sind wir nicht auf den Kundenstopper vor unserer Filiale angewiesen; wir haben eine gute Lage, und die Leute kommen zu uns, aber kleinere Geschäfte brauchen die Präsentation durch Auslagen oder einen Aufsteller, um die Kunden auf sich aufmerksam zu machen." Die ausgestellte Ware steigere die Überwindung der Leute, auch einmal in ein kleines Geschäft zu gehen. Trier lebe vom Tourismus. Die Leute schätzen die Stadt wegen ihres Einkaufsflairs und nicht nur wegen der Römerbauten.
Georg Kern, Inhaber des Musikhauses Reisser, begrüßt hingegen das Vorhaben der Stadt. "Die vielen Kundenstopper sehen schrecklich aus." Alleine in der Fleischstraße habe er schon einmal 60 Aufsteller gezählt. "Die Kunden werden dadurch nicht animiert, in die Geschäfte hineinzugehen, sie machen einen Bogen um die Stopper und somit um das Geschäft." Auch weniger Auslagen hält er für wünschenswert. "Die Geschäfte sollen ihre Auslagen reduzieren und dafür aber in schicker Form präsentieren."
Dem kann Marianne Müller, Abteilungsleiterin der Lambert-Filiale am anderen Ende der Fleischstraße, nur widersprechen: "Ich finde es schön, wenn etwas ausgestellt wird. Es macht das Stadtbild lebendiger." Auch gehe sie davon aus, dass es die meisten nicht stören würde.
Diese Meinung teilt auch Rainer Hammes, Gesellschafter der Firma Schuhhaus Hammes in der Fleischstraße. Von einem Verbot hält er gar nichts. Er möchte viel lieber, dass die Stadt darauf achtet, dass das Gesamtbild der Straßen ein ordentliches ist und dass ausartende Werbung geahndet wird. Hammes: "Es sollen aber nicht alle Geschäfte unter der Werbewut einzelner leiden müssen."
Mit einer Reduzierung der Auslage wäre hingegen Stefan Küßner, Filialleiter von WMF in der Simeonstraße, einverstanden. "Auch, wenn es vielleicht einen Rückgang der Kundschaft bedeuten würde, wären wir im Sinne der Stadt bereit, unsere Auslagen vor der Filiale zu reduzieren, solange die nicht ganz verboten werden." Auch er verweist auf die Geschäftsschließungen wie in Saarbrücken, merkt aber an, dass er gut mit einem Verbot der Werbestopper leben könnte, denn: "Die Warenauslagen sorgen eindeutig für die größere Aufmerksamkeit bei den Kunden."Extra
Was halten Sie davon, wenn Auslagen vor den Geschäften und Kundenstopper reduziert oder gar verboten würden? Charles Struttmann (83), Luxemburg: "Solange vor den Geschäften gute Ware präsentiert wird, finde ich die Auslagen in Ordnung, sie stören mich nicht. Sie machen die Fußgängerzone eher lebendiger." Margret Friese (65), Korlingen: "Ich fände das sehr schade. Ich habe schon oft Bücher gekauft, über die ich hinterher froh war, sie vor den Geschäften entdeckt zu haben. In den Geschäften wären sie mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Die Leute würden sich weniger Zeit fürs Bummeln nehmen." Astrid Vierbuchen (49), Butz weiler: "Mir fallen die Auslagen und Kundenstopper vor den Geschäften meist gar nicht so auf, weil ich nie bewusst darauf achte. Wenn ich in der Stadt bin, steuere ich direkt das Geschäft an, in das ich möchte, und bleibe höchstens vor diesem stehen, um ein bisschen zu stöbern." mich